Freiheit Kunstwerk

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An d’Gemengenarchive geluusst (XXXVIII)

Ein Kunstwerk erzählt Geschichte

Die farbenfrohe Darstellung, die hier abgebildet ist (1), wurde im Jahr 2001 von der Grevenmacher Kunstprofessorin und Künstlerin Lis Neu-Paulus entworfen. Daraus entstand das Werbematerial für “Maacher Fräiheet 2002” (2). Die markante Zeichnung lebte erneut auf beim “Gréiwemaacher Gaassefest”, am 11. Juni 2016 (3).

Das Original, entworfen von Lis Neu-Paulus, für „Maacher Fräiheet 2002“.

Auf der Originalzeichnung (1) ist der Luxemburger Graf Heinrich V., genannt „der Blonde”, auf seinem Pferd zu sehen. Er schenkte Grevenmacher im Jahr 1252 die Freiheit. Deshalb hält er eine Charta in der Hand. Die Siegel des Grafen sind am Dokument befestigt. Auf dem Schild, das er vor sich trägt, ist sein Reitersiegel mit dem „roude Léiw“ abgebildet.

Drei markante Pfeile deuten auf den „Befreier“, auf den Brief und nicht zuletzt auf Grevenmacher hin. Unschwer erkennt man auf dem Bild den wuchtigen Wehr- und Wachtturm, der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts unser Kirchturm ist. Neben dem Turm scheint die Sonne. Sie weist auf die Wichtigkeit des Freiheitsbriefes für unsere Moselortschaft hin.

Auf dem Werbematerial für „Maacher Fräiheet 2002“ (2) – und demnach für das 750-jährige Jubiläum des Freiheitsbriefes – ist Graf Heinrich der Blonde

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umgeben von einer Reihe von Persönlichkeiten die im Wesen und Werden von Grevenmacher eine Rolle spielten.

Das Werbematerial für 750 Jahre Freiheitsbrief, gefeiert im Juni 2002.

Man erkennt den bekannten Maler, Schriftsteller und Weltenbummler Frantz Seimetz mit seiner Palette sowie den „Blannen Theis“ (Mathias Schou) mit seiner Geige. Auch der deutsche Dichterfürst Goethe, der zweimal in Grevenmacher weilte, ist abgebildet.

Des Weiteren beleben bekannte Sagengestalten die Szene: Der Teufel, der einst auf dem „Groesteen“ wild herumtanzte, der Moselhund, der als Kinderschreck galt, das gefürchtete „Longkaulemännchen“ mit Flinte und Grenzstein in den Händen sowie das etwas mysteriöse „Felsefrächen“. Unter einer Brücke, auf welcher eine Katze tanzt – oder ist es gar eine Katzenhexe? – sitzt der geheimnisvolle Nieser, über ihm winkt ein Zwerg – er gehört zum „Zwergevollek um Groesteen“. Das glühende Pferd, das einst zwischen Grevenmacher und Mertert gesichtet wurde, überfliegt das Ganze.

Dann sind wir beim rezenten „Gaassefest“ (3). Weil die talentierte Grevenmacher Künstlerin erneut ihr Kunstwerk zur Verfügung stellte, wurde das Szenario für die Ankündigung des bunten Treibens in den heimeligen Gassen von Alt-Grevenmacher beibehalten. Lediglich der Herrscher trägt nun einen anderen Namen. Es handelt sich um Herzog Wenzel I., der „Graf(f)enmachern“ – so hieß das Städtchen damals – im Jahre 1357 einen

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Wochenmarkt erlaubte. Und das Recht, ein eigenes Siegel zu haben, um wichtige Schriftstücke damit zu stempeln.

Die Anzeige in der „Muselzeidung“ für das „Gréiwemaacher Gaassefest 2016“.

Die Urkunde, die der Herzog zeigt, ist demnach das Marktrecht. Auch dieses besondere Vorrecht trug viel zur Entwicklung des Moselstädtchens bei, das damals von einer schützenden Festungsmauer umgeben war.

Freiheitsbrief, Marktrecht, Siegelrecht und Befestigung bewirkten, dass Grevenmacher im 14. Jahrhundert ebenfalls Stadtrechte erhielt, mit Sitz und Stimme in der Ständeversammlung des damaligen Herzogtums. Und dieses Stadtrecht hat die Moselmetropole bis heute.

Das alles kann man aus dem Kunstwerk „herauslesen“, das für „Maacher Fräiheet 2002“ geschaffen wurde. Von einer hiesigen Kunstprofessorin, auf die wir zu Recht stolz sein dürfen. Wie auf so viele Grevenmacher Bürgerinnen und Bürger. Und nicht zuletzt auch auf die geschichtsträchtige Vergangenheit unseres Städtchens, die zuweilen in die Gegenwart hineingreift, damit wirZukunft gestalten können…

Monique Hermes

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