Eisenbahn 1891

An d’Gemengenarchive geluusst (XXXV)

1891 in Grevenmacher:
Die Eisenbahn ist endlich da!

Vom 24. November 1891 bis zum 22. Mai 1954 verkehrte ein Zug auf dem 6,16 km langen, eingleisigen Streckenabschnitt Wasserbillig-Grevenmacher.
Offiziell eingeweiht wurden sowohl die Bahnstrecke
als auch das Bahnhofsgebäude von Grevenmacher
am 24. November 1891.
Ein Schienenersatzverkehr funktionierte vom 23. Mai 1954 an.
Am 4. März 1963 verlagerte man auch den Güterverkehr auf die Straße. 1970 wurde das Bahnhofsgebäude abgetragen.
Seit „Maacher Oart“ 2016 erinnert am „Schweinsmoart“ eine Tafel an Bahn und Bahnhof.

Die Hauptfassade des Bahnhofs von Grevenmacher auf dem Plan.

Als in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts die ersten Eisenbahnen in unserem Land gebaut wurden, war die Linie Luxemburg-Trier ursprünglich als „Moselbahn“ über Grevenmacher geplant. Die Strecke sollte von Oetringen über Moutfort, Canach, Lenningen, Ehnen, Wormeldingen, Ahn, Machtum und Grevenmacher nach Wasserbillig und Trier führen.

Diese Strecke war abgemessen, die Pläne lagen fix und fertig da, selbst die Vorarbeiten hatten schon begonnen, als alles in die Brüche ging. Wegen einer heftigen Kontroverse wurde der vorgesehene Streckenverlauf schließlich im Jahre 1860 überraschend abgeändert, obwohl die Schienen teilweise bereits bis nach Canach gelegt waren.

In einem sehr aufschlussreichen Vortrag mit dem Titel „Mam Zuch op Éinen? Ein kontroversiertes Projekt von 1859“, wies der Ökonom und Ehrenbürgermeister von Schüttringen, Dony Calmes, am 21. Oktober 2014 im Centre Mosellan in Ehnen auch auf den Druck hin, den damals „mehrere Industrielle aus dem Syrtal und einige Großwinzer aus Ehnen“ ausübten, bis die

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Strecke schließlich abgeändert wurde und durch das Syrtal führte. Deshalb sollte Grevenmacher seine Bahn erst drei Jahrzehnte später erhalten.

In einem Schreiben vom 11. Dezember 1875 hatten die Grevenmacher Gemeindeverantwortlichen die Mitglieder der Abgeordnetenkammer, dieses Fiasko zum Anlass nehmend, für das schnelle Errichten einer Moselbrücke plädiert, „servant à relier Grevenmacher avec la nouvelle ligne ferrée que la Prusse est en ce moment occupée à établir sur la rive droite de la Moselle.“ Die Brücke wurde 1880/81 gebaut und 1882 dem Verkehr übergeben. Auf die Eisenbahn musste man im Moselstädtchen immer noch zehn Jahre warten.

Als der Streckenabschnitt Wasserbillig-Grevenmacher der Prinz-Heinrich-Bahn schließlich gebaut wurde, war der Bau eines Bahnhofs in Grevenmacher wohl eine Selbstverständlichkeit. Die in der Obermosel-Zeitung vom 20. Februar 1891 veröffentlichte Ausschreibung für das Bahnhofsgebäude samt Warenhalle sowie für den Bahnsteig lautete folgendermaßen: „16.300 frs + 5.400 frs.“ Den Zuschlag erhielt am 23. März 1891 „der hiesige Maurer Peter Theves- Federspiel zu 6 pCt. unter dem Kostenanschlag“ (Obermosel-Zeitung vom 24. März 1891).

Historische „Jungfernfahrt“ am 9. Juli 1891

Erstmals kam dann am 9. Juli 1891 „um halb 4 Uhr der Dampfwagen von Wasserbillig bis auf den hiesigen Bahnhof gefahren“, und zwar die Lokomotive, drei „Balastwagen“ (Arbeitswagen) und ein Personenwagen, mit wichtigen Ehrengästen an Bord, unter ihnen der „Bautenminister“ Thorn und der „Kammerdeputierte“ Bech. „Der Gemeinderat war dem Zuge bis ausgangs des Ortes entgegen gegangen. Der Herr Bürgermeister (Théodore Waldbillig, „Lampesch Ditt“ genannt), feierte mit einigen Worten das Ereignis, wodurch der 30jährige Wunsch der Bevölkerung endlich in Erfüllung gehe (…).“

Mit einem freudigen „Hurrah“ begrüßte man am 24. November 1891 in der Obermosel-Zeitung die Eisenbahn in Grevenmacher.

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Am neuen Bahnhof, der allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war, wurde der Zug von der „in Menge herbeigeströmten Bevölkerung“ empfangen, derweil Stadtmusik und Gesangverein mit einem Ständchen aufwarteten. Bis der reguläre Betrieb aufgenommen wurde, sollte es allerdings noch eine Weile dauern.

Am 25. September 1891 konnte man in der Obermosel-Zeitung lesen: „Unser neues Stationsgebäude geht seiner Vollendung entgegen“, derweil am 9. Oktober 1891 darüber berichtet wurde, dass man dabei sei, den Schienenweg der neuen Bahn bis zur Moselbrücke zu verlängern, (via „Stoder Garten“ und an der Moselpromenade entlang). Hier werde auch ein Bahnsteig eingerichtet, hieß es. (Später wurde dieser Schienenweg in Richtung „Schaffmill“ verlängert, bis zuden Sinterwerken der Firma Govers und, in deren Folge, der Firma Chaudolux, zwecks Abtransport des im nahen Steinbruch gewonnen Dolomits.)

Das „Juwel der Bijoubahn“ ist Wirklichkeit.

Ein Feiertag für Grevenmacher

Ebenfalls in der Obermosel-Zeitung „begrüßte“ am 13. November 1891 ein gewisser B. Z. in einem 13 Strophen langen, recht spaßigen Gedicht die Grevenmacher Eisenbahn mit folgenden Worten:

„Dir Bierger vu Maacher, séngt: „Heissa, juchhei!“ Weil hu mer dach entelech d’Eisebunn hei!“

Weiter heißt es in der fünften Strophe:

„Elo kënne mer is Kalksteen verwandlen a Gold An domat bezuelen all is Gemeeneschold.“

Nach der Abnahme der neuen Bahn am 16. November 1891, stand am 24. November 1891 für Grevenmacher ein besonderer Feiertag ins Haus: Die 6,16 km lange, eingleisige Eisenbahnstrecke Wasserbillig-Grevenmacher wurde eingeweiht, allerdings ohne den eingeladenen Großherzog Adolf, der kurzfristig wegen einer Erkältung abgesagt hatte. In einem Telegramm an den

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Bürgermeister von Grevenmacher wünschte der Landesfürst, „dass die neue Eisenbahn zum Gedeihen und Aufblühen der Stadt und Ihrer arbeitsamen Bevölkerung gereichen werde.“

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Blick von Wellen aus auf Grevenmacher – mit Bahnhof im Vordergrund.

Bei prachtvollem Winterwetter fand die Einweihung statt. Von Luxemburg war ein Spezialzug, „aus mehreren Salonwagen und Wagen der ersten Klasse bestehend“, mit den Ehrengästen, unter ihnen Staatsminister Eyschen und Generaldirektor Thorn, Minister der öffentlichen Arbeiten, gekommen. Zahlreiche Ansprachen wurden gehalten, und im großen Saal des Stadthauses lud man zum Bankett ein. Das lesen wir in einer mehrseitigen Sonderbeilage in der Obermosel-Zeitung vom 24. November 1891.

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Der Plan der „Station de Grevenmacher“ und des Anschlussgleises.

In dieser Sonderbeilage geht es im Abschnitt „Die Bahn“ um den nun mehr fertigen, schmucken Bahnhof von Grevenmacher:
„Le clou de la pièce, das Juwel dieser Bijoubahn, bildet aber der Bahnhof Grevenmacher, dessen Lage unstreitig die schönste im ganzen Land ist. Alle Herren waren darüber einig, dass kein Bahnhof einen so ungezwungenen, natürlichen, unbehinderten, prachtvoll situierten Zugang hat. Wenn man von der Station nach der Stadt schreitet, glaubt man eines jener breiten herrlichenBoulevards von Paris vor sich zu haben.“

Der V ollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass sich im neuen Bahnhofsgebäude im Erdgeschoss ein Büro, ein Fahrkartenschalter, ein Wartesaal 1. und 2. Klasse sowie ein – größerer – Wartesaal 3. Klasse befanden. Im ersten Stockwerk war eine geräumige Wohnung für den Bahnhofsvorsteher vorgesehen. Eine Güterhalle mit Lagerraum und Rampe war an das Gebäude angebaut.

Bald fährt der Zug vom Bahnhof Grevenmacher ab – um 1910. Für einige „Sous“ nach Mertert und Wasserbillig

In der Obermosel-Zeitung war ebenfalls der Fahrplan der neuen Bahn veröffentlicht worden, der ab dem 25. November 1891, Datum der Aufnahme des regulären Zugverkehrs, Gültigkeit hatte. Der Zug verkehrte nun fünfmal täglich zwischen Wasserbillig und Grevenmacher und ebenso oft zwischen Grevenmacher und Wasserbillig. Damit war eine durchgehende Bahnverbindung an Mosel und Sauer entlang von Grevenmacher über Wasserbillig, Echternach und Diekirch bis nach Ettelbrück entstanden.

Nur wenige Tage später, am 27. November 1891, bekam man auch Einsicht in die Fahrpreise. Diese betrugen: „Ab Grevenmacher nach Mertert, einfach Billet 1. 2. 3. Klasse 8, 6 oder 4 Sous, retour Billet 1. 2. 3. Klasse 10, 7 oder 5 Sous. Ab Grevenmacher nach Wasserbillig, einfach Billet 1. 2. 3. Klasse 12, 8 oder 6 Sous, retour Billet 1. 2. 3. Klasse 15, 10 oder 7 Sous.“

Da nun die Eisenbahn funktionierte, fuhr die Postkutsche von Grevenmacher nach Mertert am 30. November 1891 ein letztes Mal. (Die Fahrten, nach Echternach, z. T. über Manternach, wurden jedoch erst am 8. September 1923 eingestellt.)

Auch wenn es zeitweilig kleine Unstimmigkeiten gab, etwa betreffend nicht aufeinander abgestimmte Ankunftszeiten des Zuges aus Luxemburg in

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Wasserbillig und Abfahrtszeiten der Prinz-Heinrich-Bahn nach Grevenmacher (vom „Prënz“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus), so war man sich doch einig darüber, dass diese Eisenbahn viel zur Attraktivität des Moselstädtchens beitrug.

Güterwagen vor der Kellerei Bernard-Massard.

„Déi Bunn mécht is glécklech, dat wäert der gesinn;
Si erhieft all Commerce, bréngt vill Frimmer heihin“, besagt die zweite Strophe des bereits zitierten Gedichtes.

Und die letzte Strophe lautet:

„Héich sollen s’all liewen, vill Jor nach derno, Séid lësteg, dir Bierger, weil d’Eisebunn ass do.“

Viel bliebe zu berichten über das immerhin mehr als 60-jährige Wesen und Werden der Bahnstrecke Wasserbillig-Grevenmacher. Im Rahmen der Moselkanalisierung musste die Bahn schließlich Anfang der 60er Jahre dem Hafen von Mertert Platz machen. Lediglich die Rangiergleise dieses Hafens blieben bis zum Ortseingang von Grevenmacher bestehen und erlaubten es, dass auch nach 1954 zuweilen noch Personenzüge bis nach Grevenmacher fuhren.

Im März 1963 war auch der verbleibende Güterverkehr auf die Straße verlagert worden. Der schmucke Bahnhof von Grevenmacher wurde schließlich 1970 abgetragen, um dem 1977 eröffneten Sport- und Kulturzentrum am „Schweinsmoart“ Platz zu machen.

Eine Plakette zur Erinnerung

Heute erinnern die „rue de la Gare“ zwischen „Schweinsmoart“ und Postgebäude sowie einige alte Postkarten und Fotos an das „Juwel der Bijoubahn“ und an die etwa mehr als 6 km langen Eisenbahnstrecke Wasserbillig-Grevenmacher.

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Der Bahnhof von Grevenmacher stand am heutigen „Schweinsmoart“.

Fast auf den Tag genau 125 Jahre nachdem der Zuschlag für den Bau des „Stationsgebäudes nebst Güterschuppen“ vergeben wurde – das war am 23. März 1891 – wird am 24. März 2016 am „Schweinsmoart“ eine Erinnerungsplakette an diese Strecke und den Bahnhof Grevenmacher der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese Plakette soll auch davon zeugen, dass Bahn und Bahnhof einst nicht nur das Ortsbild von Grevenmacher prägten, sondern auch wesentlich zum wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung der Moselmetropole beitrugen.

Zusammenstellung: Monique Hermes

Fotos: Foto-Club „Flash“ Grevenmacher, Privatarchiv Jean-Pierre Steffen, Gemeindearchiv Grevenmacher.

Quellen:

  • –  Diverse Ausgaben der Obermosel-Zeitung vom 20. Februar bis zum 29. Dezember

    1891 (Archiv Jean Welter).

  • –  1859-1984: 125 Joër Lëtzebuerger Eisebunnen – Bahnhöfe und Haltepunkte der

    Luxemburger Eisenbahnen.

  • –  Ed Federmeyer: Eisenbahnen in Luxemburg, Band 1.
  • –  Norbert Konter: Der lange Weg des Eisenbahnanschlusses der Distriktshauptstadt

    Grevenmacher am 16.11.1891 und das definitive Aus am 23.5.1954, in „Club Sportif

    Grevenmacher – 100 Joer Fussball zu Maacher 1909-2009).

  • –  „Mam Zuch op Éinen? Ein kontroversiertes Projekt von 1859“: Ankündigung des

    Vortrags von Dony Calmes, am 21. Oktober 2014 in Ehnen, im Rahmen des Konferenzzyklus „Wou d’Rief laanscht d’Musel“.

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