Jean Huss

An d’Gemengenarchive geluusst (XXXIV)

Ein landbekanntes Unikum, porträtiert von Frantz Seimetz

Das Gemälde steht hat einen Ehrenplatz im Foyer der Grevenmacher Gemeindeverwaltung. Auf einer Plakette auf der Vorderseite ist vermerkt: „Don de Mr. Max Arendt à Mr. Victor Prost bourgmestre de la ville de Grevenmacher.“ (Könnte es sich bei Max Arendt um den ehemaligen Konsul von Finnland handeln?) Auf einer simplen Etikette auf der Rückseite lesen wir: „Portrait de Mr. Huss Seimetz“.

Das Seimetz-Porträt von Jean Huss aus der Grevenmacher Sammlung. (Foto: Monique Hermes)

Im Jahr 2016 wurde das ansprechende Portrait fachgerecht restauriert. Es war nicht das erste Mal. Bei der Restauration von 1985 gab die Expertin Blanche Weicherding-Goergen folgende Erläuterungen zum Gemälde: „Portrait de Jean Huss, huile sur toile, format oval, hauteur 72 cm x largeur 58,50 cm, signé en bas à droite F. Seimetz, sur le revers: Jean Huss, Commissionnaire dit Ministre de la Confiance Publique, peint par Seimetz vers 1900.“

Am Schluss ihres Kommentars bemerkte Blanche Weicherding: „Le portrait de Jean Huss est un des meilleurs exécutés par Frantz Seimetz et l’on peut supposer que les deux hommes avaient une grande sympathie l’un pour l’autre. Valeur approximative à ce jour (plan national) 180.000 FL. “

So weit, so gut. Doch, wer war dieser ominöse Jean Huss? Im Internet stößt man unter luxemburgensia.bnl.lu auf einen informativen Beitrag, in dem auf einen Artikel, veröffentlicht am 29. April 1901 in der „Luxemburger Zeitung“, hingewiesen wird. Darin wird vom Ableben von „Kommissionär Johannes Huß,

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mit dem Beinamen ‚der Gottesfürchtige‘ (…) gestern Morgen im Civilhospiz im Alter von 83 Jahren“ berichtet. Im weiteren Verlauf des Artikels wird das Unikum Johannes Huss beleuchtet, als „Propriétaire de la confiance publique“ (1818-1901), wie unter dem Foto zu lesen ist. Dieser ehrenvolle Titel, der ebenfalls auf einer Postkarte steht, die von ihm existiert und die im Grevenmacher Gemeindearchiv aufbewahrt wird, war ihm, zusammen mit der Medaille und einem entsprechenden Diplom, am 1. April 1885 (!) von Stammtischfreunden verliehen worden. Auch von diesem Diplom besitzt Grevenmacher ein Exemplar.

Folgende Aussagen sind es wert, zitiert zu werden: „Das farbenfrohe, charakteristische Antlitz des alten Herrn hat mancher Maler auf Leinwand festgehalten, namentlich von Seymetz bestehen einige vorzügliche Hussbilder. (…) Als ‚Sitzredakteur‘ der früheren ‚Wäschfra‘ gehörte Huss einigermaßenauch zur siebenten Großmacht. (…) Aber lange noch wird er, seinen Regenschirm unter’m Arm und seine Medaille im Knopfloch, langsamen und gemessenen Schrittes durch die Erinnerung derer schreiten, die für humorvolle, originelle Figuren ein Verständnis haben.“

Auch der Journalist Evy Friedrich (1910-1989) befasste sich in einem seiner zahlreichen „Kalennerblieder“ mit dem „Sitzredakteur“ Jhang Huss, dem um 1870 eine besondere Position im Luxemburger Pressewesen zukam. „Dat wor kee Redakter, deen Artikele geschriwwen huet, ma e Redakter, dee, wann et drop ukoum, mat sénger Persoun durgehalen huet an an de Juck sëtze gaang ass, wann d’Blat eng Prisongsstrof zoudiktéiert krut.“ So Evy Friedrich. Das erklärt manches.

Und wieso waren Seimetz und Huss sich derart grün? Nun, wer den „Feuersalamander“ des Malers, Schriftstellers und Weltenbummlers mit Grevenmacher Wurzeln kennt, versteht diese „Zuneigung“ ohne weitere Erklärung.

Monique Hermes

Jean Huss als „Ministre de la confiance publique“ auf einer Postkarte (Gemeindearchiv Grevenmacher)

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