Festkantat II

An d’Gemengenarchive geluusst (XXXII)

Die Grevenmacher Festkantate und ihr Ursprung (II)

Mit dem Ursprung der Grevenmacher Festkantate haben wir uns bereits einmal in dieser Rubrik befasst. Festgehalten wurde, dass sie in ihrer damaligen Version uraufgeführt wurde von der „Zentral vum Gesank“ (genannt „Schmiereklub“, weil die Mitglieder um P(o)utty Stein in verschiedenen Lokalen regelmäßig ihre „Kéisschmieren“ aßen, wie Will Reuland erläutert), bei der Gründung der Grevenmacher Sektion dieses Clubs, Ende 1929.

Wer waren der Autor, bzw. der Komponist der Festkantate und wie und wann kam es zur heutigen Form?

Der Autor, P(o)utty Stein (1888-1955), hatte Grevenmacher Wurzeln. Sein Vater, Ludwig Bernard Stein (1851-1907), war im Moselstädtchen geboren. Poutty Stein, der von 1912 bis 1920 in der luxemburgischen Forstverwaltung tätig war und von 1920 bis 1955 als Beamter bei der ARBED wirkte, gilt als Vater des Luxemburger Chansons. „Seine Vorbilder waren das französischeKabarett vom Pariser Montmartre und das Münchener Überbrettl“, heißt es im Luxemburger Autorenlexikon. Und weiter: „Gemeinsam mit Peter Faber gestaltete er Kabarett-Abende im Casino und (sie) gründeten 1926 die Kantatenfabrik Faberstein, die 1931 in Manufacture Nationale des Cantates, kurz MANACA, umbenannt wurde.“ Heben wir hervor, dass Poutty Stein über 200 ,oft respektlose, satirische und antiklerikale‘ Lieder verfasst hat, in welchen er „der luxemburgischen kleinbürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vor“ hielt.

Die Aufführung der Festkantate 1952, während der 700-Jahrfeier der Stadt Grevenmacher. (Foto: Sterba, Gemeindearchiv Grevenmacher)

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Damit wären wir beim „zweiten Mann“ der Festkantate, dem Komponisten Peter Faber (1900-1975), der Poutty Stein als Beamter bei der ARBED- Vertriebsgesellschaft COLUMETA kennen lernte und dessen „Vorliebe zum Chanson teilte“. (Luxemburger Autorenlexikon). Auf die gemeinsamen Aktivitäten des Duos Stein-Faber, genannt „Die Straßensänger“, haben wir bereits hingewiesen. Im Luxemburger Autorenlexikon erfahren wir weiter: Peter Faber, der ebenfalls bekannte Pfadfinderlieder schrieb, Musikkritiker der Luxemburger Zeitung war und 1961 Mitglied, später Vizepräsident, des Institut grand-ducal, Section de linguistique, de folklore et de toponymie wurde, (wo er wohl auf Will Reuland traf) und zudem von 1964 bis zu seinem Tod 1975 Mitglied der Wörterbuchkommission war, ebenfalls zusammen mit Will Reuland, vertonte viele Texte von Poutty Stein, so z. B. die Festkantate ‚Gre’vemacher‘“, was so manches erklärt.

Und wie erhielt die Grevenmacher Festkantate ihre heutige Form? Auch da weiß Will Reuland im Beitrag „Die Festkantate von Grevenmacher“ in der Broschüre „Chorale Municipale Grevenmacher 1848-1973“ die Antwort. Nachdem er ausführlich über das Entstehen der Kantate berichtet hat, schreibt er: „Einige Jahre später wurde der Text der Festkantate auf Betreiben des Bürgermeisters Victor Prost geändert und erhielt ihre heutige Form.“

Jetzt muss man unbedingt erwähnen, dass Victor Prost (1891-1959) von 1929 bis zu seinem plötzlichen Tod 1959 als Bürgermeister im Moselstädtchen wirkte und nicht nur um das Wohl der Bürger sehr bemüht war sondern sich auch intensiv für Kunst und Kultur einsetzte. Die Festkantate „Gre’vemacher“, die im lokalen Gemeindearchiv aufbewahrt wird – mit dem Vermerk „Copyright 1951 by P. Faber, Luxembourg“ – dürfte also auf Bestreben des damaligen Gemeindevaters und für die 700-Jahrfeier des Moselstädtchens entstanden sein.

Sozusagen als Gebet mutet der Schluss unserer Festkantate (in der jetzigen Schreibweise) an. Und dabei mag Abbé Jos. Hurt (1892-1962) seine Hände im Spiel gehabt haben…

Heelge Sankt Lorenz, grousse Patréiner, Hal du den Daum a leet hiert Geschéck! Maach Gréiwemaacher ëmmer nach schéiner, Hinnen zum Wuel, dem Land zum Gléck!

Monique Hermes

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