Kirchturm Beckius

An d’Gemengenarchive geluusst (VIII)

Der Grevenmacher Kirchturm aus ungewohnter Perspektive

Das Ölgemälde, den wuchtigen Grevenmacher Kirchturm aus einer besonderen Perspektive, nämlich von „hanner der Kërrech“ aus darstellend, wurde 1924 vom talentierten Moselmaler Jean-Pierre Beckius (1899-1946) aus Mertert gemalt, der bekanntlich zeitlebens gute Kontakte zur Moselmetropole pflegte. Es stammt aus der Zeit, als in Grevenmacher aufs Heftigste über den Umbau der Pfarrkirche gestritten wurde, nachdem zwischen 1890 und 1923 bereits ziemlich kontrovers über einen Neubau des Gotteshauses diskutiert worden war.

Besagtes Bild kommt ganz besonders zu Ehren in einem Beitrag von Jos. Faber (1887-1960) mit dem Titel „Unsere Laurentius-Kirche“, der erstmals 1924 in der Obermosel-Zeitung veröffentlicht und 1959 aufgegriffen wurde im äußerst interessanten Heftchen „A ’us Mâcher – Bunte Kleinstadtgeschichten“, als Anhang zur Broschüre „Harmonie Municipale Grevenmacher 1834-1959 – 125 ans“.

Betreffend den Umbau der Kirche, schreibt Jos. Faber: „Unser Moselmaler J.- P. Beckius muss drüben in Mertert von unsern Kirchenplänen Wind bekommen haben. Am verflossenen Kirmessamstag, an jenem trüb regnerischen Tage, war er mit seinem Malkasten herbeigekommen, und hat von der Gässel beim Café Weydert aus die Kirche mit dem Turm abkonterfeit. Dem Regen zum Trotz und umgeben von einem stets wachsenden Kreis von Kindern, die mit offenen Augen und Mündern zuschauten, vollendete er in einem einzigen raschen und sicheren Wurf das Bild, das jedenfalls ein Meisterstück der Kunst ist. Gerade das düstere Novemberlicht umhüllte die grauen Steine mit Vergangenheitsstimmung, die über altehrwürdigen Dingen liegt.

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Wenn es nach mir ginge, müsste die Stadtverwaltung von Grevenmacher das Gemälde erwerben, damit für die späteren Zeiten das Andenken an das vielgeschmähte Heiligtum im großen Rathaussaale aufbewahrt würde.“
Die Gemeinde Grevenmacher ist im Besitz des Gemäldes von Jean-Pierre Beckius, den altehrwürdigen Kirchturm darstellend, und hält es in Ehren. Es wurde im Jahre 2012 fachmännisch restauriert und neu gerahmt. Nun hat es seinen festen Platz im ersten Stock des Stadthauses.

Im Antrag zur Aufnahme der Grevenmacher Dekanatskirche mit ihrem geschichtsträchtigen Turm auf die Liste der nationalen Monumente, der vom Schöffenrat gestellt werden wurde, ist das gelungene Werk von Jean-Pierre Beckius denn auch keineswegs vergessen worden.

Monique Hermes

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