Manuskript Berens 1

An d’Gemengenarchive geluusst (XIII)

Ein besonderes Manuskript von Adolf Berens (I)

Als Grevenmacher im Jahr 1952 die Siebenhundert-Jahrfeier des Freiheitsbriefes beging, war unter den Veröffentlichungen ein 60 Seiten starkes Büchlein mit dem Titel: „Die Anfänge der Stadt und Festung Grevenmacher“, herausgegeben von Ad. Berens. Im Grevenmacher Gemeindearchiv liegen noch einige Exemplare dieses für die Geschichtsforschung bedeutenden Werkes. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass die Stadt Grevenmacher das Manuskript dieses Büchleins ihr Eigen nennt.

Adolf Berens, der viel schrieb und zahlreiche Pseudonyme benutzte, etwa „Dölly“ oder „Gillius“, um nur diese beiden zu nennen, erblickte das Licht der Welt am 15. März 1880 in Grevenmacher und starb am 23. März 1956 in Petingen. Von Beruf war er Lehrer, in Ettelbrück, Steinheim, Wecker und Rollingen/Rodange, sowie von 1924 bis 1936 Oberprimärschullehrer in Petingen.

Hervorgehoben sei, dass Berens zahlreiche Beiträge über seine Heimatortschaft veröffentlichte, in Zeitungen, z. B. in der Obermoselzeitung, und in Zeitschriften, etwa in der „Jonghémecht“. Darüber ein andermal mehr.

Zwischen 1921 und 1928 kam der Roman „D’Kerfegsblo’m“ heraus. Er gilt als erster Roman in luxemburgischer Sprache, und Berens erhielt 1928 für dieses Werk den ersten nationalen Literaturpreis („Prix de littérature luxembourgeoise“). Zwischen 1948 und 1953 erschien das „National-Epos“ mit dem Titel „De Gro’sse Käser“, „vu Gillius‘ Döll“. In diesem Werk, aus dem wirdie Originalunterschrift des Autors veröffentlichen, geht es um die Gestalt Heinrichs VII., Graf von Luxemburg von 1288 bis 1309, König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1308 bis 1313.

Soweit zur Biografie desjenigen, nach dem seit 1995 eine Straße in einem neuen Viertel von Grevenmacher benannt ist, dies vornehmlich auf Bestreben des rührigen Lokalhistorikers Jean Welter (+ 2006).

Deckelseite des Manuskriptes „Die Anfänge der Freien Stadt und Festung Grevenmacher.“ (Gemeindearchiv Grevenmacher)

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Die Anfänge der Freien Stadt und Festung Grevenmacher

Das handgeschriebene Manuskript im Gemeindearchiv wurde verwendet zur Herausgabe des erwähnten Geschichtswerkes mit dem fast gleichen Titel, lediglich das Wort „Freien“ fehlt.
Ein Brief vom 27. Juni 1957, den der damalige Bürgermeister Victor Prost – er waltete von 1929 bis 1959 seines Amtes in Grevenmacher – an seinen Freund Jos. Hurt (1892-1962) aus Grevenmacher, Geistlicher und (Lokal)Historiker, gibt uns Aufschluss, wieso dieses wertvolle Manuskript in das Gemeindearchiv kam. „Desgleichen füge ich ein Verzeichnis der Manuskripte von Adolphe Berens bei, die wir vor zwei Jahren von ihm erworben haben“, heißt es darin. Auf dieses Verzeichnis, in dem auch „unser“ Manuskript aufgelistet ist, werden wir in einer späteren Rubrik zu sprechen kommen. Bemerkt sei, dass die Gemeinde Grevenmacher demnach die Manuskripte von Berens 1955, ein Jahr vor dessen Tod, erwarb.

Deckelseite des Manuskriptes „Die Anfänge der Freien Stadt und Festung Grevenmacher“ (Gemeindearchiv Grevenmacher).

Das kostbare, sehr sauber verfasste Manuskript mit zahlreichen Ergänzungen und Einfügungen, das generell in gutem Zustand ist, umfasst insgesamt 174 fein säuberlich auf der Rückseite mit roter Farbe nummerierte Blätter, die z. T. auf beiden Seiten beschrieben sind. Es ist, wie das daraus entstandene Buch, in mit großen Buchstaben gekennzeichnete Kapitel aufgeteilt. Diese sind anhand von kleinen Buchstaben in Unterkapitel eingeteilt.

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Dann kommt der Hammer! Im 60 Seiten starken Buch, das in der Grevenmacher „Imprimerie de l’Est“ Paul Faber gedruckt wurde und 1952 erschienen ist, wurden lediglich vier große Kapitel zurückbehalten, nämlich:

  1. – Erwerbung durch Graf Heinrich IV.
  2. – Die Befestigung.
  3. – Die Befreiung,
  4. – Die Marktgerechtsame.

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Blatt 43 des Manuskripts, veröffentlicht auf S. 31 im späteren Buch.

Im Manuskript sind wir am Ende des Büchleins erst auf Blatt 100 angelangt! Es bleiben demnach 74 hoch interessante Blätter über Fakten aus der Geschichte unseres Moselstädtchens, die bis dato nicht veröffentlicht wurden! Wir werden uns also noch des Öfteren mit einem ganz besonderen Manuskript von Adolf Berens befassen müssen. Genau wie mit den im zitierten Brief aufgelisteten unveröffentlichten Manuskripten, die leider nicht mehr alle vorhanden sind…

Originalunterschrift von Berens in „De Gro’sse Käser“ (Gemeindearchiv Grevenmacher).

Monique Hermes

Quellenangabe:
Berens, Adolf in Luxemburger Autorenlexikon des Centre national de littérature in Mersch. Jean Welter: Maacher Bërger vu fréier – Katalog zur retrospektiver Ausstellung, Ouschteren 1992. Foto-Club Flash.

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