Grevenmacher Moselstadt Hurt 1987

Zum 25. Todestag von Pfarrer Joseph Hurt (+ 25. März 1962)

Grevenmacher:
Einer Moselstadt geschichtliches Werden und Wachsen

Ein bisher unveröffentlichtes Geschichtswerk über die Moselmetropole von den Anfängen bis 1800

  •   Veröffentlicht in “Die Warte” – kulturelle Beilage des “Luxemburger Wort”, in sechs Folgen, vom 26. März 1987 bis zum 3. Dezember 1987.
  •   Text: Monique Hermes, Fotos: Jean Welter.
  •   Überarbeitet von August bis November 2017.

– Teil I: 26. März 1987:

Am 25. März 1962 verstarb, fast 70jährig, einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Grevenmacher, Pfarrer Joseph Hurt, in seiner Heimatstadt. Hier hatte er am 13. August 1892, als Sohn der Eheleute Anton Hurt, Schlosser, und Katharina Wintersdorff, das Licht der Welt erblickt. Hier war seine erste Kaplanstelle im Jahre 1919, nach seiner Priesterweihe am 14. Juli 1918 und seinen weiterführenden Studien. Hierhin zog er sich am 1. September 1958 in den Ruhestand zurück, hier schloss er vier Jahre später die Augen für immer.

„Die Stadt Grevenmacher und die Mosel verlieren einen ihrer besten Söhne, der sich in zahlreichen Abhandlungen um die Kirchengeschichte unseres Landes und um die Lokalchronik seiner Heimatstadt in hohem Maße verdient gemacht hat,“ hieß es tags darauf im „Luxemburger Wort“.

Wohl die wenigsten wussten zu dem Zeitpunkt um die Tatsache, dass Joseph Hurt seinem über alles geliebten „Maacher“ eine geschichtliche Abhandlung hinterließ, die weit und breit ihresgleichen sucht; eine gebundene „Kartular- Chronik“, wie er selbst schreibt, ein Manuskript von unschätzbarem Wert, an dem er jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang, arbeitete und das er bis an sein Lebensende immer wieder vervollständigte: „Grevenmacher: Einer Moselstadt geschichtliches Werden und Wachsen.“

Am 25. Todestag und weiter im 25. Todesjahr von Pfarrer Joseph Hurt soll dieses wertvolle Dokument, das heute im Besitz der Grevenmacher Gemeindeverwaltung ist, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wir glauben, dass Grevenmacher dem Andenken von Joseph Hurt diese Geste schuldig ist. Wir bedanken uns bei den Gemeindeverantwortlichen, die uns bereitwillig die kostbaren Bände anvertrauten, damit wir Zeugnis ablegen dürfen vom reichen Können und fleißigen Forschen eines begnadeten Schriftstellers und Chronisten, dessen besondere Liebe seiner Vaterstadt galt…

1. Einige Überlegungen zu Beginn

page1image1578472368 page1image1578472656 page1image1578472944page1image1578473232

„Grevenmacher: Einer Moselstadt geschichtliches Werden und Wachsen.“

So betitelt Hurt sein Werk, das er selbst in drei Teile aufgliederte:

1) Von den Anfängen bis 1400
2) 1400 bis 1617
3) 1618 bis 1795, respektive 1800

Drei Teile, aus denen jedoch, als Hurt das Manuskript binden ließ, sechs dicke Bücher wurden, denn er bemerkt im 1. Band auf S. 14c: „Beim Einbinden meiner Grevenmacher Schrift fand der Buchbinder, dass er dieselbe nicht wie vorgesehen in drei Bände zusammenfassen konnte und machte daraus sechs Bände…“

Auf insgesamt 1311 Seiten, (fügt man jedoch die losen Blätter noch hinzu; Ergänzungen, die im Laufe der Zeit in die gebundenen Bände eingeschoben wurden und nicht immer nummeriert sind; so kommt man gut und gerne auf ein Total von 1600 Seiten), sind geschichtliche Dokumente, Urkunden, Auszüge aus Archiven und Büchern, Briefe, selbstverfasste Beiträge, Anekdoten, Pläne, Fotos und Zeichnungen, Zeitungsausschnitte, Stammbäume… zusammengetragen und streng chronologisch geordnet.

Hurt stellt die Geschichte und Geschicke der Moselstadt im Wandel und Wechsel der Jahrhunderte in den Rahmen der großen Weltgeschehnisse und vermittelt somit einen Gesamtüberblick, denn, wie er selbst schreibt: „Mit einem Haufen urkundlicher Angaben vermag der Leser nicht viel anzufangen, wenn die Urkunden und Auszüge nicht in Verbindung zu einander gesetzt werden.“ (Worte zum Geleit, Band 1, S. 9).

Wir sind uns wohl der Tatsache bewusst, dass mit diesen Beiträgen, mögen sie im Endeffekt auch zahlreich ausfallen, nur Bruchstückarbeit geleistet werden kann, dann das ausschöpfende Vorstellen dieser umfassenden, bis jetzt noch unveröffentlichten Sammlung bleibt ein fast unmögliches Unternehmen. Diese Feststellung hindert uns allerdings nicht daran, „ganze Arbeit“ zu leisten, um dem Leser und Freund der Lokalgeschichte, die ja für die Bewohner einer Ortschaft oft viel wichtiger ist, als große, politische Ereignisse, einen Einblick zu gewähren, eben in das geschichtliche Werdenund Wachsen einer Moselstadt, wie Hurt es sah… Er selbst wollte „die Frucht seiner Arbeit seinen lieben Mitbürgern anbieten.“ (Einleitung zum 1. Band, S. 10). Ein Vierteljahrhundert nach seinem Tode soll das mit dieser, wenn auch fragmentarischen Abhandlung endgültig geschehen…

2. Band I: Von den Anfängen bis 1400

Der Inhalt des ersten Teiles (zwei Bände mit insgesamt 268 fortlaufend nummerierten Seiten) ist in 10 verschiedene Kapitel eingeteilt, von denen

allerdings die beiden letzten nie geschrieben wurden. (Dies gilt ebenfalls für die im ersten Kapitel angekündigte Bibliographie und die Abkürzungen).
1. Widmung – Bibliographie – Abkürzungen.
2. Motto – Einleitung – Préface.

3. In grauer Vorzeit.
4. Moselland und Moselvolk (bis 451).
5. Im Moselgau (6. und 7. Jahrhundert).
6. Im Dämmerschein der Geschichte – „Villa Machera“ (7. Jh. bis 1252). 7. Im goldenen Frührot der Befreiung (1252-1356).
8. Im Wachsen und Weiten (1356-1398).
9. Anhang: Monnaies, poids et mesures – Glossar.
10. Personenverzeichnis – Sachverzeichnis. Ortsnamenverzeichnis.

An der Widmung, die Joseph Hurt seiner „lieben Heimatstadt Grevenmacher“ zukommen lässt, kommen wir nicht vorbei:

„Es liegt ein Städtlein im Moselland, Von vielen geliebt, von vielen gekannt, Umgeben von Reben und Blütenduft Und herrlichem Wald mit würziger Luft. Da rauschet Mosella ihr silbernes Lied, Ein Lied von uraltem Gemüt,
Das Widerhall weckt in des Volkes Brust In Arbeit und Frohsinn und Sangeslust.“

Aus diesen Versen, die wohl aus der Feder des Lyrikers Hurt stammen, wird die Liebe ersichtlich, mit der „der Sohn Grevenmachers“ zeitlebens seiner Heimatstadt an der Mosel zugetan war.

In den „Gedanken zu Beginn“ bemerkt Hurt: „Ein Teil dieser Geschichte soll eine schwache Gabe des Dankes sein an H. H. M. Blum (1845-1924, Autor der ‚Bibliographie Luxembourgeoise…‘ und Gründer von „Ons Hemecht“), der mein erster Anreger zur Heimatgeschichte war. Er hat mich in dieses weite Land der Geschichte eingeführt und mir dadurch eine der reichsten Freudenquellen meines Lebens erschlossen.“

Nach einer eher sachlichen Einleitung, in der der Autor festhält, dass er sieben Jahre an dieser neuen Sammlung gearbeitet hat, „darunter leider die Kriegsjahre 1939-1944“, kommt nochmals der Lyriker Hurt zu Wort mit einem wohl etwas märchenhaft klingenden Beitrag, der doch so tief und schön ist, dass wir dem Leser ihn nicht vorenthalten möchten.

„ES WAR EINMAL…“

„Da gab es im Moselland ein traumstilles, vom Grün der Weinberge umkränztes, vom Blau der Mosel umzogenes und vom leuchtenden Himmel überspanntes Städtchen. Das hieß Grevenmacher.

Klein war es und alt, Jahrhunderte alt. Rundum gingen noch starke, verfallene Ringmauern mit trutzigen Türmen. Darin waren enge, winklige Gässchen mit kleinen Häuschen. Die hatten schmale Fenster mit grünlich altersblindem Glas. Daneben standen große Patrizierhäuser mit weitgespannten Torbögen, an denen verbröckelnde Wappen leuchteten. In der Mitte stand der altersgraue Wachtturm, vierschrötig und breit und ließ seine Stundenschläge schläfrig und rasselnd über das Städtchen verklingen. Und Straßen und Gassen und Häuser und Mauern und Türme erzählen. Erzählen von Jammer und Not und harter Lebensmüh derer, die einst an diesen Herden saßen und im Schatten dieser Türme lebten. Dunkle Schicksalstage steigen auf, die nicht im Buche der Geschichte verzeichnet sind. Rotglühend wird der Himmel von den lohenden Feuergarben, die aus dem gebrandschatzten Städtchen steigen und hellrot fließt das Wasser des Marktbächleins von all dem Blut, das dort vergossen ward. Immer wieder zog auf der Völkerstraße durch diese Ortschaft mit den Kriegsheeren aus aller Herren Ländern das Elend, immer widerhallten diese Gassen und Häuser wieder von den Gräueltaten plündernder Horden. Und die Pest kam nachgezogen und machte die ausgebrannten Straßen zu Wüsteneien.

Aber auch davon wissen sie zu berichten, die Gassen und Gässchen, die Mauern und Türme, freudig und stark, wie aus dunklen Verhängnissen, aus Not und Tod, aus Misswuchs und Missernte immer wieder unverwüstliche Lebenskraft dieses Moselvolkes neues Wachsen und Schaffen hervorbrachte…

Es war einmal…

Kommt in dieses Moselstädtchen wollen wir wandern; horcht, von ihm erzählen diese Blätter.“

In der „Préface“ legt Joseph Hurt dann nochmals, diesmal in französischer Sprache, die Beweggründe dar, die ihn zum Schreiben dieses Geschichtswerkes motivierten, und im kurzen Abschnitt „Grevenmacher Geschichtserzählungen“ würdigt der Autor die Werke der Schriftsteller und Dichter, die sich im Laufe der Zeit um Grevenmacher verdient gemacht haben.

IN GRAUER VORZEIT

In diesem Kapitel gibt es wohl noch nicht viel über Grevenmacher zu sagen. In einer längeren Abhandlung geht Hurt auf die Geologie der Moselgegend ein, indem er betont: „Die erste Seite unserer Heimatchronik hat die Geologie in den Erdboden hinein geschrieben.“ (S. 17)

Interesse erwecken dürften jedoch die Aufzeichnungen über den „Groesteen“ im Rahmen der rund 4000 Jahre alten Megalithkultur, (S. 26 ff). Zum Thema: Grauenstein – Heldengrab bemerkt Hurt u. a.: „Es waren eine große Zeit, die ihre toten Helden in solche Gräber zur letzten Ruhe bettete, um sie für alle Zeit gegen Verfall und Vergessenheit zu sichern.

Das aber war eine kleine Zeit, da alle Ehrfurcht geschwunden war und rohe Schatzgräber altgeheiligten Boden aufwühlen, niederreißen und zerstreuen konnten, um einen nackten, kahlen Erdhügel und gewaltige Steine, zerbrochen und zerstückelt, zu hinterlassen.“ Selbstverständlich sind in diesem Zusammenhang die vielen Sagen um den „Groesteen“ nicht vergessen.

In diesem dritten Kapitel finden wir ebenfalls einen interessanten Abschnitt mit dem Titel: „Cäsar und die Römer in den Mosellanden“ (S. 31 ff), und Hurt befasst sich mit dem Weinbau. „Aus grauer Vorzeit taucht des Moselweins erste Kunde auf. Ob die Kelten schon Weinbau im Moseltal getrieben, ob griechische Kolonisten die Rebe von der Rhône an die Mosel verpflanzten oder erst die Römer selber hier den edlen Trank gewannen, wird wohl nie mit Sicherheit zu ergründen sein“, schreibt er einleitend, um etwas weiter zu bemerken: „Jahrhunderte lang wurde die Kirche Erhalterin und Lehrmeisterin des alten Weinbaues und im Gefolge der Klöster kamen die Herren… Die Geschichtedieses Weinbaues wurde die Geschichte dieses Volker; viel Arbeit und wenige gute Jahre. Der Kleinbesitz, der immer an unserer Mosel in Händen kleiner Eigentümer war, schuf einen strebsamen Winzerstand. Zwar waren es oft nur wenige Ar, die im Besitz der einzelnen waren, aber sie genügten, um mit zähem Moselfleiß auskömmlichen Verdienst zu erarbeiten. Und fiel die Weinernte schlecht aus, dann war es der kleine landwirtschaftliche Betrieb, der die Familie über die Not hinwegbrachte.“ (S. 33)

Über die Kelten und die Franken kommt Hurt zum Kapitel:

MOSELLAND UND MOSELVOLK

Er leitet es ein mit folgenden Worten:

„Alles hast du geschaut, liebliche, holde Mosella, Und Erinnerung daran rauscht durch unsern Sinn.“

Alsdann beschreibt der Autor mit treffenden Worten die Bedeutung des Flusses von alters her: „Der von der Natur dem Lande geschenkte Verkehrsweg ist die Mosel und seit den ältesten Zeiten wurde er von den Anwohnern benutzt. Diese Wasserstraße hat stets vornehmlich dem Frachtverkehr gedient, aber im Laufe der Zeiten auch mehr oder weniger dem Reiseverkehr. Dazu kamen die Moselwege: die beiden Römerstraßen, welche auf beiden Moselseiten Trier mit Metz verbanden…“

Vom Moselvolk meint Hurt: „Es ist uns Moselanern eigentlich nie recht gut ergangen. Mit unsern Landesbrüdern wurden wir viel in der Weltgeschichte herumgestoßen, an unserm Land haben sie Fetzen heruntergerissen zu allen Seiten, dass uns das Blut floss.

Und unsere Arbeiten tun wir jahraus jahrein, in Regen und Sonne, in guten und in schlechten Zeiten, ob wir singen oder weinen.

Da ist etwas Scharfes in unser Gemüt gekommen, etwas Säure in unser Blut. Das fließt uns meist unbewusst in die Rede, wie das Nachwirken jahrhundertealter Bitterkeit. Wir wurden so oft von Großen und Kleinen begaunert, dass wir misstrauisch geworden sind und eine untrügliche Witterung für Mauscheleien haben.

Schlicht und urwüchsig sind wir wie der Wein, der auf unseren Rebkoppen wächst; das bisschen Säure darf nicht fehlen, das ist mit uns geworden, das ist Teil unserer Art, die wir ungepanscht und ungezuckert rein halten wollen. Es ist wahr, er Spott sitzt uns locker auf den Lippen und geht uns leicht aus dem Munde. Wir finden in unserer derbrauen Sprache, die ist wie wir, leicht das rechte Wort für alles Lächerliche und Überhebliche.

Aber auch das ist wahr, es lebt noch genug Kraft in unserm unverbrauchten V olkstum, dass wir nicht zu Säuerlingen und Grämlingen verkümmern, vielmehr mit urwüchsigem Lachen oder kräftigem Faustschlag die Winkelzüge des Schicksals ertragen.“ (S. 51)

Hier fällt auf, dass Hurt den chronologischen Rahmen sprengt, wenn er etwas als Ganzes darstellen möchte.

Weiter geht es mit der römischen Kaiserzeit und den Völkerwanderungen (1. bis 5. Jahrhundert). In diese Zeit fallen auch die Anfänge des Christentums in unserer Moselgegend.

Selbstverständlich weiß Hurt um das erste Mosellied, Mosella, gedichtet und gesungen vom römischen Dichter Decimus Magnus Ausonius (um 365 n. Chr.), und ebenfalls darum, dass der hl. Martin von Tours zwischen 384 und 386 zweimal die Reise nach Trier zum Kaiser Maximus auf der alten Römerstraße Luxemburg-Andethan(n)a über Grevenmacher und Igel machte.

Kommt die fränkisch-merowingische Zeit (5. bis 8. Jahrhundert) und damit die Zerstörung und Verwüstung durch die Hunnen, auch im Moselraum.

IM MOSELGAU

„Nachdem die Germanen die römischen Gebiete links des Rheines besetzt hatten, wurden sie in Gaue eingeteilt, unter denen der Moselgau das Land an der Mosel umfasste. Jeder Gau wurde von einem Gaugrafen verwaltet. (…) So

regierte ein Moselgraf den Moselgau“, leitet Hurt dieses fünfte Kapitel ein. (S. 65 ff). Eben um diese Moselgrafen (500 bis 1000) und um Moselfehden (d. h. Streitereien und Feindschaften) geht es weiter. Und damit kommt Hurt auf den Streit zwischen Luxemburg und Trier aus den mannigfachsten Gründen zu sprechen, Streit, aus dem Grevenmacher geboren ist, sowohl als Stadt als auch als Festung denn, so Hurt, „Grevenmacher verdankt seine Entstehung politisch- strategischen Rücksichten; wohl war schon vorher eine Siedlung da, eine fränkische „villa“, aber die Stadt war die Resultante obiger Moselfehden.“ (S. 72).

IM DÄMMERSCHEIN DER GESCHICHTE. „VILLA MACHERA“ (7. JH. BIS 1252)

„La colonie franque dite ‚villa Machera‘ était au 7e siècle en la possession d’Irmine, abbesse d’Oeren-lez-Trèves et fondatrice du couvent d’Echternach. Par suite d’une donation datée du 26 août 634, une partie du domaine de ce nom devint la propriété de cette abbaye. Adèle, fille d’Irmine, abbesse de Pfaltzel- sur-Moselle, céda en 732 à son couvent la part qui lui en était revenue. A cette époque Grevenmacher était rattachée politiquement à l’électorat de Trèves et au point de vue religieux à l’abbaye d’Oeren-Euren“. Mit diesen Worten leitet Hurt wohl eines der wichtigsten Kapitel des ersten Bandes ein. (S. 75). Der Autor kommt alsdann auf die Bedeutung des Wortes „Villa“ zu sprechen, was so viel heißt wie römisches Landgut, Komplex der Grundstücke eines bewohnten Dorfes, oder ganz einfach Dorf, nach van Werweke. „Die Römer liebten die weiten, offenen Landschaften; ihre Siedlungen lagen auf den Höhen oder am halben Hang, am Quellhorizont. Wir finden sie immer an den großen Straßen, die sich zum Zweck des Fernverkehrs über die Höhen hinzogen. Ihre Villen lagen an den geschützten und sonnigen Hängen der Mosel.

Das Territorium unseres Landes war zur Römerzeit ein Durchgangsgebiet, das zwischen den bedeutenden Städten der unmittelbaren Umgegend, Arlon, Metz und Trier, eingespannt war. Und da leuchtet klar in die Augen, dass unser Moselland im Schnittpunkt dieser Verbindungen liegt.

Während die Römer die Höhensiedlungen des Fernverkehrs und ihrer Wirtschaft aufsuchten, zogen die Franken in die Täler. (…) Schutz bot und gewährte die uralte Wehranlage auf der Höhe, der ‚Boreggruef‘, der eigentlich niemals vollständig aufgegeben und verlassen war.

Auf der Höhe lag die Ursiedlung, das ergibt sich: 1) aus dem Vorhandensein der ältesten Kultstätte der Umgegend, der ,Alkerech‘, 2) aus der Lage der Befestigung ‚Boreggruef‘, 3) aus der Nähe der alten Kultstätte: St. Johann, 4) aus der Flurnamenkunde“, schreibt Hurt. Alsdann kommt er auf den Namen „Macher – maceries“ (Mauer von Steinen ohne Kalk, Weinbergmauer), zu sprechen, bevor er schlussfolgert: „Die fränkische Siedlung ,villa Machera‘

bestand wahrscheinlich aus einer Anzahl niedriger Lehmhütten, die mit Stroh gedeckt waren und sich um die Kirche gruppierten.“

Auch wenn es nicht unmittelbar zur Grevenmacher Lokalgeschichte gehört, erwähnt Hurt den heiligen Willibrord und Echternach (698-739), um alsdann mit einem „Libellus de rebus Trevirensibus“, geschrieben im 12. Jahrhundert und aufbewahrt in der Stadtbibliothek Trier, aufzuwarten.

Der unermüdliche Forscher beschäftigt sich weiter mit dem Reich Karls des Großen (771-814), mit dem Zerfall des Karolingerreiches (814-963) und kommt auf den Ardennergrafen Siegfried, den Gründer der Stadt und Grafschaft Luxemburg, zu sprechen (963). Nach Siegfried treten die Luxemburger Grafen auf, die später eine große Rolle an der Mosel und besonders in Grevenmacher spielen werden.

Behalten wir an dieser Stelle ebenfalls eine der Anekdoten zurück, die Hurt immer wieder in sein Werk einflechtet: „1030: In diesem Jahre waren so furchtbare und anhaltende Regen, dass alle Saaten im Felde zugrunde gingen und kein Halm zu ernten war; der bleiche Hunger ging durch das Moselland.“

KIRCHE IN GREVENMACHER

In dieser etwas längeren Abhandlung schreibt Hurt über die Kirche(n) in Grevenmacher sowie über deren Patron, den römischen Märtyrer Laurentius: Zitieren wir einige der wichtigsten Aussagen: „Die erste Erwähnung einer Kirche in Machern geschieht in einer Urkunde des Erzbischofs Egilbert vonTrier aus dem Jahre 1084. (…)

Eine frühere Kirche, wahrscheinlich die Regionalkirche der Umgegend, lag auf der Höhe, dort, wo noch der Flurname ‚Alkerech‘ an sie erinnert. Dieses Gotteshaus, an dem römischen ‚Kiem‘ gelegen, war wohl die erste christliche Kultstätte der ganzen Gegend. (…)

Als Machern unten im Tal neu besiedelt wurde, besonders als es 1252 zur Stadt erhoben und befreit wurde, ward in dieser neuangelegten Stadt auch ein Gotteshaus und zwar genau im Zentrum derselben, beim Stadtturm und beim Stadthaus, in der Nähe des Marktes erbaut.

Seither ist die Kirche von Grevenmacher immer an derselben Stelle geblieben, sieben Jahrhunderte lang. (…) Die Kirche vor 1782 lag quer zu der heutigen, also parallel zur Mosel, das Chor moselaufwärts gerichtet. (-Diese Feststellung ist heute umstritten.-) Vom Stadtturm, wie von den umliegenden Häusern war sie durch einen schmalen Durchgang getrennt. (…) Seit urdenklicher Zeit war der heilige Laurentius Patron der Pfarrei.“

Alsdann kommt Hurt auf den „Patronatsherrn“, ursprünglich der Graf von Luxemburg, später (nach 1254) die Abtei Bardenburg (Clairefontaine), sowie

auf verschiedene Visitationsberichte, in denen es um Altäre, Einkünfte und Kirchenschatz geht, zu sprechen, um abschließend zu bemerken: „Kirchlich gehörte die Pfarrei Grevenmacher bis 1823 zur Diözese Trier, zum Archidiakonat St. Mauritius in Tholey und zum Landeskapitel Remich.“ Einmalmehr hat der Autor mit diesem Beitrag die Chronologie gesprengt, aber es ging wohl nicht anders, sollte doch eine Übersicht über Kirche in Grevenmacher geboten werden.

– Teil II: 2. April 1987:

Über die Zeit der Kreuzzüge und den immer wieder auflodernden Streit zwischen Luxemburg und Trier kommt Hurt schließlich auf eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Grevenmachers zu sprechen: Im Jahre 1152/53 wird Grevenmacher an das Luxemburger Grafenhaus abgetreten,„infolge eines Tauschvertrags, gemäß welchem ein Teil des luxemburgischen Gebietes dem Trierer Erzbischof Hillinius als Entschädigung verabfolgt wurde. (…) Grevenmacher ging als Privatdomäne in den Besitz des Grafen von Luxemburg (damals Heinrich der Blinde, 1136-1196), über. Mit den umliegenden Orten bildete es eine Propstei, die der Graf verwalten ließ und die ihm Abgaben entrichtete. Im Übrigen hatte Grevenmacher mit der Grafschaft nichts zu tun.“ (S. 110 ff).

Von der Regierungszeit der Gräfin Ermesinde (1196-1247), weiß Hurt folgendes zu berichten: „Im 13. Jahrhundert war der Wohlstand der bäuerlichen Bevölkerung so groß wie nie zuvor. Weit war der Weinbau verbreitet, nicht nur an Mosel und Sauer, wie die vielen Weinbergnamen es beweisen. Von der Mosel wurde der Wein nach den Niederlanden verfrachtet. Handel und Gewerbe blühten, wichtige Märkte und Messen belebten sie. Die Handelswege zogen meist in der Richtung der alten Römerstraßen, daneben herrschte ein bedeutender Verkehr auf der Mosel. Die Handwerker schlossen sich in Zünften und Innungen zusammen. In die fahrenden Schichten der bürgerlichen Welt drang mit französischer Kultur und Sitte auch immer mehr die französische Sprache ein, ausgenommen die östlichen Gebiete des Herzogtums: Grevenmacher, Echternach, Bitburg.“

Hervorhebenswert ist auch, dass der damalige Herrscher von Machern, Aegid, als Siegelzeuge mit dabei war, als die Stadt Luxemburg im Jahre 1244 ihren Freiheitsbrief von der Gräfin Ermesinde erhielt.

Von der Verbindung Grevenmacher-Mariental im 13. und 14. Jahrhundert weiß Hurt zu berichten, dass die Liegenschaften, die das Kloster in Grevenmacher besaß, zum größten Teil herrührten „von dem Erbe der Nonne Gertrud von Grevenmacher (1264) und von den Gütern, die Gerhard und Tillmann von Grevenmacher ihren drei Schwestern Sophie, Yolande und Katharina, die in Mariental eingetreten waren, im Jahre 1307 vermacht hatten“.

page9image1562807504

IM GOLDENEN FRÜHROT DER BEFREIUNG (1252-1356)

Es wird Heinrich V., der Blonde (1247-1281), sein, der die Moselortschaft befreit. „Wir Heinrich, Graf von Luxemburg und Laroche, Markgraf von Arlon, allen, die vorliegenden Brief sehen, Gruß in Ewigkeit.

Kund machen wir allen, dass wir Macheren und die dortigen jetzigen und späteren Einwohner erfreuen wollen mit dem Vorrecht der Freiheit in folgender Form: (…)“ (S. 131). Folgen dann die Bedingungen der Freiheit, u. a. die Abgaben, die Grevenmacher zu zahlen hat, die Pflicht, an den Kriegszügen teilzunehmen, das Bürgerrecht… So heißt es diesbezüglich: „Niemand kann dort Bürger sein, der nicht daselbst in der Freiheit wohnt.“

Hurt erläutert weiter, dass Heinrich V., der Blonde, das Werk seiner Mutter Ermesinde weiterführte, die Macht Luxemburgs vergrößerte und viele Städte befreite. Über die Befreiung an sich äußert er sich folgendermaßen: „Die Befreiung hat ihren Grund kaum in der menschenfreundlichen Gesinnung des Landesherrn, sie ist kein Schenkrecht, sie stellt vielmehr den Endpunkt eines langjährigen wirtschaftlichen Prozesses dar. Das schließt nicht aus, dass sie auch der politisch klugen Berechnung des Befreiers entstammt.

Das Wesentliche der Freiheitsbriefe liegt nicht in der Besserung der Lage des früher Unfreien, sondern vielmehr in der rechtlichen Beseitigung der Unfreiheit selbst.“ (S. 133 a).

Weiter geht es im zweiten Teil des ersten Bandes mit Notizen und Dokumenten aus der Regierungszeit Heinrichs V., des Befreiers von Grevenmacher. Hurt bemerkt auf S. 134: „Die Güter, welche Heinrich dem Kloster von Clairefontaine geschenkt hatte, blieben sein Eigentum, waren ‚Königsgüter‘.“ Also auch die Grevenmacherer Güter nebst dessen Pfarrkirche. Der Graf nennt Grevenmacher immer: „Machern ,notre ville‘.“

Nochmals geht Hurt alsdann auf die Verbindung zwischen Mariental und Grevenmacher ein; eine Verbindung, die ja vor allem durch Gertrud von Grevenmacher, „Angehörige eines angesehenen Rittergeschlechtes“, zustande kam. Auch die Verbindung zwischen Clairefontaine und Grevenmacher kommt hier erneut zur Sprache. Hurt erklärt in diesem Zusammenhang die sogenannte„Inkorporation“, d. h. „die Einverleibung reicher Pfarreien in ein Kloster, das das Recht hatte, die Einkünfte der Pfarrei zu beziehen, wogegen es für die Anstellung und den Unterhalt des Pfarrverwalters sorgen musste.“

Über Heinrich VI. (1281-1288), der einmal mehr in „Streithändel mit dem Erzbischof von Trier geraten war, weil er dem freien Verkehr der Trierer auf der Mosel Hindernisse entgegenstellte und dadurch den trierischen Handel empfindlich schädigte,“ dass er schließlich „in den Bann getan und die

Grafschaft Luxemburg mit einem Interdikt belegt wurde,“ was ihm im Volksmund den Beinamen: „Heinrich der Verdammte“ einbrachte, (S. 152 a), kommt Hurt zu Heinrich Graf von Luxemburg (1288-1310) und römischer Kaiser (1308-1313), der sein Schloss in der Festung Grevenmacher ausgebaut haben soll. In einer Urkunde heißt es diesbezüglich: „Heinrich VII., Graf von Luxemburg, macht bekannt, dass er von den Klosterfrauen von Mariental einen Platz mit Häusern, Scheunen und einem Kelterhaus zu Grevenmacher, den er zur Befestigung seines Schlosses benötigt, erhalten habe, wogegen er ihnen Ländereien und Zehnte ablässt.“ (S. 155 ff, Originalurkunde im Regierungsarchiv).

Hurt weiß zudem von einer Margareta, Fräulein von Luxemburg und „Dame de Macre“ zu berichten, die in mehreren Urkunden Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt wird. Was deren Familienverhältnisse angeht, so sind sie ziemlich unklar. Sie soll die Schwester Heinrichs VI., die Tochter Heinrichs V. und die Tante Heinrichs IV. gewesen sein. An anderen Stellen jedoch wird Heinrich V. als ihr Neffe bezeichnet. Dieser „Dame de Macre“ waren durch einen Vertrag zwischen ihr und ihrem Neffen „die Erträge der Ländereien in Machre, (…)“ übertragen, jedoch nie entrichtet worden. Als Entschädigung dafür erhielt sie Weine, u. a. aus Machre. Sie ließ später dem Kloster Clairefontaine einen Teil ihrer Güter zukommen, ohne jedoch selbst Nonne zu sein. Ihre Schwester, Johanna von Luxemburg, wurde am 3. Juli 1310 von ihrem Neffen, Kaiser Heinrich IV. zur Äbtissin von Clairefontaine ernannt. (S. 162 ff).

In einem weiteren Abschnitt spricht Hurt über Moselinsel und Zollhaus und gibt hier als Datum das Jahr 1302 an. „Ein Arm der Mosel soll früher dicht an Grevenmacher vorbeigeflossen sein und so eine Insel gebildet haben; dieser Moselarm, welcher den unteren Festungsgraben der Mosel entlang speiste, wurde (nach Knaff, S. 122) wahrscheinlich zu gleicher Zeit wie die Gräben ausgefüllt. (…) Auf dieser Insel stand ein befestigtes Gebäude, welches die Trierer erstürmten und schleiften.“ Es kam somit zum erneuten Krieg zwischen Luxemburg und Trier, welcher 1302 (Ende des 13. Jahrhunderts nach anderen Quellen) endete.

Über Besitz und Wohnung des Landesherrn in Machern weiß Hurt alsdann folgendes zu berichten: „Dass die Grafen von Luxemburg bedeutende Besitzungen in Grevenmacher hatten, geht schon aus der Urkunde vom 6. Juli 1310 hervor, laut welcher Heinrich, König der Römer, mit Einwilligung seines Sohnes Johann, Grafen von Luxemburg und La Roche und Markgrafen von Arel, dem Kloster der Benediktinerinnen zu Mariental jährlich fünf Wagen Wein aus seinen Weingärten zu Grevenmacher gibt. (…)“. Auch vom Schloss, das einmal in Grevenmacher stand, spricht Hurt. „Das braucht kein großartiges Schloss gewesen zu sein. Heute würden wir es vielleicht als besseres Herrschaftshaus bezeichnen“, schreibt Hurt, um abschließend zu fragen: „Wo

soll dieses Schloss gestanden haben? Das ist eine Frage, die die Ortskenner untersuchen mögen…“ (S. 177/178).

Immer wieder sind Hurts geschichtliche Fakten durch Anekdoten, die uns etwas über das tägliche Leben mitteilen, ergänzt, so etwa: „1316: La famine dure jusqu’à la récolte de cette année. Peste et mortalité.“ (S. 182).

Lange beschäftigt Hurt sich dann mit der Regierungszeit Johanns des Blinden (1310-1346), und er bemerkt, dass Grevenmacher mehr denn einmal helfen musste, die Schulden dieses Herrschers zu bezahlen, bevor es am 3. Juni 1346 dazu kam, dass Johann der Blinde dem Trierer Erzbischof Balduin „die Städte, Schlösser und Dörfer Echternach, Bitburg, Remich und Grevenmacher“ für 30.000 Florentiner Gulden verkaufte. (S. 199 ff).

Nach Johann dem Blinden nahm Karl IV. (1346-1353) den Titel: „Graf von Luxemburg“, obwohl die Grafschaft Luxemburg Wenzel I., der damals allerdings noch minderjährig war, zugesprochen worden war. Im September 1346 bestätigte und erneuerte er den mit Balduin von Trier abgeschlossenen Vertrag.

Vom Jahre 1346 weiß Hurt weiter zu berichten: „Der Winter dieses Jahres war unerhört kalt. Dazu kamen Erdbeben mit ihren Verwüstungen und Hungersnot mit ihren Opfern. Ansteckende Krankheiten traten auf; die schrecklichste war der sog. schwarze Tod, eine Pest, die aus Asien kam. Sie raffte in unserem Lande über 60.000 Menschen dahin und ganze Dörfer starben aus. Von dem Moseltal wird als Opfer der Pest eine fast unglaubliche Zahl von Menschen angegeben.“ (S. 210).

Um Wenzel I. (1353-1383), Sohn Johanns des Blinden und dessen zweiter Frau, Béatrice von Bourbon, der mit kaum 18 Jahren die Geschicke der Grafschaft Luxemburg übernahm, geht es alsdann bei Hurt. Es war während seiner Regierungszeit, nämlich am 13. März 1354, als die Grafschaft Luxemburg von Kaiser Karl IV. zu einem Herzogtum erhoben wurde. Durch Kaiser Karl wurde ebenfalls am 23. Dezember 1356 die Goldene Bulle, ein wichtiges Reichsgesetz, verkündet. „Sie ordnete das Gerichtswesen und die Polizei in unserem Lande, insbesondere gewährte sie die Freiheit der Bauern, den Schutz der Untertanen gegen die Willkür der Herren.“ (S. 220).

„Unter Wenzel, der sehr viel für sein Land tat – er förderte Handel und Verkehr, und das Handwerk entfaltete sich in den freien Städten (Grevenmacher) und Gemeinden, er gab neue Freiheitsbriefe und bestätigte die alten – erreichte Luxemburg seine größte Ausdehnung,“ schreibt Hurt. (S. 220). Wenzel war es auch, der die an Trier verpfändeten Gebiete wieder einlöste (1354).

In den Jahren 1347, 1348 und 1356 soll es in unserem Land Erdbeben gegeben haben. „Vielleicht als Folge eines dieser Erdbeben hat die Mosel ihren Lauf

geändert und ist die Insel bei Grevenmacher verschwunden,“ meint Hurt. (S. 220 a).

IM WACHSEN UND WEITEN (1353-1399)

In diesem 8. Kapitel geht es zuerst einmal um Siegel und Wochenmarkt der Stadt Grevenmacher. Sich auf Bertholet berufend, (VII, 34) schreibt Hurt: „1357 (1358): Le duc Wenceslas approuve en cette année l’octroi de la foire hebdomadaire que les habitants de Grevenmacher se fassent faire un sceau ou cachet, dont les justiciers, échevins ou communauté puissent se servir dans les actes judiciaires ou dans tous les instruments publics ainsi qu’il est de coutume dans les autres villes de son Duché; voulant que selon l’exigence des lieux, ce sceau portât la marque de quelque vertu et fût une preuve de la liberté dont ils jouissent, conformément à ce qui se pratique dans la ville de Luxembourg sur le modèle de laquelle toutes les villes ont été affranchies.“ (S. 223).“

Weiter meint Hurt dann: „Als 1357 (1358) Graf Wenzeslaus der Stadt Grevenmacher das Siegelrecht verlieh, war die Gemeinde als moralische Person durch die Freiheit, die Befestigung, den Markt und das Wappen den beiden anderen Ständen, der Geistlichkeit und dem Adel, näher gerückt. Zum Dank gegen den Verleiher ihrer Stadtfreiheit, Graf Heinrich V., den Blonden, nahm Grevenmacher dessen Wappen zum Stadtwappen. Als erster hatte er es getragen und es demjenigen seines Vaters Walram entlehnt: den roten Limburger Löwen auf silbernem Feld, dem er die Balken der Zweitgeburt anfügte. Darüber legte Grevenmacher quer den Schlüssel.

(…) Knaff bemerkt, das Städtchen sei einigermaßen der Schlüssel zur damaligen Grafschaft gewesen, den zu verteidigen eine löwenmutige Bürgerschaft stets bereit war.“ (S. 224).

Nochmals auf die Wappen an sich eingehend, schreibt Hurt auf S. 224b: „Die Zeit der Kreuzzüge war eine Zeit der Erneuerung der Wappen und ihrer Verbreitung. Von hier aus wurde das Wappen, das bislang eine militärische Einrichtung war, ob ihre Träger Edelleute waren oder nicht, ein Vorrecht der Städte, aber nur der freien Städte, unter Ausschluss der andern und der einfachen Landpfarreien. (…) Es war ein Zeichen, dass man ihre Vorrechtsstellung als freie Stadt erkannte, im Frieden sowohl als im Kriege.“

Was nun das Marktrecht betrifft, so beruft Hurt sich nochmals auf Bertholet (T. VII, 34), wenn er schreibt: „Le duc Wenceslas accorda en 1357 une foire hebdomadale aux bourgeois de Grevenmacheren, en récompense des gros frais qu’ils avaient exposés pour la réparation des murailles de leur ville. C’était en vue de les animer à travailler avec plus d’ardeur à l’embellissement de leur vielle, qu’il leur conférait le privilège d’une foire à tenir la cinquième férie de chaque semaine, et cela à perpétuité ; il désigna le nombre des villages qui

pourront s’y retrouver en toute sûreté, permit au justicier, qui est ou qui sera pour le temps, d’obliger une personne de chaque famille des villages mentionnés de venir y exposer en vente ses marchandises ou d’y en acheter ; ordonna de punir chaque fois ceux, qui refuseraient d’y venir.“ (S.225). Der Autor bemerkt weiter: „Die Entwicklung der Städte nahm ihren Ausgang von der Verleihung besonderer Vorrechte an dieselben seitens des Landesfürsten. Ein Ort wurde Stadt, wenn er den Freiheitsbrief, das Siegelrecht, die Ringmauern und das Marktrecht erhalten hatte. (Dies wäre demnach im Jahre 1357 für Grevenmacher der Fall gewesen.) Besonders das Marktrecht trug zur Entwicklung der Stadt viel bei. Die Märkte bildeten im Budget einer Stadt einen hübschen Einnahmeposten, denn von allen verkauften Waren mussten Gebühren bezahlt werden.“ (S. 226).

Vom 13. Januar 1359 weiß Hurt zu berichten, dass an diesem Tage die Versammlung der drei Stände (Bürger, Adel und hohe Geistlichkeit) zum ersten Mal zusammentrat. „Les états des trois ordres – le tiers état, formé de quinze députés, élus par les quinze villes du duché, entre lesquelles Grevenmacher – se réunissent pour la première fois ensemble. Jede der Städte schickte in die Stände einen Vertreter, welcher immer ein Mitglied des Schöffenrates sein musste.“ (S. 229).

Ende des 14. Jahrhunderts spielen mehrere Familien „von Macher(e)n“ eine wichtige Rolle auf Landesebene, u. a. ein gewisser Ludwig von Macheren, „Lehnsmann des Herzogs von Luxemburg, Sohn des Thilmann von Machern, der mit einem aufgerichteten Hirsch im Wappen siegelte.“ (1374, S. 234). Etwas weiter meint Hurt, sich auf Knaff berufend: „Dieser Ludwig, (dessen Gemahlin Juta, die Tochter Walters von Wasserbillig war), muss sich der Gunst des Herzogs Wenzels in besonderem Maße erfreut haben, da der Fürst dessen sämtliche Güter und die seiner Nachkommen durch wiederholte Urkunden von Abgaben befreite.“ In diesem Zusammenhang wird dann auch das Erbaueneiner Mühle im Stadtinnern von Grevenmacher erwähnt. „Durch eine weitere Urkunde vom 29. Juni 1388 gestattete er (Herzog Wenzel) der verwitweten Juta auf der Gemarkung der Festung eine Mühle zu bauen und das Wasser nach Belieben auf dieselbe zu leiten. Sie und ihre Erben sollten dieselbe als freies Adelsgut besitzen.“ Knaff meinte, es sei dies die Mühle gewesen, welche der letzte Landrichter, Herr de Baxeras, besessen und die im Jahre 1867 Eigentum der Erben Franz Schoren war. (S. 235).

In einer Urkunde aus dem 14. Jahrhundert, die Hurt in seinem Werk als Fotokopie reproduziert, kommt der Name „Centener“ (Zender) vor. Auf die Rolle des Zenders in einer Ortschaft eingehend, weiß Hurt zu schreiben: „Zender = Gemeinde-, Ortsvorsteher, der die Angelegenheiten seiner Gemeinde zu vertreten, ihren Besitzstand zu sichern, Marksteine in der Flur zu setzen und zu erhalten, Hirten und Feldhüter zu bestellen und alle wirtschaftlichen und

flurpolitischen Maßnahmen zu ergreifen hat. Ihm zur Seite standen die von der freien Gemeinde, d. h. von den freien Eigentümern der Feldmark gewählten Schöffen.

Vor 1252 stellte der Zender mit seinen Schöffen die oberste Gewalt innerhalb der Gemeinde und die niederste innerhalb des Landes dar.“ (S. 242a).

Die Regierungszeit Wenzels II. (1383-1419) charakterisiert Hurt als „période de désordre et d’anarchie, (…) pendant laquelle le pays eut toujours deux souverains à la fois, un souverain légal ou nominal et un souverain engagiste, ou plutôt il n’en eut point en réalité.“ (S. 252a). (Wenzel II. war Herzog von Luxemburg, König von Böhmen und Kaiser.) Am 9. September 1384 bestätigte er dem Kloster Mariental „die durch König Heinrich VII. ihm geschenkte Jahresrente von 5 Karren Wein aus Grevenmacher“ und am 13. September 1384 bestätigte er ebenfalls die Freiheit der Stadt Grevenmacher „mit Inserierung der ursprünglichen Freiheitsurkunde Heinrichs V. aus dem Jahre 1252.“ (S. 248).

Im Übrigen weiß Hurt zu berichten, sich auf N. v. Werveke und dessen Beitrag im „Luxemburger Land“ 1886, S. 394 ff berufend: „Die Regierung Wenzels II. wurde für unser Land der Ausgangspunkt einer höchst traurigen Zeit, die während mehr als 80 Jahren nur Unheil und Verderben herauf beschwor, das Land allen Schrecken des Bürgerkrieges preisgab und es gänzlich zerrüttete undverarmte.“ (S. 255 ff).

In dieser Zeit taucht in Grevenmacher ein gewisser Johann von Yenen (von Ehnen) auf als Richter auf. „Seit der Befreiung wurde jährlich der Stadtrichter durch den Fürsten auf den St. Peterstag eingesetzt als das Haupt der Stadtgemeinde; der Zentner, der alljährlich von den Bürgern gewählt wurde und noch aus der Zeit vor der Befreiung mit übernommen worden war, war der V ertreter der Bürgerschaft. Später wurde sein Name in Bürgermeister umgewandelt.

Der Landrichter (…) war der Vertreter des Fürsten in der Landrichterei, die eine ganze Anzahl Orte ringsum Grevenmacher umfasste (…) und wurde auf Lebzeiten angestellt.“ (S. 253). So war im Jahre 1384 ein gewisser Gobel der Ältere Zentner und Gobel der Jüngere Schöffe in Machern.

Mit verschiedenen Notizen über die 15 luxemburgischen Städte des damaligen Herzogtums („Virton, Reinich, Marche, Houffalize, Epternach, Diekierch, Biedbourg, Arlon, La Roche, Neufchateau, Luxembourg, Grevenmacheren, Durbuy, Chiny und Bastogne“), beschließt Hurt den ersten Teil seinesumfassenden Werkes.

Teil III: 9. Juli 1987
3. Band II: Von 1400-1617

page15image1582148672

Sieben verschiedene Kapitel gibt Hurt im Inhaltsverzeichnis des zweiten Teils (Teil II: von 1400-1617) des unveröffentlichten, umfassenden Geschichtswerkes über die Stadt Grevenmacher von den Anfängen bis 1800 an: Widmung – Vorwort; Unter Pfandherrschaft (1400-1443); Im neuen burgundischen Reich (1443-1506); Im spanischen Weltreich Karls V. (1506-1542; In Drangsal und Not der spanisch-französischen Kriege (1542-1559); In Spaniens Schatten (1559-1618); Anhang: Glossar – Personenverzeichnis – Sachverzeichnis.

Genau wie beim ersten Teil wurde auch bei diesem zweiten Teil, der sich aus zwei 245 beziehungsweise 226 Seiten starken Bänden zusammensetzt, das 7. Kapitel nie geschrieben.

Der zweite Teil ist niemand anderem als unserer verehrten Landesfürstin, der Großherzogin Charlotte (1898-1985), die von 1919 bis 1964 unser Land regierte, gewidmet. Unter ihrem Portrait steht zu lesen: „In tiefster Verehrung“, und auf der folgenden Seite heißt es: „In dunkelschweren Tagen, da ich an diesem Buch schrieb, war der Gedanke an Sie, K. H., Hoffnungsstern und Weglicht.“

Diese „dunkelschweren Tage“, von denen Hurt spricht, mögen wohl die verhängnisvollen Tage des Zweiten Weltkrieges gewesen sein. Davon zeugt das äußerst gefühlsbetonte Vorwort zu diesem zweiten Teil:

„Da ich diese Zeilen schreibe, liegt draußen ein grauer, trostlos müder Januartag. Schnee deckt die Koppen und kaltnasse Winde stürmen in den Bäumen. Noch ist der Frühling weit, so weit…

Doch manchmal huscht ein Lichtstrahl aus trüben Wolken. Menschen gehen vorbei, hüllen sich fröstelnd in den Mantel und blicken einander trübselig an. Und wo zwei beisammen stehen, geht es in gedämpften Flüsterton. Daraus fließt das Leid und die Not der Tage, die so viele Todesnachrichten gebracht haben. Wie schreckhafter, schwarzer Vogelflug aus dem kalten Osten kamen sie. Wenig Tränen, aber viel schmerzlich verhaltenes Weh sieht man in den Augen. Die schauen in die Ferne, als ob sie dort etwas suchten: ein Helfen, ein Hoffen. Nach scheint es weit, so weit… (…)

Wenn unser Land jemals in Not und Leid war in all den Jahrhunderten unserer gewiss nicht not- und leidlosen Geschichte, heute ist das Schwere fast ins Unerträgliche gewachsen. Aber wenn wir jemals Glaube und Treue in unsern Herzen trugen, (…) heute sind sie unerschütterlich fest wie unsere Berge im Minette oder im Ösling, an der Mosel oder an der Alzette (…).

Aus dunklen Tagen sei hoffnungsfroh dieser Sonne gedacht und das in ihnen entstandene Buch der Heimat jener großen Frau gewidmet, die in dunkelschweren Tagen niemals diese Sonne aus dem Herzen und aus den Augen verlor.

Anlage und Darstellung dieses zweiten Bandes sind dieselben wie im ersten Teil. Wiederholungen sind unvermeidlich. Wenn der Stoff vielleicht in zu großer Fülle geboten ist, dann entspricht das dem Wunsch und Willen, alle Bausteine und auch jedes Steinchen unserer engeren Heimatgeschichte sorgfältig zu sammeln. Denn aus ihnen soll einmal der stolze Bau unserer Stadtgeschichte aufgeführt werden, der aus dunklen Tiefen ins helle Morgenlicht einer neuen, schöneren Zeit steigen soll. Des Himmels Sonnensegen möge ihre lange leuchten. Da wallte Gott.“

In einer Nachbemerkung kommt Hurt dann nochmals auf den bereits im ersten Teil angekündigten „einzigen Registerband als Ergänzung der drei bisher zusammengestellten Tatsachenbände“ zu sprechen; Registerband, der jedoch nie zustande kam. Abkürzungen sind auch in diesem zweiten Teil der Grevenmacher Lokalgeschichte nicht eingetragen.

UNTER PFANDHERRSCHAFT (1400-1443)

… heißt der Titel des zweiten Kapitels. Hurt bemerkt hierzu einleitend: 15. Jahrhundert: „Dieses Jahrhundert war die Zeit der Pfandherrschaft und Fremdherrschaft in unserem Land. (…) Diese Zeiten der Pfand- und Fremdherrschaft brachten großes Elend über unsere Heimat: Regierung und Verwaltung lösten sich auf, Gerichte stellten ihre Tätigkeit ein, zahllose Fehden zerrütteten das Land, Finanzen und Wirtschaft verfielen, das Leben ging überall zurück.“ (S. 2).

Sich auf die „Constitution de donation d’une chapelle à Machern“ berufend: „Wernher, archevêque de Trèves (1388-1418), déclare que Louis de Macheren, près de Wasserbillig, a construit et doté une chapelle à Machern et qu’à la demande de Jutta, sa veuve, il a élevé cette chapelle en bénéfice écclésiastique et qu’il a permis qu’elle fut consacrée par son coadjuteur.“ (Publ. 1869-70, 389, p. 105), stellt Hurt einige interessante Überlegungen an:

„Um welche Kapelle es sich hier wohl handeln mag? Nicht um die Kreuzkapelle, denn noch 1571, auf dem Bilde aus dem ‚Cartulare Munsteriense‘ von Abt Bertels befindet sich auf dem betr. Berg ein Kreuz (daher der Name Kreuzerberg) und keine Kapelle.

Nicht um die Hospitalkirche, die erst 1418 durch das Testament Peters von Osburg gestiftet wird.

War es die Kapelle des hl. Johannes? Kaum, denn sie befand sich außerhalb der Stadt. War es eine Kapelle in der Pfarrkirche selbst, deren Altar er dotierte und konsekrieren ließ? Dann läge hier wahrscheinlich der Ursprung des St.-Maria- Magdalena-Benefiziums. Das alte Kreuzbild vom Kreuzaltar gehörte wahrscheinlich zu diesem Magdalenenaltar.“ Bemerken wir an dieser Stelle,

dass dieses Kreuzbild heute noch zu den Schätzen der Grevenmacher Dekanatskirche zählt.

Einen längeren Beitrag widmet Hurt alsdann ab S. 25 der

SPITALGRÜNDUNG IN GREVENMACHER

… Ereignis, das für die Zukunft der Ortschaft von größter Wichtigkeit sein sollte. Drei Jahreszahlen hält Hurt in diesem Zusammenhang fest, nämlich 1418, 1439 und 1446, bevor er einleitend darauf eingeht, dass die Armenpflege der Kirche Herzenssache war, und dies seit apostolischer Zeit. „In unserer engeren Heimat hat Irmina auf ihrem Gut Echternach das erste Hospiz des Landes gegründet – vor 697. Es war bestimmt zum Aufenthalt von Wandermönchen; dazu sollten die Armen dort Unterhalt finden.“ In einer handgeschriebenen Notiz auf einem beigefügten Zettel heißt es weiter, auf das Grevenmacher Hospiz hinweisend: „In der Stadt des heiligen Laurentius – der erste Diakon der Armenpflege.“

Folgt die Schenkungsurkunde von 1418: „Peter von Osburg déclare faire donation à l’hôpital de Grevenmacher de sa maison en cette ville, avec dépendances, à charge d’y élever un autel et de faire dire une messe. Auparavant, Wenceslas, roi des Romains et de Bohème, duc de Luxembourg, lui avait donné les lettres portant affranchissement des dits biens“. Hurt beruft sich hier auf Akten vom 27. Februar 1439 (Testament Peters von Osburg) und vom 5. August 1446 (Richterspruch des luxemburgischen Rates des Herzogs von Burgund betreffend die Ausführung des Testamentes Peters von Osburg) sowie auf Knaff, S. 154 und auf Publ. 1869-70, 841.

Interessant sind ebenfalls die Ausführungen über die Familie d’Osbourg in Luxemburg. „Familienhaus der Osbourg in Luxemburg (ist) das heutige Haus Bech, Ecke Dreikönigsgasse und Liebfrauenstraße. Die Familie Osbourg stammt aus der Moselgegend, wahrscheinlich aus dem deutschen Osburg, gelegen zwischen Trier und Hermeskeil.

In der Geschichte von Grevenmacher finden wir den Namen bereits sehr früh erwähnt: ein Peter Osbourg gründete daselbst 1418 das Hospital. In Luxemburg finden wir die Osbourg im 17. Jahrhundert und gegen Ende desselben Jahrhunderts wurde das Geschlecht in den Adelsstand erhoben. Diese Patrizierfamilie spielte bis zur Französischen Revolution eine führende Rolle in der Verwaltung der Stadt, der sie im Lauf der Zeiten zahlreiche Schöffen und Richter schenkte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging ihr Haus in Luxemburg in den Besitz der Familie Hencke(s?) über.“ (S. 28).

Sich auf Adolf Berens und dessen Festschrift: „500 Jahre Zivilhospiz zu Grevenmacher 1439-1939“ berufend, stellt Hurt diesen Peter von Osb(o)urg kurz vor: „Dieser Peter von Osburg (Oysperch, Oisperch), der Stifter des

Hospitals in Grevenmacher, lebte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Überlieferung zufolge soll er ein fremder Edelmann gewesen sein, der dem Militärdienst entsagte und sich in Grevenmacher niederließ (Knaff). (…) Wenzel II. soll den gesamten Besitz des Peter von Osburg für abgabenfrei erklärt haben. Derselbe war sehr wohlhabend.“ (S. 29).

HOSPITAL IN GREVENMACHER

In diesem Abschnitt geht es eben um das damalige Zivilhospiz. Es lohnt sich, einige Aussagen festzuhalten: „Un hôpital se trouvait tout naturellement sur le bord d’une route… (deshalb gelegen ,an der Pfort‘, am früheren Trierer Tor, einer wichtigen Durchgangsstraße). (…)

Dieses alte Hospital entsprach gewiss in keiner Weise unsern heutigen Krankenhäusern, sondern trug in der Hauptsache den Charakter einer öffentlichen Herberge. Daneben gab es für die Armen der Stadt Essen, auch wurden kranke Wanderer für einige Tage gepflegt. (…) Das Hospital in einer mittelalterlichen Stadt war Krankenhaus und Altersheim, Armenbüro und Herberge. (…) Das Spital war gestiftet unter dem Titel der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. (Dieses Fest war im 14. Jahrhundert, genau im Jahr 1334 eingeführt worden.) (…) Später bot das Hospital auch frommen Pilgern,erschöpften Reisenden und Wanderern Herberge.“ (S. 31 ff). Gerade das Pilgern war im Mittelalter auch bei uns sehr verbreitet.

Kommt die Zeit des Sigismund, Herzog von Luxemburg, Kaiser (1419-1437). Vom Jahre 1420 weiß Hurt zu berichten: „Damals waren in Grevenmacher sieben Juden ansässig, von denen jeder, wie von alters her, einen Gulden zahlen musste. Das war das sog. Schutzgeld, da ihnen ein dauerhafter Aufenthalt untersagt war. Die Juden hatten weder zivile noch politische Rechte.“ (S. 35).

Am 19. Dezember 1427 soll die Herzogin Elisabeth von Görlitz, (die in Luxemburg gar nicht beliebt war), durch Grevenmacher gefahren sein, als sie sich von Luxemburg nach Trier begab. Begleitet war die Herzogin dabei von Bürgern der Stadt (Luxemburg?). (S. 44).

In einer Urkunde aus dem Jahre 1430 fand Hurt die erste Erwähnung eines Pfarrers in Grevenmacher: „Jacobus, pastor.“ Hierzu bemerkt er: „Lange Zeit war bei Geistlichen nur der Vorname üblich, dem zuweilen der Geburtsort oder der Wirkungsort hinzugefügt wurde.“ (S. 47).

Auf das Jahr 1439 geht das bereits erwähnte Testament von „Pierre von Osburch en faveur de l’hospice de Grevenmacher, où il choisit sa sépulture,“ (S. 55), zurück.

Bereits 1440 begaben sich am Pfingstdienstag Prozessionen nach Echternach. Unter diesen Pilgern befand sich auch die Pfarrei Grevenmacher. (S. 60).

BURGUNDS MACHTGRIFF UND HERRSCHAFT (1443-1506)

Sich auf J. Meyers (C. L.) berufend, bemierkt Joseph Hurt hierzu: „Burgund schuf innenpolitisch eine neue Ordnung nach französischem Muster, (…) außenpolitisch löste es das Herzogtum Luxemburg vom Deutschen Reiche los und bewahrte es zugleich vor der französischen Annexion, kettete es an die Niederlande und überlieferte es der Fremdherrschaft. Das führte zu einem trostlosen wirtschaftlichen Niedergang.“ (S. 72).

IM NEUEN BURGUNDISCHEN REICH

Auch hier beruft Hurt sich erneut auf Jos Meyers (u. a. auf dessen Beitrag: „Burgundische Politik im Spätmittelalter“), wenn er einleitend schreibt: „1443: Wenzel II. hatte im Jahre 1388 Luxemburg verpfändet. Immer wieder hielten die Geldnöte die Luxemburger ab, das Pfand einzulösen und die letzte Pfandinhaberin, Elisabeth von Görlitz, verkaufte ihre Rechte an Philipp den Guten von Burgund, den Luxemburg aber nicht freiwillig anerkennen wollte. Erst musst er die Stadt durch Überrumpelung nehmen.“ (S. 78).

In dieser Zeit (1448) stirbt das Herrengeschlecht von Machern, „das bis dahin die Landrichterstelle eingenommen hatte“, aus. Es folgen in diesem Amt u. a. „Lodewich von Pillich, Herr von Linster, Wilhelm von Schwarzenberg (bis Anfang der 60er Jahre), Paulus Boes von Waldeck, Herr zu Linster und Waldeck, Rat zu Luxemburg.“ (S. 90).

KARL DER KÜHNE,
SOHN PHILIPPS DES GUTEN VON BURGUND (1467-1477)

„Der Traum eines burgundischen Großreichs wurde auch unter ihm nicht verwirklicht“, schreibt Hurt einleitend. (S.114).

In diese Zeit (1473) fällt die Gründung einer Universität in der „altehrwürdigen Moselstadt Trier, durch Johann von Sierck, Kurfürst von Trier (1439-1456). An dieser Universität, „die nie zu rechter Blüte gelangte“, und 1798 in der Französischen Revolution erlosch, sollten in der Folge bedeutende Grevenmacher Bürger studieren, ja, sogar Lehrstühle einnehmen. (S. 136).

Über die Landrichterei Grevenmacher weiß Hurt zu berichten: „Während die Stadt Grevenmacher von einem Richter und sieben Schöffen verwaltet wurde, lag die Verwaltung des Landbezirkes um Grevenmacher herum in den Händen des Landrichters mit seinen Landschöffen. – Ce justicier, qui représentait le souverain, étant nommé par lui, exerçait la haute justice dans toute l’étendue de la justicerie, plus tard appelée prévôté. – In die Hände dieses Landrichters legte

der gewählte Stadtschöffe jedes Jahr am Feste des hl. Petrus den Eid ab, ebenso die Stadt- und Landschöffen, wenn sie ernannt waren. Er hatte das Recht, über Leben und Tod der Angeklagten zu befinden und in diesem Falle musste das Stadtgericht an ihn appellieren.“

Rudolph von Machern war nach Hurt der erste durch Graf Heinrich V. infolge der Freiheitsurkunde von 1252 eingesetzte Landrichter, der letzte Landrichter war Fr. de Baxeras und mit ihm ging diese Einrichtung in der Französischen Revolution zugrunde. Weiter betont Hurt, dass die Ämter eines Landrichters und die eines Stadtrichters wohl zu unterscheiden sind, bevor er auf rund zwei Seiten die Landrichter der Landrichterei Grevenmacher aufzählt (S. 141 ff), und eine Karte der ehemaligen Propstei Grevenmacher mitliefert.

Über Maria von Burgund und Maximilian von Österreich (1477-1482) und über die Judenverfolgung von 1478 (S. 154), kommen wir zum Jahre 1486. „Während die Herren von Fels im Schlosse zu Remich wohnten, wurden sie auch Landrichter des ausgedehnten Gebietes der Landrichterei Grevenmacher. Dieses Amt blieb in ihrer Familie bis Ende des 17. Jahrhunderts“, schreibt Hurt. (S. 158).

Vom Jahre 1493 heißt es in der Chronik: „Printemps précoce; chaleurs; bonne vendange. Le premier juin, les vignes commencent à fleurir ; les mois de juillet et d’août, fit si chaud que la Moselle en aulcun lieu était si petite qu’un ruisseau’ et les herbes si sèches qu’il semblait que tout fut terre labourée.“ (S. 168).

1493: HOFRESTE DES ALTEN SCHLOSSES IN GREVENMACHER

Auf S. 169 schreibt Hurt: „Gegenüber der Kirche lag dieses Schloss und bildete mit ihr, dem Stadtturm und dem Stadthaus das Zentrum der Stadt.“ Bereits erwähnt wird dieses Schloss im Tauschvertrag des Grafen Heinrich aus dem Jahr 1290. Später „wurde es Eigentum von Anne-Claire de Vigny, geb. de Wecker, welche es 1769 ihrem Großneffen, dem Baron Gérard-Joseph de Wickersloth. 1777 verkaufte dieser es für 4.000 Navara-Taler an Fr. de Baxeras, dessen Frau eine Catherine de Jardin war. Fr. de Baxeras war der letzte Landrichter von Grevenmacher (1777-1795).“ Nachträgliche Anmerkung: Hier verwechselt Hurt etwas, denn das Eigentum von Anne-Claire de Vigny war nachweislich das heutige Dechantenhaus, das später an Fr. de Baxeras verkauft wurde! Ein Zitat vom Schweizer Professor Dr. Linus Birchler fügt Hurt an dieser Stelle hinzu: „Bauten sind Urkunden geschichtlicher Forschung.“

Unter dem Titel: „16e et 17e siècles“ bemerkt Hurt u. a.: „Aus dem 17. Jahrhundert datiert auch das Haus in der Trierer Straße mit der Heiligennische, in welcher Laurentius thront, die heutige Apotheke. Nach der Bauart zu urteilen,

war es auch ein früheres Patrizierhaus, ein sog. Scheffenhaus. Scheffenhäuser will nicht heißen, als ob dieselben eigens für die Scheffen der Stadt gebaut worden seien.“ Da jedoch die Schöffen in der Stadt angesehene Leute waren und „die höchste Zivilbehörde, die wirkliche Magistratur des Ortes“ bildeten,warn auch die Häuser, welche diese Schöffen bewohnten, das äußere Bild des Schöffentums. Hurt fügt alsdann hinzu, dass alle diese Häuser in derselben Art gebaut sind: „Das Doppelhaus mit der Türe in der Mitte und daneben eine breite Toreinfahrt“, und zählt diejenigen dieser Häuser auf, die damals noch standen. „Haus Schock-Streng in der Poststraße, Haus Hostert in der Diedenhofener Straße…“ (S. 178).

„LAURENTIUS, HEILIGER SCHUTZPATRON“

… betitelt Hurt den nächsten Abschnitt (ab S. 178). Auch hier gibt es eine Reihe von interessanten Bemerkungen, die wir festhalten wollen. So schreibt Hurt u. a.: „Der heilige Laurentius wird angerufen als Schutzheiliger gegen Feuersbrunst – soll er der häufigen Feuersbrünste wegen vielleicht zum Schutzpatron der Stadt erwählt worden sein?“ Da der Kult des heiligen Laurentius erst gegen 950 in Deutschland aufkam, meint Hurt festhalten zu können: „Diese Angaben würden beweisen, dass die Kirche von Machern erst mit der Stadtgründung errichtet wurde und damals als Patron den hl. Laurentius erhielt, der in jenen Zeiten ein weitbeliebter Heiliger war. Die Kirche der Altsiedlung auf der Höhe war dem hl. Johannes dem Täufer geweiht.

Hurt bleibt auf kirchlichem Gebiet, wenn er aus dem 16. Jahrhundert über

DAS HEILTUM DER PFARRKIRCHE

berichtet, (S. 183 ff.), Heiltum, das man übrigens noch heute im Grevenmacher Kirchenschatz bewundern kann. „Das Heiltum war eine Reliquie, bes. die vornehmste Reliquie: die Kreuzreliquie. Neben der Verehrung, die ihr im Kult der Kirche zukam, spielte sie im öffentlich-rechtlichen Leben eine große Rolle. Auf sie wurden die feierlichen Eide abgelegt vor dem Stadtgericht (der sogenannte ,Hobsbrauch‘). (Über diesen Hobsbrauch besteht seit 2017 eine ausführliche Dokumentation. m.h.) Auch bei Prozessionen wurde dieses Heiltum mitgetragen, bes. bei der jährlichen Wallfahrt nach Trier, welche die Pfarrei machte. In späterer Zeit wurde es nur mehr in der Kreuzkapelle verehrt, jedes Jahr in der Fastenzeit.“ Abschließend bemerkt Hurt, dass das Mittelalter als Heiltum alles ansah, was den Heiligen gehört hatte, „also nicht nur die sterblichen Überreste, sondern auch ihre Kleidungs- undGebrauchsgegenstände.“

Mit der Aufzählung der wichtigen Ereignisse, die nach Hurt an der Schwelle des 16. Jahrhunderts das Ende das Mittelalters herbeiführten (die Rolle der Ritter wird von Bürgern übernommen, die Hörigkeit ist im Verschwinden, das

Lehnswesen macht einem nationalen Herrschertum Platz, die Türken erobern Konstantinopel, Amerika wird entdeckt, und mit Luther kommt die große Reformation, (S. 191), möchten wir die Vorstellung des ersten Bandes des zweiten Teils von Hurts bedeutendem Geschichtswerk über die Moselmetropole sinnvoll abschließen. In diesem ersten Band bleiben zwar noch einige Seiten, doch sie gehören zum nächsten Kapitel, das im zweiten Band fortgesetzt wird…

Teil IV: 16. Juli 1987

Mit dem Ende des Mittelalters und damit mit dem Beginn einer neuen Zeit war Luxemburg

IM SPANISCHEN WELTREICH KARLS V. (1506-1542)

Es ist dies das vierte Kapitel im zweiten Teil von Hurts umfassendem Geschichtswerk über seine Heimatstadt. Hurt bemerkt, dass Karl V. (er war König von Spanien und Kaiser von 1506-1555), zahlreiche Kriege führte, besonders gegen Frankreich, wodurch unser Land sehr in Mitleidenschaftgezogen wurde. „Infolge dieser Kriege entstand große Not, die besonders in den Mosellanden drückend wurde, wie aus einem Brief des Gouverneurs Werchin an die Königin hervorgeht. Was er an Brotgetreide auftreiben konnte, sammelte er in Grevenmacher und teilte es unter die notleidende Bevölkerung aus.“ (S. 195).

Vom 3. Oktober 1512 weiß Hurt von einer „Ordonnance du conseil, réglant la pêche sur la Moselle“ zu berichten (S. 200), und am 11. Juni 1515 kam eine „Ordonnance du conseil pour l’élection des échevins de Grevenmacher“ heraus (S. 208).

Um 1524/25 taucht dann der Name „(de) Metzenhausen“ erstmals in Grevenmacher auf. Hurt schreibt dazu: „Die Metzenhausen waren ein altes Adelsgeschlecht aus dem Hunsrück, das seit 1401 in luxemburgischen Urkunden erwähnt wird. Das Haus der Metzenhausen in Grevenmacher wird seit 1477 erwähnt. Im Kopfstein der Gartentüre Metzenhausen zur Ringmauer hin ist die Zahl 1622 eingraviert.“ Etwas näher auf Alphons Dominik Metzenhausen eingehend (Anfang des 18. Jahrhunderts), weiß Hurt zu berichten, dass dieser „Baron von Zolver, Herr zu Differdingen und Berburg und später auch Gerichtsherr von Remich und Grevenmacher war.“ (S. 230 ff).

Auf der letzten Seite des ersten Teils des zweiten Bandes heißt es u. a.: „Die Bürger von Grevenmacher hatten die Wehrpflicht, d. h. die Verpflichtung in Zeiten der Gefahr den Wehrdienst in der Festung zu versehen. (…) Den Bürgern oblag gleichfalls die Stadtwache in Frieden und Krieg. Die Ausrüstung hierzu musste in jedem Hause bereitliegen und von den Bürgern selbst beschafft werden. Die waffenfähigen Jungbürger wurden im Waffendienst ausgebildet

page23image1568313008

und von Zeit zu Zeit wurden die Stadtmannschaften mit ihren Waffen gemustert.“ (S. 245).
Der zweite Teil des zweiten Bandes beginnt u. a. mit der Eintragung zum 9. Mai 1531: „Georg von der Fels, Richter von Grevenmacher“, und Hurt berichtet: „In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Herrschaft von Burg Fels aufgeteilt unter Georg von der Fels, Herr von Heffingen, und Bernhard von der Fels, Erbkammerherr des Herzogtums Luxemburg und Herr von Möstroff. Georg von der Fels war unter dem Luxemburger Adel ein durch hohe Stellung und durch Tapferkeit ausgezeichneter Mann. Während der Zeit, da Georg sein Richteramt zu Grevenmacher nicht verwalten konnte, versah Bernhard von der Fels dasselbe als Unterrichter.“ (S. 3).

Es war nach Hurt am 6. Oktober 1531, als Karl V. eine Verfügung über die Schulen herausgab, in der es u. a. hieß: „Die Kinder der Armen, die bis jetzt herumvagabundierten, sollen entweder die Schulen besuchen oder ein Handwerk erlernen oder in den Dienst treten. Jene, die ein Handwerk erlernen, lernen am Sonntag und an den Feiertagen ihr Vaterunser, ihr Glaubensbekenntnis und die Gebote der Kirche vom Schulmeister, der sie zur Messe, Predigt und Vesper führen soll.“ (S. 4). Nach Artikel II derselben Ordonnanz durften Pilger in den Spitälern empfangen und aufgenommen werden.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Johann von Zessingen „geschworener Schreiber und Scheffen zu Grevenmachern.“ (S. 9). Dieser Johann von Zessingen stiftete u. a. im Jahre 1514 einen wertvollen Kelch mit seinem Wappen auf dem Kelchfuß eingraviert, für die Dreifaltigkeitskirche im Grevenmacher Zivilhospiz. Dieser Kelch befindet sich heute noch im Grevenmacher Kirchenschatz.

Nachdem um 1500 in Grevenmacher die Fischerzunft gegründet worden war, kamen im Jahre 1537 die „Ordonnances et statuts du mestier des pescheurs dans le district de la justicerie de Macheren“ heraus. (S. 16). Zur Fischerei schreibt Hurt u. a. „Unsere Flüsse und vor allem unsere Mosel waren früher fischreicher als heute, Industrie und Abwässer haben hier großen Schaden angerichtet. (S. 18 ff).

Auf das Jahr 1539 datiert Hurt die „Errichtung der Hl. Sakramentsbruderschaft in der Pfarrkirche zu Grevenmacher durch Papst Hadrian VI., dank der Vermittlung eines gewissen Conrad Vigerius“. (S. 24). Im selben Jahr war ein gewisser Nikolaus Vigerius Pfarrer in Grevenmacher.

Im Jahr 1541 gibt es nach Hurt in der Stadtrichterei Grevenmacher 88 Feuerstätten. (S. 30).

IN DRANGSAL UND NOT
DER SPANISCH-FRANZÖSISCHEN KRIEGE (1542-1559)

„1542 erklärt Frankreich Spanien (Burgund) den Krieg, während dessen unser Land auf lange Zeit ruiniert wird“, bemerkt Hurt auf S. 34.

1552: Grevenmacher wird eingenommen, geplündert und gebrandschatzt durch Albrecht von Brandenburg.

Wir haben es hier wohl mit einem der schlimmsten Ereignisse in der Geschichte der Moselstadt zu tun. Das Jahr 1552 war für Grevenmacher wirklich „ein schwarzes Jahr“. Wie Hurt treffend schreibt, wurde die Stadt eingenommen, geplündert und gebrandschatzt durch Markgraf Albrecht von Brandenburg und dies am 1. September. Dieser Albrecht von Brandenburg soll zudem die Glocken aus der Kirche genommen und weggeführt haben. (S. 60).

IN SPANIENS SCHATTEN (1559-1618)

Sich auf die „Maîtrise du marteau – Extrait des privilèges du temps d’Espagne statués à la ville de Grevenmacher – Maîtrise des tanneurs“ berufend, weiß Hurt über Handwerkszünfte und Handwerksbräuche in der Moselstadt zu berichten. „Die Stadtbefreiung begründete und begünstigte die Entwicklung des Handwerkes und des Handels. Besonders das Handwerk bildete den Kern der mittelalterlichen Stadt. Gemäß der korporativen Einstellung des mittelalterlichen Menschen schlossen die Handwerker und Gewerbetreibenden sich in Zünften zusammen, welche sowohl das materielle, als auch das sittliche Wohl und dazu das Gemeindewohl der gesamten Ortschaft förderten. Sie sind eine der schönsten Einrichtungen des Mittelalters.

Unsere Zünfte in der kleinen Stadt Grevenmacher hatten nicht den Reichtum und die Macht jener großen Städte, sie besaßen keine Zunfthäuser und mussten sich wohl mit einem gemieteten Zimmer in einem Wirtshaus oder mit einer Unterkunft im Stadthaus oder in den städtischen Hallen begnügen, aber dennoch haben sie ihre Rolle im Stadt- und Volksleben gespielt und sie waren nicht klein.“ (S. 84).

Drei Grevenmacher Zünfte sind es, die Hurt alsdann aufzählt: Die Fischerzunft (1537), die „Maîtrise du Marteau“ (1569) und ein Teil davon, die „Maîtrise des Tanneurs“, Schuhmacher- und Rotgerberzunft, die noch im Jahre 1766 bestand und erst durch Joseph II. aufgehoben wurde.

„Eng verwandt mit den Zünften waren die etwas mehr religiös eingestellten Bruderschaften, wie jene Urbanusbruderschaft der Winzer“, schreibt Hurt weiter, bevor er auf das „biedere und ehrenhafte Gesetz, das dieses Zunftleben regierte“, zu sprechen kommt. Abschließend bemerkt er: „Die Mitglieder der

Zünfte mussten als solche in Stunden der Gefahr, des Krieges oder einer Feuersbrunst zur Rettung und Hilfe der Stadt Dienste leisten. (S. 86 ff).

Am 25. Februar 1569 bestätigte Philippe II: die Privilegien der Stadt Grevenmacher und erneuerte besonders das ihr 1357 verliehene Marktrecht. (Philippe II., König von Spanien von 1555-1598, war sehr beliebt in Luxemburg.)

Von einem interessanten Visitationsbericht der Pfarrei Grevenmacher aus dem Jahre 1570 weiß Hurt alsdann zu schreiben. Die Kirche in Machern zählte damals 400 Kommunikanten. Das Recht, einen Pfarrer vorzuschlagen, hatte die Äbtissin von Bardenburg-Clairefontaine. Kirchenpatron war, damals wie heute, Sankt Laurentius. In diesem Bericht werden zwei bzw. drei Grevenmacher Bruderschaften erwähnt: die vom hl. Kreuz, die vom hl. Sebastian und die vom hl. Johannes. „Die St.-Sebastiansbruderschaft der Bogen- und Büchsenschützen reicht bis auf das Jahr 1402 zurück. (…) Der Altar des Heiligen in der Pfarrkirche ist ein sehr wahrscheinlicher Anhaltspunkt dafür, dass er der Schutzherr der Stadtwache war.“ (S. 33 ff). Äußerst interessant in diesem Visitationsbericht ist ebenfalls der Abschnitt über das Grevenmacher Spital: „Hier in Machern ist ein Spital. Patronin ist die Heilige Dreifaltigkeit. (…) Es ist gegründet von einem Mitglied der Familie Oiszberger (= Osburg) und zwar speziell für die Armen, wie es in der Gründungsurkunde heißt. Fast das ganze Gebäude ist eingestürzt und man hat angefangen, eine Kapelle einzurichten, deren Altar man konsekrieren lassen will. Befohlen wurde dem Hospitalverwalter, (…) dass man 1 oder 2 Jahre lang niemand im Spital aufnehmen soll und alles einrichte.“ (S. 93 ff). (In diesem Bericht gibt es allerdings mehrere Ungereimtheiten. Nicht das Spital, sondern die angrenzende Kapelle war der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Des Weiteren wurde die Kapelle nicht erst 1570 errichtet, denn Osburg hatte bereits in seinem Testament aus dem Jahre 1439 den ausdrücklichen Wunsch geäußert, in der Kapelle begraben zu werden!)

Weiter spricht Hurt einmal mehr von der Kapelle und Einsiedelei Sankt Johann, „eine sehr alte Kirche, da Johannes der Täufer der Patron ist.“ (S. 95). An diese Kirche erinnert heute nur noch das Johannis-Kreuz auf einsamer Flur zwischen Grevenmacher und Niederdonven.

Ab S. 99 befasst Hurt sich alsdann auf insgesamt vier Seiten mit dem

GREVENMACHER STADTTURM

Als Datum gibt er hier die Jahre 1573 und 1600 an. „Dieser Stadtturm war Wachtturm der Festung und diente auch als Gefängnis; ‚in den thorn legen‘ bedeutete ins Gefängnis werfen. Nach dem Urteil des Provinzialrates vom 14. November 1573 stand derselbe sowohl dem Stadt- als auch dem Landrichter zur Verfügung. Da man für Unterhalt der Gefangenen wenig ausgeben mochte,

blieben dieselben kaum lange in demselben; die Gerichte arbeiteten schneller, aber auch gründlicher als heute.

Mit der Stadt war auch der Turm angelegt worden und zwar genau im Zentrum der Stadt. Von ihm aus sollte man das ganze Tal nach allen Richtungen hin übersehen können nach Feind und Gefahr, die sich der Stadt näherten in Kriegszeiten. Von hier aus konnte der Stadtkommandant eine Verteidigung der Festung nach allen Seiten hin leiten, wenn der Feind dieselbe belagerte. Wann die Stadt eingenommen war, konnte er als letztes Bollwerk, in das sich die Verteidiger und auch vielleicht die Einwohner mit ihrer Habe, zurückgezogen hatten, noch gehalten werden. Mit seinen meterdicken Mauern, mit seinen Schießschachten und seinem flachen Dach war er fast uneinnehmbar. Auch in Friedenszeiten sollte von ihm aus die ganze Stadt übersehen werden können, um ein ausgebrochenes Feuer festzustellen und zu bekämpfen. In ihm hing die Stadtglocke, eine Sturm- und Feuerglocke, um die Bewohner und die Wacht zu alarmieren. Vom Turm herab wurden des Abends die Zeichen der Nachtruhe und zum Feuerlöschen gegeben und während der Nacht die Stunden angesagt. Auf dem flachen Dach, das mit einer Brustwehr umgeben war, stand ein Posten der Stadtwache Tag und Nacht.

So hatte er als Stadtturm seinen Dienst wohl seit Jahrhunderten schon getan, hatte mehr denn einmal Kampf und Brand erlebt, als im Jahre 1782 aus Sparsamkeitsgründen nach langen Streitigkeiten das Kirchenschiff an ihn angebaut wurde und er zum Kirchturm wurde. So hatte dieser ursprünglichste Bau der alten Befestigung einen neuen Daseinszweck und wurde als ältestes Denkmal der alten Stadt unserer Zeit erhalten. Von nah und fern gibt er dem alten Stadtbild sein charakteristisches Gepräge. (…)

Unser Stadt- und Kirchturm war ursprünglich von einem Graben umgeben, der vom Marktbächlein gespeist wurde. Ein enges Tor aus schweren eisenbeschlagenen Balken schloss den Eingang, an den Seiten waren Wurf- und Schießschachten, sowie Pechnasen angebracht; erst 1825 wurden die Schalllöcher und Rundfenster angebracht. (…) Unvergesslich imponierend mag die Wirkung gewesen sein, die das Platzbild in dieser Zusammenstellung ausgeübt hat: Stadthaus, Stadtturm, Pfarrkirche und Marktplatz mit dem Freiheitskreuz… Das Ganze bot ein Bild unvergleichlicher Harmonie und Kraft,würdig einer Stadt, die so bürgerstolz und ausharrend war, wie das alte Grevenmacher.“

Weiter weiß Hurt in diesem Zusammenhang zu berichten: „Aus einem Hexenprozess des Jahres 1523 erfahren wir, das der Turm wenigstens zwei Verliese hatte, ein unteres und ein oberes, in denen Aufenthalt und Behandlung je nach der begangenen Übeltat verschieden waren. (S. 102). Fügen wir an dieser Stelle hinzu, dass es zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Grevenmacher mehrere Hexenprozesse gab.

Sich auf eine Trierer Chronik berufend, schreibt Hurt von den Jahren 1570- 1573: „Es waren unfruchtbare, verworfene, unselige Jahre. Im folgenden Jahre 1574 war die Not aufs höchste gestiegen und war für Geld kein Brot zu haben.“ (S. 108).

Von 1575/76 weiß Hurt zu berichten, dass die Pfarrei Grevenmacher 400 Kommunikanten, also 4×400=1600 Einwohner zählte. (S. 118).

Um Kelterhäuser, Tretmühlen und Traubenmühlen, kurzum, um die Herstellung des Weines geht es auf S. 121-122.

Über verschiedene Adelsgeschlechter, die etwas mit Grevenmacher zu tun hatten, so z. B. das Geschlecht der Manderscheid aus der nahen Eifel, das Geschlecht von Kerpen…, schreibt Hurt alsdann. (S. 124-125).

Auf S. 126 lesen wir folgende interessante Bemerkung: „Die wichtigsten Güter, welche auf der Mosel und auf den Wegen befördert wurden, waren Wein, Brotfrucht, Holz und Salz. (…) Holz wurde schon zur römischen Zeit auf der Mosel verflößt. (…) Salz kam aus dem salzreichen Gebiet der oberen Seille um Marsal und wurde bis Metz auf dem ‚Salzfluss‘ – dies ist die Bedeutung des Flussnamens ‚Seille-Saille-Saale‘ – dann auf der Mosel bis Trier befördert.“

Ende des 16. Jahrhunderts legt Bernhard von der Fels sein Amt als Gerichtsherr von Grevenmacher nieder. Der Sohn des Georg von der Feltz(s), Paul von der Feltz(s), Herr von Fels, Mersch und Heffingen, wird Oberamtmann zu Remich und Landrichter zu Grevenmacher. (S. 134 ff.).

Mit dem Ende des 16. Jahrhunderts tritt ebenfalls der Name „Beck“ in Grevenmacher und in Luxemburg auf. Die Familie Beck wird später eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben der Stadt Luxemburg spielen. Hurt bemerkt hierzu: „1594: Gerhard Beck aus Grevenmacher war Gerichtsvollzieher des Provinzialrates in Luxemburg. Man glaubt, er sei ein Verwandter, vielleicht der Bruder des Paulus Beck gewesen, der seit 1586 ‚geschworener reitender bott‘ des Provinzialrates war und 1588 Vater des Johann Beck wurde. (…) So würde Baron Johann Beck, Gouverneur von Luxemburg, 1638-1648, aus Grevenmacher stammen.“ (S. 153).

Aus dem Monat April 1596 stammt ein Brief von Philippe II., „concédant des franches foires à la ville de Grevenmacher.“ (S. 158 ff., Publ. 32,307). Grevenmacher erhielt mit diesem Schreiben das Recht auf „drei freie Märkte in jedem Jahr (Jahrmärkte): den ersten am ersten Montag in der Fastenzeit, den zweiten am Montag nach Sankt Johann-Baptist im Juni und den dritten am Montag nach dem heiligen Briccius (Brixius) im November, mit all jenen Rechten, Freiheiten und Privilegien, die die Bürger der anderen Städte des Landes, denen ähnliche Jahrmärkte bewilligt sind, gewöhnlich genießen. (…) Es ist wohl verstanden, dass die Gewinne, die aus den genannten Märkten

entstehen, verwendet werden für die notwendigen Reparaturen und den Unterhalt der Stadt, der Tore, Brücken, Pflaster, Türme und Mauern.“

ALBERT, ERZHERZOG VON ÖSTERREICH UND ISABELLA,
INFANTIN VON SPANIEN 81598-1621)

„Depuis 1596, l’Archiduc Albert d’Autriche gouvernait les Pays-Bas au nom de Philippe II (mort en 1598). Le roi, enchanté de son caractère et de ses succès, lui donna la main de sa fille Isabelle. Le 6 mai 1598 il leur céda les Pays-Bas (et donc le Luxembourg),“ schreibt Hurt auf S. 168.

Vom 17. Jahrhundert heißt es alsdann: „Le Luxembourg, et partant, la ville de Grevenmacher eut énormément à souffrir du passage des troupes, aussi bien des alliés que des ennemis. Guerre, peste et famine, voilà les trois fléaux qui ravagèrent notre pauvre pays et notre bonne ville à cette époque épouvantable“. (S. 172).

Interessieren dürfte auch die Aufzählung des Kirchengutes in Grevenmacher, die Hurt unter der Jahreszahl 1602 auf S. 175 festhält: zwei Wiesen, zwölf Gärten und „Feldstücker“, sieben Weingärten. „Diesess alless zusamen kan jahrlichss ertragen 90 livres.“ (J. W. Müller). Hurt bemerkt hierzu: „DieOrtspfarren und Kirchen hatten wohl meist ihren kleinen Grundbesitz, auch wenn es nur relativ wenig Urkunden gibt, die ausdrücklich davon berichten. Die Ausstattung unserer Kirchen hat man sich für die ersten Jahrhunderte als ziemlich ärmlich vorzustellen. (…) Durch Schenkungen und Vermächtnisse wuchs das Kirchengut beständig.“ (S. 176).

Im Jahre 1603 schuldet Grevenmacher der Münsterabtei in Luxemburg „32 setiers de vin“ (also 32 Schoppen bzw. auf luxemburgisch „Sieschter“). (S. 186).

Zwei Seiten widmet Hurt unter dem Titel: „Die Pest“ einer der wohl schlimmsten Krankheiten des Mittelalters, der Lepra oder dem Aussatz. (S. 189 ff.). Er schreibt: „Während des ganzen Mittelalters bis ins 18. Jahrhundert hinein waren in allen Städten, selbst in kleineren Ortschaften von nur einiger Bedeutung, Siechenhäuser. Meist befanden sie sich vor den Städten am Stadtrand, außerhalb der Stadtwohnungen. In ihnen wurden die an Lepra oder Aussatz Erkrankten untergebracht und von den Gesunden abgesondert. Die seit dem Altertum von der Menschheit gefürchtete Seuche des Aussatzes kam aus dem Morgenland nach Europa und zwar zunächst nach Griechenland und Italien. (…)

Die Stiftung Peter von Osburgs aus dem Jahre 1418 scheint mir auch für Aussätzige bestimmt gewesen zu sein, denn sowohl die Gebäude (ihre Anordnung: Haus, Garten, Kapelle, gelegen an der Stadtmauer und

vorbeifließendem Bach, an der Verkehrsstraße, wo milde Gaben für die Kranken gesammelt werden konnten), wie auch besonders die Stiftungsurkunde selbst weisen darauf hin.“ Dann geht Hurt auf das traurige Schicksal dieser Aussätzigen ein, die im wahrsten Sinne des Wortes „ausgestoßen“ waren.

Von den Jahren 1607-1608 berichtet Hurt: „Der Winter dieses Jahres war einer der kältesten, welche die Mosel je gesehen, da der Wein vielfach in den Fässern fror. Dazu dauerte er lange an, denn noch am 15. Mai war die Mosel gefroren.“ (S. 197).

Von 1608 heißt es zudem: „Die Mühle auf den Schiffen, die ‚Schiffmühle‘, wird vom Wasser fortgeschwemmt.“ (S. 198).

Im Jahre 1611 zählte Grevenmacher 95 Haushaltungen.

Zum Schluss des zweiten Teils des bedeutenden Geschichtswerkes über die Moselmetropole blättert Hurt in einem vier Bände starken Protokollbuch der Stadt Grevenmacher (1611-1775). Er kommt dabei auf den Hobsbrauch von 1539, auf den ersten Stadtschreiber, der aus Grevenmacher Akten hervorgeht, „und der auch diese ersten Protokollbücher schrieb“, Adam Strenge – er soll insgesamt 45 Jahre lang als vereidigter Stadtschreiber amtiert haben – auf die Ausübung der Gerichtsbarkeit sowie auf Not und Armut des 17. Jahrhunderts … zu sprechen. (S. 207 ff.).

Am 5. April 1617 schließlich bestätigen Albert und Isabella, nachdem die Stadt Grevenmacher, bedingt durch den Herrscherwechsel, dies gefragt hatte, die Privilegien der Stadt.

Teil V: 26. November 1987
4) Band III: Von 1618-1795

Der dritte und letzte Band von Hurts umfassendem Geschichtswerk über seine Heimatstadt geht von 1618 bis 1795 und ist aufgeteilt in zwei Bücher, die zusammen 572 Seiten stark sind. Insgesamt 10 Kapitel sind im Inhaltsverzeichnis angegeben: 1) Widmung – Vorwort; 2) Abkürzungen; 3) In Not und Tod des dreißigjährigen Krieges (1618-1659); 4) In Krieg und Brand (1659-1683); 5) In Verheerungen und Entbehrungen – Unter französischer Herrschaft (1684-1698); 6) Wieder unter Spaniens Zepter (1698-1714); 7) Das goldene Zeitalter unter österreichischer Herrschaft (1714-1795); 8) Glossar; 9) Orts- und Namensverzeichnis; 10) Sachverzeichnis. Das zweite sowie die drei letzten Kapitel wurden allerdings nie geschrieben. Hinzu kommt jedoch ein letztes, kurzes Kapitel, das nicht im Inhaltsverzeichnis festgehalten ist: „Grevenmacher in der französischen Revolution (1792-1804)“.

page30image1571046896

Gewidmet ist dieser dritte Band von Hurts Kartular-Chronik Arthur Hary (1892-1925), „dem unvergesslichen Freund, dem Planer des Moselbuches: ‚Im Land der Reben‘, in unvergesslicher Treue.“ (Arthur Hary war Lehrer, Schulinspektor und Herausgeber der zweiten Luxemburger Kinderzeitung: „Die Tage der Rosen“, später „Zeitung für kleine Leute“. Er starb am 16. März 1925 in Grevenmacher und liegt in Larochette begraben.)

Im „Brief als Vorwort“ heißt es u. a.: „Es ist nicht von ungefähr, dass wir auf die Mosel zu sprechen kamen, auf Moselland und Moselstadt. Du meintest, deren Geschichte müsste einmal geschrieben werden in einem Moselbuch. (…) So etwa redetest du auf mich ein: ‚Wenn Geschichte Lehrmeisterin eines Volkes sein soll, muss sie zum Volke sprechen, dass dieses sie versteht. Denn groß ist sein Interesse am Heimatgeschehen der vergangenen Jahrhunderte, an dem, was es täglich um sich sieht an Straßen und Häusern, an Mauern und Türmen, an Fluss und Bach, an Merkwürdigkeiten in Feld und Wald.“ Hurt spricht alsdann davon, dass er mit diesem Werk sein Versprechen eingelöst hat und schreibt abschließend: „Lieber Freund, geh mit diesem Buch hinaus in die Moselstadt, die dir zur zweiten Heimat geworden war, geh mit ihm ins ‚Land der Reben‘, das du schildern wolltest, geht mit ihm in ‚Unser Land‘, dem du dein Heimatbuch geschenkt hast und wirb für die Heimat. Denn dieses Buch will der Heimat dienen, wie du ihr gedient hast, in guten und in bösen Tagen. Denn Heimat ist Frieden, ist Segen und Glück.“

In einer Bemerkung geht es einmal mehr um den „einzigen Registerband als Ergänzung der drei bisher zusammengestellten Tatsachenbände“, Registerband, der nie geschrieben wurde. Für Abkürzungen sind wohl einige Seiten vorgesehen, sie sind jedoch auch in diesem dritten Band nicht eingetragen.

IN NOT UND TOD
DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES (1618-1648)

Als „das unglücklichste Jahrhundert in unserer Geschichte“ bezeichnet Hurt das Jahrhundert des Dreißigjährigen Krieges. „Bunt zusammengewürfelte Heere von Söldnern waren es aus aller Herren Länder, die nur von Raub und Plünderung lebten. Bereits 1624 waren zahlreiche Ortschaften verödet und ganze Fluren pflegelos! (S. 10).

Vom Jahr 1619 heißt es: „Haus bey dem Creutz…“:Hurt bemerkt hierzu: „Auf dem Markt, zwischen Stadthaus und Stadtturm stand dieses Kreuz, das öfters in Akten erwähnt wird. Es war das Freiheitskreuz, auch Stadt- oder Marktkreuz genannt, welches das äußere, sichtbare Zeichen der Freiheit war und gewiss bei der Freiung der Stadt als Symbol der Freiheit errichtet worden war.“ (S. 12).

Auf der folgenden Seite geht es um die „Hallen dieser Statt“. Hurt meint: „Wo diese Hallen waren, ob vor dem Stadthaus, ähnlich wie heute noch am

Echternacher Dingstuhl, ob auf der gegenüberliegenden Seite der Straße oder des Marktplatzes, oder ob auf beiden Seiten, wie mancher Akt darauf hinzuweisen scheint, ist sehr schwer zu sagen. Unter diesen Hallen waren Warenauslagen, wo Bäcker, Metzger, Kaufleute und Handwerker Verkaufsstände hatten. Hier fand auch die Kontrolle der Ware, des Maßes und des Gewichtes statt; die Normalmaße und Gewichte waren im Stadthaus untergebracht. Kein anderes Maß durfte benutzt werden, als der „Stattsester“ es auswies. Jene, die falsches Gewicht hatten, wurden bestraft.“ Auch von einer Art Umsatzsteuer als Miete für die dem Fürsten gehörenden Verkaufsstände weiß Hurt auf der folgenden Seite zu berichten.

Um Mauern und Türme geht es ab Seite 16 in einem längeren Abschnitt, dem Hurt die Kopie eines Stadtplanes des alten Grevenmacher (Knaff) beifügt. Greifen wir an dieser Stelle nur die wichtigsten Aussagen heraus: „Mit der Freiung der Stadt wurde diese auch ausgebaut und mit Mauern und Türmen versehen. Das war ja der Zweck ihrer Gründung und ihrer Befreiung: ein Bollwerk gegen Trier in dem äußersten Osten des Gebietes zu errichten. Als fester Platz stellt uns die Zeichnung von Abt Bertels aus dem Jahre 1571 die Stadt dar, als Festung weisen sie noch heute viele Überbleibsel von Mauern und Türmen aus. Gewiss war Grevenmacher niemals eine sehr starke Festung, dazu war ihre Lage im Tal, von manchen Höhen bedroht, schon ungünstig. Aber die Festungsanlage, die von außen nur sehr schwer zu ersteigen war, hat mehr denn einmal die Stadt während der langen, grauenvollen Herrschaft des Faustrechtes und der Wegelagerung vor manchen Überfällen geschützt, und manchmal dem Feind während der jahrhundertelangen Streitigkeiten mit Trier Trutz und den Bürgern Schutz geboten. Aber was konnten diese Mauern, die so viel Geld und Arbeit gekostet hatten, 1552 gegen einen verwegenen Überfall eines Albrecht von Brandenburg, was konnten sie standhalten 1596 gegen dieniederrheinischen Freibeuter.“ Folgt alsdann die genaue Beschreibung der Festungsanlagen, der Tore, des Stadtinnern, bis Hurt abschließend bemerkt: „Von einer beständigen Besatzung der Stadt zur Verteidigung kann keine Rede sein. An den Toren befand sich ein Pförtner, der auch das Wegegeld oder das Durchfahrtsrecht erhob. In unruhigen Zeiten war außer der Wache auf dem Stadtturm auch die Stadtwache in Bereitschaft und machte Rundgänge auf dem Laufgang der Stadtmauern. Jede Nacht tat die Wache ihren Dienst und machte zu den vorgeschriebenen Stunden die Runde.“

Im Jahre 1620 findet Hurt zum ersten Mal einen Lehrer in Grevenmacher erwähnt: „Heinrich Machthumb, Schoullmeister dieser Statt. (1625: Heinrich Machtum, Schoelmeyster).“ Der Autor benutzt diese Notiz, um einige wichtige Bemerkungen zum Thema Schule zu machen. „Vorher waren es die ,Frühmesser‘, welche von der Kirche aus den Unterricht erteilten. Nun nahm immer mehr die Stadt den Unterricht in die Hand. Denn die Bürger legten Wert auf den Unterricht; sie bedurften einer gewissen Bildung, um Handel und

Handwerk erlernen und ausüben zu können, um die städtischen Ämter zu versehen und um mit den Behörden zu verkehren. Wohl vermittelten die Schulen meist nicht mehr als Lesen und Schreiben und Rechnen, aber doch müssen Begabtere und Wohlhabendere es in ihrer Ausbildung weiter gebracht haben, da wir schon frühzeitig Grevenmacherer Studenten am Luxemburger Jesuitenkolleg und an Universitäten antreffen. (…) Das erste Schulhaus finden wir erwähnt im Jahre 1681: ‚die Schull im Statthauss‘ und auch hierin wird die Loslösung der Schule von der Kirche deutlich.“ (S. 20).

Um einen alten Kreuzweg den Kreuzerberg hinauf geht es unter der Jahreszahl 1627: „Dies Stück hat Valentinus Streng, luxemburgischer Ratsgreffier, Substitut, zum Gedächtnuss machen lassen, 1627.“ So steht es auf dem alten Kreuzbild, das 1930 in der Erde, unten am Weg, der zur Kreuzkapelle führt, ausgehoben wurde. Es bildet eine Station des alten Kreuzweges, welche bei Errichtung der neuen Bilder in die Erde eingesenkt worden war“, schreibt Hurt, und kommt dann auch gleich auf die Herkunft von Valentin Streng sowie auf die Kreuze den Kreuzerberg hinauf zu sprechen.

Vom Jahr 1627 weiß Hurt zu schreiben: „Bei der niedersten drenken: Von der Stadt zur Mosel führten früher zwei Webe, die beiden ‚Drenken‘, die oberste und die niederste. Das waren die Wege, auf denen das Vieh zur Tränke an die Mosel geführt wurde. Der mittlere Moselweg bestand damals noch nicht, denn hier befand sich kein Durchbruch der Stadtmauer; erst gegen 1870 wurde diese Verbindung zur Mosel angelegt. (…) Eine große Anzahl von Bürgern betrieb neben dem Handwerk und dem Weinbau auch noch etwas Landwirtschaft auf Wiesen und Äckern, in Wald und Weinberg der Stadtflur. Die meisten Häuser, auch vornehme, hatten einen Hofraum mit Stall und Schuppen und auch noch bei den kleinsten Häusern heißt es in den Akten: ,mit seinem kleinen ställgen‘. Bei vielen kleinen Häusern musste das Vieh durch den Hausgang, sogar manchmal durch die Küche gehen, um den Stall zu erreichen.“ (S. 42).

Unter der Jahreszahl 1628 befasst Hurt sich auf mehreren Seiten mit verschiedenen Hexenprozessen in Grevenmacher. Er schreibt einleitend: „Einer der furchtbarsten menschlichen Irrwahne, der je geherrscht hat und das Antlitz der mittelalterlichen Menschheit grausig und teuflisch entstellt, der Hexenwahn, hat auch in Grevenmacher und in den Mosellanden zahllose Opfer gefordert. In diesen Zeiten glaubte man fest an Zauberer und Hexen, die angeblich mit dem Teufel im Bunde standen und mit ihm Zusammenkünfte hatten. Solche Orte waren bei uns die ‚Schuckenhiel‘, die in einem Prozess von 1631 erwähnt wird, der ‚Groesteen‘ und die Gegend des ‚Johannisflur‘“, und der Autor geht dannetwas näher auf mehrere Prozesse dieser Art ein. (S. 46 ff.).

Um Wein geht es ab S. 62 in Hurts Geschichtswerk. „Nach einer Urkunde von 1252 (Freiheitsurkunde) mussten die Grevenmacherer den Neunten ihres Weinwachstums dem Grafen von Luxemburg liefern. War der Most im Keller

gesammelt, dann ging der Magistrat von Grevenmacher von Haus zu Haus, nahm Augenschein und bestimmte jedem, wieviel er als Neunten zu entrichten habe. Das Holz zu den Fässern mussten bestimmte Dorfschaften aus ihren Gemeindewaldungen hergeben, die Fässer wurden von genannten Fronbauern auf die Mosel gebracht, gefüllt, ebenso nach Luxemburg geführt, wo der Fuhrmann ein Paar Priquet erhielt.“ Frei vom Neunten waren nach Hurt zu. A. die Herren von Metzenhausen, (sie hatten auf dem Banne von Grevenmacher 67 Parzellen Wein), der Richter, die Schöffen, das Spital… „Wein verkaufen durfte jedermann, der ihn aus seinen eigenen Weinbergen gezogen hatte“, schreibtHurt auf S. 63 und erwähnt auf der folgenden Seite mit der Jahreszahl 1632 eine „Weinrevolution in Grevenmacher“. In jenem Jahr hatte der Graf von Luxemburg als Neunten nämlich nur schlechten Wein erhalten, was ihm gar nicht behagte.

Mit der Jahreszahl 1635 spricht Hurt von der Haustüre der „Zehntscheuer“, einer wertvollen Renaissancetür. Sich für deren Beschreibung auf C. L. 78/1940 berufend, fügt er hinzu: „Ich glaube annehmen zu dürfen, dass in diesem Hause der Kellermeister des landesherrlichen Güter (vigneron du Roy, 1477) wohnte. In diesem Keller wurden die fürstlichen Weine gesammelt und aufgehoben. (…)Die ehemalige Zehntscheuer, das Wahrzeichen des alten Regimes, wurde 1635 von der spanischen Domänen-Verwaltung in Luxemburg neu errichtet oder restauriert.“ (S. 75/76).

Um die Grevenmacher St.-Urbanus-Bruderschaft geht es unter den Jahreszahlen 1635 und 1641. „Der heilige Papst Urban I., dessen Fest am 25. Mai ist, gilt als Schutzpatron der Winzer, weil dieser Heilige, der im Jahre 230 in der Christenverfolgung unter Alexander Severus den Martertod starb, sich während der Verfolgung in den Weinbergen versteckte. Seitdem wurde er der Hüter der Weinberge, die er vor Hagel und Schaden bewahren soll. (…) Darum fanden sich die Winzer unter dem Schutz dieses Heiligen in einer Bruderschaft zusammen, die sowohl die wirtschaftlichen als auch die religiösen Interessen ihrer Mitglieder wahrte. Am Fest des Heiligen zogen die Winzer mit dem Bilde ihres Patrons durch die Weinberge. Leider wissen wir von dieser Bruderschaft, ihrem sozialen und religiösen Wirken außer dürftigen Notizen nichts. Auch in anderen Moselortschaften bestand eine St.-Urbanusbruderschaft. Im Pfarrhaus von Grevenmacher befindet sich eine barocke Holzstatue des hl. Urbanus, sitzend dargestellt mit Tiara, Buch und Traube, dieselbe ist 80 cm hoch“, heißt es S. 80.

„Als die Kaiserlichen, meist Kroaten, Ungarn und Polen, in der Moselgegend erschienen, wurden Igel, Wasserbillig und Grevenmacher ausgeplündert“, weiß Hurt etwas weiter zu berichten, und bemerkt: „Von 1636 bis 1656 waren die Haushaltungen in Grevenmacher von 125 auf 78 zurückgegangen.“ (S.84).

Im Jahre 1637 wurde das Grevenmacher Stadthaus gebaut. Hurt schreibt dazu: „Der Ursprung unseres Stadthauses steht im Dunkel der Vergangenheit. Mit der Freiung 1252 wurde in der Neusiedlung Grevenmacher gewiss ein erstes Stadthaus errichtet. Wie oft wohl seither an demselben verändert und verbaut worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis. So wie wir es etwa 1500 bis 1600 in den Akten finden, besaß es einen Vorbau, der auf massiven Mauerstützen oder Pfeilern stand, die in denselben ‚Steilen‘ genannt werden.“

Dann geht er auf das „kleinstädtische Leben“ in und um das Rathaus ein, und bemerkt abschließend: „In seiner jetzigen Form wurde das Rathaus 1850 umgebaut, nachdem bereits lange vorher im Gemeinderat ein Balkon für dasselbe bestimmt worden war.“ (S. 86 ff.).

Einen längeren Artikel widmet Hurt ab S. 99 einmal mehr der Verehrung des heiligen Laurentius (Diakon von Rom, am 10. August 258 unter Kaiser Valerian gemartert). Stephanus, den zweiten Patron der Grevenmacher Dekanatskirche, stellt er als „geistlichen Zwillingsbruder des Laurentius“ dar.

Über die Verleihung des Bürgerrechtes weiß Hurt unter der Jahreszahl 1641 folgendes zu berichten: „Es bestand in der freien Stadt Zuzugsfreiheit für die Fremden, welche dann innerhalb einer bestimmten Zeit und gegen Entrichtung gewisser Gebühren an die Stadt als neue Bürger aufgenommen wurden. Erst dann durften sie den Namen Bürger führen und genossen deren Rechte.“ (S. 102). Aufgenommen wurden diese Bürger durch Bürgereid, der in die Hände des Magistrats abgelegt wurde. Dabei bestanden gewisse Schwierigkeiten für Hörige.

Am 11. Januar 1645 brach in Grevenmacher durch Unvorsichtigkeit eine Feuersbrunst aus, die nur wenige Häuser der Stadt verschonte. Hurt bemerkt dazu: „Wie oft wurde die Stadt Grevenmacher durch Brand zerstört, wie oft einzelne Häuser oder Straßen durch dieses Element verheert? Da begreift man, dass der Stadtmagistrat ein scharfes Auge auf dieses Übel haben musste.“ Demnach gab es Strafen bei nachweisbarem Verschulden, und verschiedene V orbeugungsmaßnahmen wurden getroffen. „Und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen verheerte das Feuer so oft unsere Stadt. Das kam daher, weil viele Häuser mit Stroh gedeckt waren, und das Feuer meist im eigentlichen Sinne des Wortes ein Lauffeuer wurde, das von Haus zu Haus über sprang und sich rascher ausdehnte, als die Menschen damals mit ihrem primitiven Hilfsmitteln eindämmen konnten.“ (S. 108).

Vom 5. Mai 1645 berichtet Hurt, dass der französische Marschall de Turenne an diesem Tag Grevenmacher überfiel, die 200 Mann starke spanische Besatzung von dem Wachtturm herunterwerfen und niedermetzeln ließ und die Ortschaft „seiner Soldateska“ zur Plünderung überließ. Wegen Resistenz der Bürger wurden damals die Stadtmauern zum Teil zerstört. Auch kam es in

Grevenmacher zu einer Geiselnahme: Stadtrichter, Schweitzer und vier Schöffen wurden als Geiseln genommen. (S. 111).

Die nächste Plünderung Grevenmachers erfolgte nur fünf Jahre später, nämlich am 8. Oktober 1650 durch die Truppen des Herzogs von Lothringen (S. 139).

Mit der Jahreszahl 1651 kommt Hurt dann auf das zweite Siegel der Stadt Grevenmacher zu sprechen („Sigilum Civitatis Comitis Macherentina“). (S. 140). Auch die nächste Feuersbrunst sollte nicht lange auf sich warten lassen. Sie kam am Ostermontag des Jahres 1654 und zerstörte mehr als zwei Drittel der Häuser von Grevenmacher. (S. 145).

IN KRIEG UND BRAND (1659-1683)

„Infolge des dreißigjährigen Krieges waren die Einwohnerzahl, wie auch der Wohlstand sehr zurückgegangen, während im Jahre 1626 die Stadt Grevenmacher noch 25, die Landrichterei noch 106 steuerzahlende Feuerstellen enthielt, waren es 1659 nur mehr 10 und 34.“ Mit diesen Worten leitet Hurt das vierte Kapitel dieses Teiles ein. (S. 159). Im Jahre 1677 richteten die Einwohner der Landrichterei Grevenmacher dann an die Stände des Herzogtums „eine Bittschrift um Nachlass der Steuern und Lasten.“ (S. 192).

Unter der Jahreszahl 1677 gibt Hurt uns interessante Details über den Markt in Grevenmacher. „Der Markt, den man mit Recht den alten Markt nennen könnte, befand sich ausgehend vom Stadthaus einerseits und vom Stadtturm andererseits, in der Straße bis zur Biegung links. Der Markt war der wichtigste Schauplatz des Gemeinschaftslebens. Auf ihm spielte sich nicht nur der hauptsächlichste Handelsverkehr ab, sondern auch die Rechtsvorgänge fanden dort statt. Bäcker, Metzger, Handels- und Handwerksleute hatten hier ihre Auslagen und Verkaufsstände. Auf Tischen, in Buden und unter den Hallen waren die Waren ausgelegt. Hier standen auch wohl die meisten Kaufhäuser. Ihre Fenster mit den Auslagen waren eckig und standen hervor. Über der Tür hing das Zeichen des Hauses oder die ‚Strauss‘ und oft wurde der Besitzer nach seinem Hausbild (Hausschild?) genannt. Wenn Markttag war, wurde am Stadthaus die rote Fahne aufgesteckt und so lange sie ausgehängt war, hatten fremde Verkäufer das Marktrecht. Die Glocke läutete den Markt ein und läutetet ihn wieder aus.“ Weiter beschreibt Hurt mit pittoresken Details das Leben in Grevenmacher an einem solchen Markttag: „Im Lumpenring, an der Ecke des Stadthauses, steht ein Verurteilter und muss des Volkes Spott und Hohn über sich ergehen lassen. (…) Wenn auch der Markt beendigt (ist), sobald werden die Straßen und Plätze nicht leer, denn nicht zu Hause, sondern auf der Straße und auf dem Markt, in den Trinkstuben und unter den Hallen spielt die Erholung sich ab. (…) Am alten Stadtturm, an der Kirchhofecke steht ein Spielmann mit der Geige und singt dazu, ein lustiger Geselle pfeift die Weise mit und bald beginnt Alt und Jung mitzusingen und zu springen. Da erklingt die Nachtglocke

und Gassen und Wirtshäuser leeren sich. Im Stadtturm sitzen einige Marktdiebe, die man erwischt (hat).“ (S.195).

Interessante Details über die Straßen Grevenmachers gibt Hurt auf S. 196: „Die ‚Onckelster Gasse‘, sie kommt in mehreren alten Schriftstücken vor, war die untere Straße; die Diedenhofener und die Trierer Straße; die ‚Onckelster Pforte‘ war das Diedenhofener Tor.“ Und auf Seite 196 geht es um „Die Bach so durch hiesige statt fleusst…“ Hurt bemerkt dazu: „Dieses Bächlein wurde Marktbächlein genannt, weil es über den Markt floss. Es kam vom Überlauf des ‚Kundels‘ her und spendete das Wasser, das man in der Stadt außer jenem aus dem Brunnen braucht zum Trinken, Waschen und Löschen des Feuers. Der Kundel war auch der einzige öffentliche Waschbrunnen im Innern der Ortschaft. Noch gegen 1900 lief dieses Bächlein offen die Luxemburger Straße herunter.“

Mit der Jahreszahl 1680 findet Hurt zum zweiten Mal einen Bürgermeister in Grevenmacher erwähnt: „Peter Euch, Bürgermeister.“ (Erste Erwähnung: 1647: Dietrich Dietz, zurzeit Bürgermeister.) Hurt meint dazu: „Bürgermeister: Zender, Zehender, Zentner, wurde in Grevenmacher der Bürgermeister genannt. Er bildete zusammen mit den Schöffen die Institution der kommunalen Selbstverwaltung. Der Bürgermeister wurde jährlich von den Bürgern für ein Jahr gewählt.“ (S. 207).

Über die Moselschifffahrt geht es ab S. 214 in einer längeren Abhandlung, aus der wir nur die wichtigsten Angaben zurückbehalten wollen. „Über die Moselschifffahrt hat eigentlich ein tragisches Geschick gewaltet. Schon unter der Römerherrschaft war sie mächtig aufgeblüht und hatte eine sehr große Bedeutung, so dass von ihr Ausonius singen konnte: ‚Breit zieht und ruhig der Mosella Flut, sie trägt der fernsten Länder Handelsgut‘, ein Dichterwort, das uns durch die Steindenkmäler des Trierer Museums bestätigt wird, besonders durch das berühmte Weinschiff von Neumagen. Derselbe Dichter spricht auch von Schiffern, die moselabwärts gerudert und von andern, die flussaufwärts ‚gestakt‘ und ‚getreidelt‘, d. h. vom Schiffer mit der Bootsstande und von Schiffsknechten mit über die Schulter gelegtem straffem Seil zu Berg gezogen wurden. Auch von Vergnügungs- und Wettfahrten auf Moselkähnen singt er. Durch Altertumsfunde ist tatsächlich der Beweis erbracht, dass Tonwaren aus dem heutigen Südfrankreich, Produkte aus Südspanien, auserlesene Erzeugnisse aus Afrika, Griechenland und dem fernen Osten auf dem Wasserweg, vom Meer durch den Rhein und die Mosel nach Trier und Metz gelangt sind. Von Moselreisen Karls des Großen und anderer weltlicher und geistlicher Fürsten haben Chroniken erzählt; von der wissenschaftlichen Moselreise des Jahres 1575 durch den gelehrten Kartographen Ortelius haben wir berichtet; vom Marktschiff Trier-Sierck, das 1581, mit Tuch, Schuhen und anderen Sachen beladen, zu Grevenmacher festgehalten wurde, ist geschrieben. (…) Während

des ganzen Mittelalters fuhren ständig Salzschiffe auf der Mosel, welche das Trierer Land mit lothringischem Salz versorgten.

In früheren Zeiten ging der einzige Verkehr der Moselortschaften aufwärts von Grevenmacher untereinander über das Wasser, denn mit Ausnahme des Leinpfades gab es an dem Fluss keine Straßen, die Wege gingen über die Höhen. (…) Die Schroter in Grevenmacher hatten hauptsächlich die Ein- und Ausladungen der Schiffe zu besorgen. Am 16. Dezember 1839 machte das erste Dampfschiff von Metz nach Trier seine Jungfernfahrt unter den Willkommensgrüßen der dichten Menge von Schaulustigen, welche das Ufer umsäumten. (…) Schiffsleute wohnten allzeit in Grevenmacher. Nach heute sieht man auf dem ‚Stued‘ über zwei alten Haustüren das Zeichen der Schiffsleute eingemeißelt: ein mit Strick umwundener Anker und zwei gekreuzten Rudern.“ Folgt alsdann die Beschreibung eines Schiffes sowie des Lebens auf dem Schiff. Abschließend berichtet Hurt von der Verehrung des hl. Nikolaus als Patron der Schiffsleute: „Kein Nikolausbild am Ufer wurde übergangen, ohne den Hut zu ziehen.“ Hurt geht darauf ein, dass Lothringen vom 11. Jahrhundert an ein Zentrum der Nikolausverehrung war, und dass sich von dem berühmten Wallfahrtsort St-Nicolas-du-Port aus der Nikolauskult an der ganzen Mosel ausbreitete. Zum Schluss bemerkt er dann etwas wehmütig: „Später zog das Dampfschiff die Lastschiffe talaufwärts, das ging schneller und sicherer. Und heute sieht man weder Dampfschiff noch Lastschiff mehr auf der Mosel, kaum einige Fischernachen, die den einsamen Fluss noch beleben.“

Teil VI: 03.12.1987:

„1684-1698: Während der ersten französischen Herrschaft, nachdem Ludwig XIV. das Land erobert hatte, wurden die Ringmauern der kleinen Städte wie Bastnach, Diekirch, Bitburg, Echternach und Grevenmacher geschleift, um einen Widerstand derselben unmöglich zu machen,“ schreibt Hurt zu Beginn des fünften Kapitels (S. 229). Einige Seiten weiter heißt es dann: „Nach der Eroberung des Luxemburger Landes durch die Franzosen unter Ludwig XIV. wurde die Landrichterei Grevenmacher zum Hof Remich geschlagen; beide zusammen bildeten eine Propstei, und der königliche Rat Jean Mangin wurde 1685 zum ersten Propst ernannt.“ (S. 232).

Unter dem Datum des 28. September 1692 berichtet Hurt von einem Erdbeben in Grevenmacher.

WIEDER UNTER SPANIENS ZEPTER (1698-1714)

Im Jahre 1697 fallen die Niederlande mit Luxemburg an Spanien zurück. („Paix de Ryswick“). Da Luxemburg wieder unter spanische Herrschaft kam, erwarb Graf von Eiter, Gouverneur des Herzogtums, die Meierei Remich und die Landrichterei Grevenmacher pfandweise“, heißt es auf S. 266.

page38image1576687840

Unter der Jahreszahl 1698 weiß Hurt zu berichten, dass „die beiden Müller Niclass Waldbillig, Reissmüller und Johannes Klein, Schiffmüller, vom Stadtgericht bestraft werden, weil ihre Molterschüssel nicht recht gewesen.“ (Die Molterschüssel war ein kleines, hölzernes Messnäpfchen, das oben auf dem Mahltrichter stand. Der Müller hatte das Recht auf 1/6 des zu mahlenden Getreides bei Roggen und Weizen und auf 1/12 bei Hafer). (S. 273).

Zu den Auswanderungen im 18. Jahrhundert bemerkt Hurt u. a.: Besonders stark wurde die Auswanderung aus dem Moselgebiet im 18. Jahrhundert. Schon zu Anfang setzte der Strom ein, dessen Höhepunkt in den Jahren 1760-70 liegt. Die Gerüchte, dass es den Leuten in Ungarn gut gehe, (…) brachten den Strom zum weiteren Anschwellen. (…) Das Auswanderungslied, das damals in aller Munde war, endigte mit den Worten: ‚Wer jetzto zieht ins Ungarland, dem blüht die goldene Zeit‘.“ (S. 275).

Mit einer Bemerkung über die Grevenmacher Bruderschaften sowie über verschiedene Wallfahrten um 1700, („am St. Medardustag, dem 8. Juni, nach Trier; am Kreuzauffindungstag, dem 3. Mai, nach Gostingen; am Urbanustag, dem 25. Mai, nach Ehnen; am zweiten Pfingsttag nach Nittel auf den Berg,“) endet der erste Band des dritten Teils. (S. 277).

Teil III. 2. Band

Mit einem Beitrag über die Postverbindungen Brüssel-Luxemburg, Luxemburg- Diedenhofen, Luxemburg-Trier über Grevenmacher und Luxemburg-Longwy, die Philipp V. im Jahre 1701 regelte, beginnt der zweite Band des dritten Teils von Hurts umfassendem Geschichtswerk. Behalten wir nun folgende Aufzeichnung zurück: „Wegen der Hauptbenutzer der Post, der Kaufleute, wurden die Postlinien den Handelsstätten nach verlegt und anstatt wie früher den kürzeren Weg über Eifel und Hunsrück zu nehmen, nahmen sie die Richtung über Mosel, Trier und Luxemburg; so kam Grevenmacher an den Postweg und blieb an ihm so lange diese und spätere Postverbindungen bestanden.“ (S. 4).

Vom 18. Jahrhundert weiß Hurt zu berichten: „Das 18. Jahrhundert war für Grevenmacher äußerst unheilvoll. Der General Malborough (Malbrouck), der zu Sierck sein Lager aufgeschlagen hatte, überfiel das Städtchen im Jahre 1703, plünderte es und legte es in Asche. Kaum wieder aufgebaut, wurde es abermals im Jahre 1705 von einer Abteilung holländischer und bayerischer Truppen verheert und eingeäschert. (…) Auch der Kurfürst von Preußen benutzte die Gelegenheit, um aus dem Luxemburger Land Geld zu erpressen. Unter dem Vorwand, die Zahlung einer rückständigen Entschädigung für seine Truppen zu erzwingen, fielen preußische Truppen wieder ins Land ein und plünderten und brandschatzten mehrere Ortschaften, unter denen Grevenmacher sich befand.

Bald darauf (1713) kamen französische Truppen, die Remich, Grevenmacher und Wasserbillig besetzten.“ (S. 6).

Im Dezember 1703 stellte sich eine große Kälte ein. Die Mosel war damals, laut einer Trierer Chronik, die Hurt zitiert, so fest zugefroren, dass man mit dem Wagen über fahren konnte. (S. 12a). Sich auf Kentenich und seine Geschichte der Stadt Trier berufend, weiß Hurt von den Jahren 1706 bis 1709 folgendes zu berichten: „Die Jahre 1706 und 1707 waren außerordentlich fruchtbar und auch noch 1708 wuchs wenigstens ein guter Wein. Anfang 1709 setzte dann eine Kälte ein, wie man sie lange nicht erlebt hatte.“ (S. 21).

Die Jahreszahl 1708 ist auf dem heutigen Dechantenhaus in der Luxemburger Straße zu sehen.

Auf die aus Grevenmacher stammende Familie Thierry eingehend, schreibt Hurt unter der Jahreszahl 1712: „Die aus Grevenmacher stammende Familie Thierry wird in den Adelsstand erhoben in der Person des Bartholomäus Thierry, der aus Grevenmacher stammte und Rat des Maximilian-Emmanuel von Bayern war. Das herrschaftliche Haus dieser Familie Thierry befand sich an der Stelle des heutigen Marktplatzes; 1837 wurde es von der Gemeinde angekauft, die es abtragen ließ und dort den Marktplatz anlegte.“ (S. 32). Dann kommt Hurt auf die hervorragenden Persönlichkeiten aus dieser Familie zu sprechen: Johann Thierry (1540, Grevenmacher, bis 1610, Trier), Jesuit und Professor an der Universität Trier; Jean-Nicolas Thierry (1783-1825), in Diensten der französischen Armee; Ferdinand de Thierry (1812-1880), in Diensten der belgischen Armee; Jean Nicolas de Thierry (1815-1894), auch in Diensten der belgischen Armee; Anna (auch Anne-Marie de Thierry, „eine sehr tüchtige und anerkannte Lehrerin in ihrer Vaterstadt, die in dem Hause oberhalb Govers wohnte.“ (Leider sind die angegebenen Daten nirgendwo belegt, sodass deren Überprüfung schwierig ist.)

Unter der Jahreszahl 1713 schreibt Hurt vom Grevenmacher Kirchhof: „Der Kirchhof befand sich vor dem Stadtgraben oberhalb der Stadt zur Seite der heutigen Katharinenstraße, wo das weiße Kreuz steht, dieses bildet das letzte Erinnerungszeichen daran. (…) Der erste Kirchhof lag um die alte Pfarrkirche herum, welche vor 1782 anders gerichtet war: Sie lag quer zu der heutigen, also parallel zur Mosel, das Chor moselaufwärts gewandt. Vom Stadtturm und von dem umliegenden Häuserblock war der Kirchhof nur durch einen schmalen Durchgang getrennt, und nach Knochenfunden zu urteilen, welche bei Ausschachtungsarbeiten für die Wasserleitung gemacht wurden, reichte der damalige Friedhof weit in die heutige Straße hinein. (…) Auf ihm fanden nur die gewöhnlichen, ärmeren Einwohner ihre letzte Ruhestätte, die besseren, reicheren Bürger wurden in der Kirche selbst bestattet, vor den Altären die Geistlichen und sonst wo in derselben die wohlhabenden Familien. (…) Wann der Kirchhof von hier aus vor die Stadt verlegt wurde, ist nirgends zu erfahren.

(…) Alles deutet darauf hin, dass (…) nach dem Neubau der Pfarrkirche von 1782 der Kirchhof nochmals außerhalb der Stadt, diesmal aber definitiv, verlegt wurde, und zwar an den Fuß des Kreuzerberges, wo er sich noch heute befindet.“ (S. 37/38).

DAS GOLDENE ZEITALTER
UNTER ÖSTERREICHISCHER HERRSCHAFT (1714-1795)

„Wenn die Zeit vom Vertrag zu Utrecht bis zum Beginn der Französischen Revolution allgemein als eine glückliche bezeichnet wird, so bezieht sich das vor allem auf den Umstand, dass Friede herrschte“, bemerkt Hurt eingangs dieses Kapitels. (S. 42). „Grevenmacher atmete wieder auf und gelangte allmählich zu einem gewissen Wohlstand. Da ballten sich gegen Ende des Jahrhunderts am politischen Horizont jene düsteren Gewitterwolken zusammen, welche ganz Europa mit Schrecken und furchterregenden V orahnungen erfüllten: die Französische Revolution“, heißt es weiter. Und auf S. 44 schreibt Hurt: „Von den Jahren der österreichischen Herrschaft und von den Herrschern dieser Periode war gewiss die Regierung der Kaiserin Maria Theresia für unser Land die glücklichste. Von diesem Zeitpunkt bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfreute sich Grevenmacher der Segnungen des Friedens.“

Am 28. April 1715 wurde nach Hurt ein Vertrag zwischen einem gewissen M. Giell, Bürgermeister von Grevenmacher, und Johann Nagel, Steinmetz aus Rosport, betreffend (detaillierte) Reparatur am Kirchturm, am Stadthaus und am Marktkreuz unterschrieben. (S. 47).

Unter der Jahreszahl 1730 berichtet Hurt: „In diesem Jahr bat der Richter Johann Pieron von Grevenmacher die Brüsseler Regierung um ein Patent für die Errichtung von Kalköfen an beiden Seiten der Mosel bei seiner Heimatstadt für die Dauer von 50 Jahren. Früher hatten fremde Brenner an den Ufern dieses Flusses große Mengen Kalk gebrannt und an den luxemburgischen Wäldern Raubbau getrieben. Seit längerer Zeit bezogen die Luxemburger den Kalk ausschließlich aus Lothringen und Kurtrier.“ (S. 78a).

Mit mehreren Karten der Landrichterei Grevenmacher wartet der Schreiber in diesem dritten Teil auf; so auf S. 57 eine Karte von J. B. Homann aus dem Jahre 1720, auf S. 87 eine Karte von Hubert Jaillot aus dem Jahre 1736 und auf S. 218 die bekannte „ferrarische Karte“ aus dem Jahre 1778. (Grevenmacher besitzt einen Nachdruck dieser Karten aus dem Jahre 1965.)

Am 23. Januar 1738 wurde ein Postwagendienst zwischen Trier und Luxemburg mit einem sechssitzigen Wagen eröffnet. Der Fahrpreis betrug 50 sols (sous?) Für die Landkutsche von Luxemburg nach Grevenmacher bezahlte man damals 160 centimes und von Grevenmacher nach Trier 1 Franken. (S. 92).

Mit den Rechten des Propstes von Grevenmacher befasst sich Hurt in einer längeren Abhandlung ab S. 95a. Darin hält er fest, dass die Propstei Grevenmacher um 1740 die Ortschaften Ahn mit Wormeldingen, Ehnen, Lenningen, Canach, Beyren, Gostingen, Mesenich, Temmels, Fellerich, Tavern, Omsdorf, Kölich sowie verschiedene Höfe und einige Ortschaften, die zwischen zwei Propsteien aufgeteilt waren, umfasste.

„30. April 1747: Das Taufregister der Pfarrei meldet die Geburt des Mathias Schu (Schou), der als ‚de blannen Theis‘ in unser Volksleben und unsere heimische Literatur eingegangen ist“, schreibt Hurt auf S. 114 und geht dann auf die legendäre Gestalt ein, die längere Zeit irrtümlicherweise unter dem Namen Mathias Gelhausen geführt wurde.

Um das Johanniskreuz, das an der Stelle der alten Kapelle Sankt Johann errichtet wurde, geht es unter der Jahreszahl 1747. Hurt schreibt u. a.: „Um diesen Ort, an dem früher ein Johannesmarkt mit Volksfest und Tanz sowie die alten Volksgebräuche des Johannisfeuers und –tanzes stattfanden, sollen noch heute der Sage nach die Hexen zusammenkommen. (…) Lange noch wurde dieser Ort als Wallfahrtsort besucht, und am Feste des heiligen Johannes sah man noch bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts Leute dorthin beten und gehen am Kreuz Kerzen brennen.“ (S. 119).

Von einer Kirchenvisitation in Grevenmacher durch den Trierer Weihbischof Joh. Nic. von Hontheim weiß Hurt unter der Jahreszahl 1755 zu berichten. Diese Visitation fand am 18. August 1755 statt. „Grevenmacher zählt 800 Kommunikanten und besteht aus den Ortschaften Grevenmacher und Münschecker; dazu gehören die Höfe Bockholtz (Buchholtz) und Froney (Fronay). Kirchenpatron ist der heilige Laurentius, Märtyrer. Weltlicher Herr ist Frau Dewigne von Wecker. Das Patronatsrecht gehört der Äbtissin von Clairefontaine in allen Monaten. Der Pfarrer heißt Joh. Nik. Mathieu aus der Diözese Trier und steht der Pfarrei seit drei Jahren vor. Der approbierte Vikar heißt Mathias Harst (= Harsch). Es wohnt dort noch ein Priester namens Jacobi. Von der Schule wird gesagt, dass die Kinder nicht nach Geschlechtern getrennt sitzen.“ (S. 142).

Interessant in diesem letzten Band des dritten Teiles ist ebenfalls eine mehrseitige Aufstellung unter der Bezeichnung: „Kataster Maria Theresia in Grevenmacher, (1767).“ Leider ist es unmöglich, auf diese detaillierte Aufstellung (ab S. 172a) einzugehen. Hurt bemerkt dazu: „Die Aufstellung dieses Katasters war vielleicht die größte Wohltat, die unser Land der österreichischen Herrschaft verdankt; durch diese Arbeit wurde eine gerechte Verteilung der Steuern möglich, so dass die Lage der arbeitenden Klasse merklich verbessert wurde, zumal da die Steuerfreiheit des Adels und derGeistlichkeit aufgehoben wurde.“

Im Jahre 1771 waren 206 Häuser in Grevenmacher.

Von 1776 bis 1782 wurde die jetzige Grevenmacher Dekanatskirche gebaut. Hierzu schreit Hurt auf S. 205/206: „Die Pfarrkirche St. Laurentius wurde 1782 durch die Abtei Clairefontaine erbaut und zwar an den ehemaligen Stadt- und Wachtturm. Als Kirchentürme verwendete alte Wehrtürme sind für die Moselgegend charakteristisch, so findet man es auch in Remich, Remerschen, Schwebsingen, Ehnen. Die Kirche selbst war ein schlichter Saalbau. Bei dem großen Stadtbrand von 1822 verbrannte der Spitzhelm des Turmes. Erst 1825 wurden die Fenster und Schalllöcher des Turmes gebrochen.“

Unter der Jahreszahl 1780 befasst sich Hurt mit den beiden Spielkartenfabriken, die in Grevenmacher bestanden, „wovon die interessanteste wohl die Spielkartenfabrik war, die während verschiedener Generationen im Hause Dieudonné ihren Stammsitz hatte.“ (S. 223).

Von 1782 heißt es: „Auf St. Martin werden die Trauben im Schnee geerntet, der Wein wird sehr sauer“, (S. 223), derweil im Jahre 1784 eine große Überschwemmung durch die Wasser der Mosel zu verzeichnen war.

GREVENMACHER
IN DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION (1792-1804)

Im letzten Kapitel seines Werkes hält Hurt eine ganze Reihe von Notizen in Bezug auf die Französische Revolution in Luxemburg fest.

Am 24. August 1792 weilte Goethe in Grevenmacher. Am 21. Oktober desselben Jahres soll der deutsche Dichter auf seiner Rückreise (aus Frankreich) ein zweites Mal durch Grevenmacher gezogen sein. „Wilhelm Birong besaß ein altes Lexikon aus dem Besitz Goethes mit dessen Namenszug, das dieser 1792 in Grevenmacher liegengelassen oder verloren hatte“, schreibt Hurt auf S. 270.

Am 7. August 1794 rücken die Franzosen in Grevenmacher ein. Diesbezüglich hält Hurt fest: „Die republikanischen Sansculotten traten dem Städtchen gegenüber ganz schonungslos auf. Nachdem sie die St.-Johanniskapelle geschändet, geplündert und abgebrochen hatten, plünderten sie ebenfalls die Kreuzkapelle. Als sie an der Pfarrkirche angekommen waren und nichts fanden, um ihre Raubgier zu befriedigen, weil man sich beeilt hatte, alle Kostbarkeiten derselben in Sicherheit zu bringen, nahmen sie die Glocken vom Turme herab und schmolzen dieselben.“ (S. 279). Auf den folgenden Seiten sind es weitere Notizen über die Auswirkungen der Französischen Revolution im Moselstädtchen. Hurt beruft sich dabei z. T. auf Knaffs „Geschichtliche Abhandlung über die Stadt und ehemalige Festung Grevenmacher.“ (1867).

Mit der Jahreszahl 1796 geht Hurt auf die Gründung der Apotheke in Grevenmacher ein. „Sie wurde gegründet von Peter Josef Kons, stammend aus Andernach“, schreibt der Autor. (S. 286). Erwähnen wir an dieser Stelle, dass Frantz Heldenstein, (* in Luxemburg am 1.2.1820), von 1848 bis 1860 Apotheker in Grevenmacher war.

Den Schlussspruch und die Bitte Hurts am Schluss der dritten Bandes seines Geschichtswerkes über seine Heimatstadt möchten wir an dieser Stelle abdrucken:

Nahet eins die letzte Stunde,

ruhet aus mein Wanderstab, bitt‘ ich euch aus Herzensgrunde: ‚In der Heimat sei mein Grab‘.

Von der Höhe in das Tal Grüß‘ ich dann zum letzten Mal: Treu dir war ich bis zum Tod! Tal der Heimat, schirm‘ dich Gott!

(nach G. Walde)

Sein Wunsch wurde erfüllt. Der bedeutende Sohn der Stadt Grevenmacher, der am 25. März 1962 fast 70jährig das Zeitliche segnete, liegt begraben auf dem Grevenmacher Friedhof, am Fuß des Wahrzeichens der Moselstädtchens, der uralten Kreuzkapelle. Sein Werk jedoch, die umfassende „Kartular-Chronik“ um „einer Moselstadt geschichtliches Werden und Wachsen von den Anfängen bis 1800“, ein Werk, das Wohl Lücken aufweist und von einem Fachmann gründlich überarbeitet werden müsste, sollte es einmal druckreif gemacht werden, ist seiner Vaterstadt erhalten geblieben. Es war uns eine Sorge, vielleicht auch eine Pflicht, dieses wertvolle, einmalige Dokument um 25. Todesjahr von Pfarrer Joseph Hurt (1987) der Öffentlichkeit vorzustellen und so Zeugnis abzulegen vom unermüdlichen Schaffen eines fleißigen Forschers, dem die Geschichte und die Geschicke der Moselortschaft im Wandel der Jahrhunderte sehr am Herzen lagen… (Monique Hermes)

Die sechs Bände umfassende Kartular-Chronik von Jos. Hurt (Foto: Archiv Jean Welter).

page44image1584709088

%s

Vous devez être connecté pour poster un commentaire.