Blannen Theis II

An d’Gemengenarchive geluusst XXXIX

Als der „Blannen Theis” 1991 nach Grevenmacher zurückkehrte

Der in Grevenmacher geborene „Blannen Theis”, alias Mathias Schou (1747- 1824), ist der erste Luxemburger Sänger, der mit unserer Sprache in Verbindung gebracht wird. Auf Jahrmärkten und Hochzeiten sowie bei Kirchweihfesten trug der blinde Bänkelsänger Volkslieder vor und begleitete sie auf seiner Geige. Seine beiden Frauen, zuerst Margaretha Kummer, dann Barbara Kremer, sowie sein Hund, bildeten seine Gefolgschaft. Volksweisen wie „Zu Arel op der Knippchen” oder „Et war e Meedchen zu Gëtzen” wurden bei solchen Festen gerne mitgesungen. Ob Theis selbst auch etwas gedichtet hat, konnte bis dato nicht nachgewiesen werden, scheint jedoch eher unwahrscheinlich. 1824 starb Mathias Schou im Alter von 77 Jahren in ärmlichen Verhältnissen in Eich.

Seit 1991 schmückt die Bronzeplastik des „Blannen Theis“
den Eingang der Grevenmacher Fußgängerzone. (Foto: Monique Hermes)

1991, kehrte der „Blannen Theis“ in die Moselmetropole zurück. Gleich mehrfach. Einmal durch die vielbeachtete Plastik, kreiert vom Luxemburger Künstler Wil Lofy, am Eingang der Grevenmacher Fußgängerzone. Enthüllt wurde das Kunstwerk am 26. Oktober 1991, im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten der neu geschaffenen Fußgängerzone, im Beisein vom damaligen Staats- und Kulturminister Jacques Santer. Tags zuvor war auch auch die gut aufgemachte Broschüre „Auf den Spuren des Blannen Theis“ vorgestellt worden, in der Jean Welter mit ausführlichen Informationen über den sowohl populären als auch legendären Sohn der Stadt Grevenmacher aufwartet. Man kann das Heft, das an Aktualität nichts eingebüßt hat, noch für 10 Euro auf der Gemeinde kaufen.

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Ebenfalls seit 1991 hat der legendäre Bänkelsänger seine Straße im Moselstädtchen. Am 25. März 1991, hatte der Grevenmacher Gemeinderat beschlossen, den früheren „Oberen Moselweg“ umzubenennen in „rue Mathias Schou dit „Blannen Theis“.

Der Nachdruck der Zeichnung vom „Blannen Theis“ wurde 1991 von der Kulturkommission der Stadt Grevenmacher herausgegeben. (Gemeindearchiv Grevenmacher)

Schließlich gab die Kulturkommission im Dezember 1991 einen Sonderdruck der einzigen Darstellung heraus, die vom „Blannen Theis“ existiert. Es handelt sich beim Original um eine 50 cm hohe und 39,5 cm breite Bleistiftzeichnung, die ihren Platz im Nationalmuseum in Luxemburg hat. Jean Welter fand heraus, dass kein Geringerer als unser Nationaldichter Edmond de la Fontaine alias Dicks das Bild 1851 von einem gewissen J.-P. Schou – wohl aus der Verwandtschaft des Sängers – geschenkt bekam und es dem Nationalmuseum vermachte. Dass der Nachdruck der Zeichnung einen Platz im Grevenmacher Gemeindearchiv hat, versteht sich von selbst. Vorgestellt worden war der besondere Druck im Rahmen eines „Blannen-Theis-Owend“, am 9. Dezember 1991 im Grevenmacher Sport- und Kulturzentrum.

Mit dem Gedicht „Ech sinn de Blannen Theis“, das der Grevenmacher Lehrer Johny Weis 1991 vertont hat, verschaffte unser Nationaldichter Edmond de la Fontaine, alias Dicks, dem Lebenskünstler aus Grevenmacher einen Platz in der Luxemburger Literaturgeschichte. Auch bei anderen bekannten Dichtern und Schriftstellern wurde Mathias Schou, dem die Luxemburger Post 1974 eine eigene Briefmarke zugestand, gerne zitiert, so etwa im „Renert „ von Michel Rodange.

Abschließend sei hervorgehoben, dass die Schreiberin dieser Zeilen stolz war, als sie im Jahr 2006 vom Erziehungsministerium mit der Aufgabe betraut wurde, dem legendären Grevenmacher Bürger, einen Beitrag im Lesebuch für

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luxemburgische Literatur „Lies a fléi 2“ zu widmen. Somit ist der „Blannen Theis“ 1991 nicht nur in seine Heimatortschaft zurückgekehrt, sondern er hat mittlerweile auch einen Platz dort, wo Kinder und Jugendliche einen Einblick in das Wesen und Werden unserer Literatur bekommen.

„Ech hu fir jiddereen eng Weis, Gestëmmt ass ëmmerfort meng Gei. Juchhei! Ech sinn de blannen Theis“, heißt es im Gedicht von Dicks. Dem soll auch in Zukunft so bleiben. In Grevenmacher und darüber hinaus.

Monique Hermes

Quellen:
Welter Jean: Auf den Spuren des „Blannen Theis“ (Mathias Schou) 1747-1824, Gemeindeverwaltung Grevenmacher, Druck: Offset Moselle, Oktober 1991.
Hermes Monique: De blannen Theis (1747-1824), in „Lies a fléi 2“, Education nationale, Luxembourg, Druck: Imprimerie Centrale, 2006 u. 2016.

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