Lortz

An d’Gemengenarchive geluusst XLIV
Die Schriften eines weltweit anerkannten Kirchenhistorikers

Die Stadt Grevenmacher besitzt eine beachtliche Sammlung von Werken des renommierten römisch-katholischen Kirchenhistorikers Joseph (Adam) Lortz, der im 20. Jahrhundert als anerkannter Reformationsforscher und Ökumeniker galt und an bedeutenden deutschen Universitäten dozierte.

Als zweitjüngstes von sieben Kindern kam Joseph Lortz am 13. Dezember 1887 in der Moselmetropole zur Welt, wo er nach seinen Tod am 21. Februar 1975 auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

In Rom und an der Universität Freiburg studierte er von 1907 bis 1913 Philosophie und wurde 1913 in der Kathedrale von Luxemburg zum Priester geweiht. An der Universität Bonn wurde Lortz 1920 promoviert, derweil er sich 1923 an der Universität Würzburg habilitierte. Von 1929 an wirkte er als Professor an der Staatlichen Akademie Braunsberg in Ostpreußen. Bereits sehr früh machte der Theologe von Format sich einen besonderen Namen in Sachen „katholische Lutherforschung“.

Leider geriet Lortz 1933 in heftige Kritik und fiel in Ungnade durch die Abhandlung „Katholischer Zugang zum Nationalsozialismus“, die er 1933 veröffentlichte. Auch soll nicht verschwiegen werden, dass er Mitglied der NSDAP war, bis er 1938 aus der Partei austrat.

In der Nachkriegszeit lehrte Lortz dann von 1950 bis zu seinem Tod 1975 an der Universität Mainz. Zudem fungierte er als Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz in der Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte.

Die Werke des bekannten Kirchenhistorikers, aus denen hervorgeht, dass er sowohl mit Grevenmacher Persönlichkeiten wie Abbé Jos. Hurt (1892-1962) oder Bürgermeister Victor Prost (1891-1959) als auch mit international anerkannten Kirchenhistorikern befreundet war, sind z. T. handsigniert, bzw. mit handschriftlichen Widmungen an seinen jüngsten Bruder Prosper (1889-1976) versehen. Über die (zweibändige) „Geschichte der Kirche in ideengeschichtlicher Betrachtung“ verfügt Grevenmacher in deutscher, französischer, englischer, italienischer, spanischer und japanischer (!) Sprache.

Auch die voluminösen Bände über „die Reformation in Deutschland“ fehlen nicht im Stadtarchiv der Moselmetropole. Sie sind in deutscher, französischer und englischer Sprache vorhanden.

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Eines der Werke aus der Lortz-Sammlung im Grevenmacher Gemeindearchiv.

Ein ganz besonderes Augenmerk verdienen die beiden „Festgaben Lortz“, mit den Titeln: „Reformation Schicksal und Auftrag“ sowie „Glaube und Geschichte“. Mit diesen Festgaben hat es eine besondere Bewandtnis: Zum 70. Geburtstag von Joseph Lortz hatte das Institut für Europäische Geschichte, Mainz, am 12. Dezember 1957 nämlich eine außergewöhnliche Feierstunde veranstaltet, bei welcher besagte zweibändige Festschrift zum Jubiläum an Lortz überreicht wurde. Die je 600 Seiten starken, von den Kirchenhistorikern Erwin Iserloh (1915-1996) und Peter Manns (1923-1991) herausgegebenen Werke beinhalten Beiträge namhafter Autoren. So liest man in Band I eine dreiseitige Laudatio mit der Anrede „Verehrter, lieber Professor Lortz“,unterzeichnet vom ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss (1884-1963). Am Schluss des zweiten Bandes findet man in der „Bibliographie Joseph Lortz“ eine Zusammenstellung der wichtigsten Veröffentlichungen des renommierten Kirchenhistorikers mit Grevenmacher Wurzeln, für den die Moselmetropole stets seine „geliebte Vaterstadt“ blieb.

Monique Hermes

Quellen:

  • –  Emile Krier, Joseph Lortz – Ein Kirchenhistoriker von internationaler Reputation, in „nos cahiers“ Kanton Gréiwemaacher 1999.
  • –  Archivdokumente der Stadt Grevenmacher.

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