Moselstadt Hurt 2

An d’Gemengenarchive geluusst (X)

Grevenmacher.
Einer Moselstadt geschichtliches Werden und Wachsen. (II)

Mit der dreiteiligen, sechs Bände umfassenden, wertvollen Kartular-Chronik, welche der Geistliche und Historiker Jos. Hurt (1892-1962), seiner Heimatstadt hinterließ, hatten wir uns bereits im vorigen Gemeindebulletin befasst. Das „Geschichtswerk über die Moselmetropole von den Anfängen bis 1800“ beinhaltet neben unzähligen wichtigen geschichtlichen Daten und Fakten auch einige sehr interessante lyrische Texte.

Zu Beginn des ersten Teiles der Kartular-Chronik widmet der Autor seiner Heimatstadt einen wohl etwas märchenhaft klingenden Beitrag, der jedoch so tief und schön ist, dass er es verdient, an dieser Stelle nochmals zur Geltung zu kommen.

Es war einmal…

Da gab es im Moselland ein traumstilles, vom Grün der Weinberge umkränztes, vom Blau der Mosel umzogenes und vom leuchtenden Himmel überspanntes Städtchen. Das hieß Grevenmacher.
Klein war es und alt, Jahrhunderte alt. Rundum gingen noch starke, verfallene Ringmauern mit trutzigen Türmen. Darin waren enge, winklige Gässchen mit kleinen Häuschen. Die hatten schmale Fenster mit grünlich altersblindem Glas. Daneben standen große Patrizierhäuser mit weitgespannten Torbögen, an denen verbröckelnde Wappen leuchteten. In der Mitte stand der altersgraue Wachtturm, vierschrötig und breit und ließ seine Stundenschläge schläfrig und rasselnd über das Städtchen verklingen.

„Kommt, in dieses Moselstädtchen wollen wir wandern…“ (Postkarte von 1899, Druck: Meier-Schock, Grevenmacher – Gemeindearchiv)

Und Straßen und Gassen und Häuser und Mauern erzählen. Erzählen von Jammer und Not und harter Lebensmüh derer, die einst an diesen Herden saßen und im Schatten dieser Türme lebten. Dunkle Schicksalstage steigen auf, die

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nicht im Buche der Geschichte verzeichnet sind. Rotglühend wird der Himmel von den lohenden Feuergarben, die aus dem gebrandschatzten Städtchen steigen und hellrot fließt das Wasser des Marktbächleins von all dem Blut, das dort vergossen ward. Immer wieder zog auf der Völkerstraße durch diese Ortschaft mit den Kriegsheeren aus aller Herren Ländern das Elend, immer wieder hallten diese Gassen und Häuser wieder von den Gräueltaten plündernder Horden. Und die Pest kam nachgezogen und machte die ausgebrannten Straßen zu Wüsteneien.

Aber auch davon wissen sie zu berichten, die Gassen und Gässchen, die Mauern und Türme, freudig und stark, wie aus dunklen Verhängnissen, aus Not und Tod, aus Misswuchs und Missernte immer wieder die unverwüstliche Lebenskraft dieses Moselvolkes neues Wachsen und Schaffen hervorbrachte.

Es war einmal…
Kommt, in dieses Moselstädtchen wollen wir wandern; horcht, von ihm erzählen diese Blätter.“

Monique Hermes

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