Schulpalast 1922

An d’Gemengenarchive geluusst (XV)

Als Grevenmacher 1922 seinen „Schulpalast“ einweihte

Am 5. November 1922 – einem Sonntag – wurde die neue Grevenmacher Primärschule „auf Kopgewan“, die von 1919 bis 1921 gebaut worden war, feierlich eingeweiht.
„Schon am hellen Morgen flatterten die Fahnen aus allen Luken des Dachfirstes herab. Das Haus selbst glänzte in allen Sälen und Wandelgängen in freundlichster Sauberkeit“, hieß es im Bericht über die Einweihungsfeierlichkeiten in der Obermosel-Zeitung vom 9. November 1922. Bereits in der Ausgabe vom 6. November konnte man in einem ersten diesbezüglichen Beitrag lesen:

„Die Einweihung des neuen Schulgebäudes auf Kopgewan (…) gestaltete sich zu einer stimmungsvollen Feier für unser Städtchen. Der Schulpalast stand während des ganzen Nachmittags den Besuchern offen, sodass sich die Einwohner Rechenschaft geben konnten über die Vorzüge der lichtdurchfluteten Räumlichkeiten und der neuzeitlichen hygienischen Einrichtungen, welche dort zur Verfügung der Kinder stehen.

Freudiger und hoffnungsstolzer dürfte wohl kaum je von der Kinderschar der Gang zur Schule angetreten worden sein, als gestern, da die Schuljugend unter Führung des Lehrpersonals und unter den flotten Klängen der Musik – die beiden städtischen Musikgesellschaften waren mit von der Partie – vom Stadthaus zur neuen fahnengeschmückten Lehranstalt geleitet wurde.

Die kirchliche Einsegnung nahm Herr Dechant Bormann vor. (Dechant Jean Bormann wirkte von 1921 bis 1929 in Grevenmacher.) Die weltliche Feier bestand in einem Empfang der Behörden, des Lehrpersonals, des Architekten und der Unternehmer durch die Stadtverwaltung in dem geräumigen Konferenzsaal, von wo sich ein prächtiger Ausblick auf das Moseltal und das Städtchen bietet.“

Der Grevenmacher „Schulpalast“ auf der „Kopgewan“ kurz nach seiner Erbauung. Foto: Privatarchiv m.h.)

Dieser „Konferenzsaal“ könnte sich im ersten Stockwerk, entweder über dem Eingangsportal oder im Seitenflügel zum Schulhof hin befunden haben, und der Ausblick auf Stadt und Mosel könnte sich durchaus gelohnt haben, denn noch standen nicht sehr viele Häuser in der Umgebung der Schule.

Alsdann werden im Zeitungsbeitrag die Ehrengäste aufgelistet, welche der Einladung der Stadtverwaltung Folge geleistet hatten. Unter ihnen war auch „Generaldirektor Bech“. Es handelte sich um den damaligen Innen- und Bildungsminister und späteren Justizminister sowie Premierminister, Außenminister und Weinbauminister Joseph Bech (1887-1975), dessen Namen unser Lyzeum trug – die Schule wurde 1979 zum zehnten Wiegenfest in LTJB „umgetauft“; seit dem Schuljahr 2014/1015 lautet der Name der Schule „Maacher Lycée – und an den seit 1998 ein Denkmal auf dem „Schiltzenplaz“ vor dem Postgebäude erinnert.

Ein „Schulhaus“-Text aus einem Heimatkundeheft aus dem Jahr 1952.

Bürgermeister Antoine Wagner – er waltete seines Amtes von 1921 bis 1928 – begrüßte die Gäste. Seine Ansprache wurde den Lesern der Obermoselzeitung wenige Tage später, am 9. November 1922, „als Prachtstück“ vorgelegt. Auch wurde auf die Rede von Generaldirektor Joseph Bech hingewiesen, der die Stadtverwaltung beglückwünschte „zu dem herrlichen Werk, das sie inschwersten Zeiten, mit Aufwand von ungeheuren Opfern zu gutem Ende geführt hatte“.

„Eine eingehende Besichtigung des gewaltigen Baues, die sich vom Erdgeschoss bis zu den oberen Räumlichkeiten erstreckte, bildete den Schlussakt des schönen Festes, welches die Krone auf ein Werk setzte, das für das körperliche und geistige Gedeihen zahlreicher Generationen unseres Moselstädtchens von der höchsten Bedeutung sein wird“, war im Bericht vom 6. November 1922

zu lesen.
Soweit zur offiziellen Einweihungsfeier das Grevenmacher „Schulpalastes“, die sich damals als Fest „reich gefüllt mit Verheißungen für die aufsprossende Menschensaat der Gemeinde“ gestaltete.

Monique Hermes

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