De Blannen Theis

An d’Gemengenarchive geluusst (XXII) Dem „Blannen Theis“ auf der Spur

„Ech hu fir jiddereen eng Weis, gestëmmt ass ëmmerfort meng Gei. Juchhei! Ech sinn de blannen Theis!“

So schreibt einer unserer Nationaldichter, Edmond de la Fontaine, alias Dicks, (1823-1891), in einem Gedicht. Diese Verse, die der Grevenmacher Lehrer Johny Weis 1991 bei Gelegenheit der Einweihung des Monumentes für den „Blannen Theis“ vertont hat, gelten einem Grevenmacher Bürger.

Im Jahre 1747 erblickte Mathis Schou im Moselstädtchen das Licht der Welt. Weil er blind war oder zumindest nicht gut sehen konnte, nannte man ihn „de blannen Theis“.
Theis sollte einen außergewöhnlichen Beruf ergreifen: Er wurde Spielmann. Damals war es Brauch, dass bei einem Fest in einem Dorf oder bei einem Familienfest ein Spielmann engagiert wurde, um das Volk zu unterhalten. Auf die Weisen, die der Spielmann auf seiner Geige oder auf seiner Ziehharmonika vorspielte, wurde getanzt, gesungen und gesprungen.

Die Bronzeskulptur des „Blannen Theis“, geschaffen von Wil Lofy, gehört seit Oktober 1991 zum Stadtbild von Grevenmacher.
(Foto: Monique Hermes)

Mit seiner Frau zog Mathias Schou also in und um Grevenmacher von Fest zu Fest und von Dorf zu Dorf und wartete mit seinen lustigen Liedchen auf. „De blannen Theis“ sei einer der Ersten gewesen, der Lieder in unserer Sprache, also

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auf Luxemburgisch, vorgetragen hätte, haben Spezialisten herausgefunden. Bei diesen Liedchen dürfte es sich um Texte wie „Zu Arel op der Knippchen, De klenge Männchen, D‘Meedche zu Gëtzen“, gehandelt haben.

Mathias Schou starb am 18. Oktober 1824 ziemlich arm in Luxemburg-Eich. Dicks verschaffte dem Spielmann aus Grevenmacher, der eine Zeitlang als Mathias Gelhausen gehandelt wurde, mit dem zitierten Gedicht einen Platz in der Luxemburger Literatur.

Das einzige Bild, das wir von Mathias Schou kennen, ist eine Bleistiftzeichnung, welche im Besitz des Museums für Kunst und Geschichte in Luxemburg ist. Diese Zeichnung ist ebenfalls auf jener Briefmarke abgebildet, welche die Luxemburger Post 1974 zum 150. Todestag von Mathias Schou herausgab.

Seit dem 26. Oktober 1991 ziert das vom Künstler Wil Lofy aus Luxemburg entworfene, schmucke Monument des „Blannen Theis“ den Eingang der Grevenmacher Fußgängerzone. Zur Einweihung der Skulptur gab die Gemeinde Grevenmacher eine aufschlussreiche Broschüre mit dem Titel: „Auf den Spuren des Blannen Theis (Mathias Schou) 1747-1824“ heraus. Darin hat der unermüdliche Forscher Jean Welter (+ 2006) alles Menschenmögliche über den sympathischen Grevenmacher Spielmann zusammengetragen. Falsche Spuren, Spuren von Geschichte, Geschehen und Gebräuche, Liederspuren, Bilderspuren und Spuren des „Blannen Theis“ in der heimischen Literatur werden aufgedeckt und ausführlich kommentiert.

„An alles danzt no menger Gei, well alles laacht fir jidder Weis: Juchhei! Ech sinn de blannen Theis!“

Die interessante Broschüre „Auf den Spuren des Blannen Theis (Mathias Schou) 1747-1824“ wird, samt Manuskript, sorgfältig im Grevenmacher Gemeindearchiv aufbewahrt. Da jedoch noch Exemplare vorrätig sind, dürfen Interessenten sie gerne zum Preis von 10 Euro an der Rezeption im Stadthaus kaufen.

Monique Hermes

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