Baxeras Garten und Funde

Kundel und Baxeras-Garten
Der „Kundel“ – Die Familie de Baxeras – Die jüngsten Funde 1) Der „Kundel“

Über den einzigen Waschbrunnen innerhalb der Festungsmauer, der sich am Eingang der „Tourgaass“ („Turgaass“) oder „ruelle des bastions“ (früher auch „Oberste Rampartsgasse“), befand und von dem es seit dem Wiederaufbau Grevenmachers nach dem Zweiten Weltkrieg leider keine sichtbaren Spuren mehr gibt, sind denn auch nur wenige Informationen vorhanden:

Ein Bild, auf dem eine ältere Frau im Brunnenhaus zu sehen ist sowie ein weiteres Foto, auf dem drei Knaben im „Kundel“ spielen, des Weiteren eine Postkarte sowie das Original einer Tuschzeichnung der „Turgaass“ samt „Kundel“. Letzteres hat Lé Tanson (1914-1999) aus Bad Mondorf gezeichnet, und es befindet sich, zusammen mit zahlreichen weiteren interessanten Dokumenten, in einem unveröffentlichten, nicht datierten Manuskript von Jos. Hurt (1892-1962) mit dem Titel „Grevenmacher: Eine Bild- und Archivsammlung in Wort und Bild“.

Auch ist nicht historisch belegt, ob der „Kundel“ vom Marienbrunnen in den Baxeras-Gärten aus gespeist wurde, etwa durch eine unterirdische Verbindung, ob die Anlage den Bewohnern innerhalb der Festungsmauern in Besatzungs- und Kriegszeiten auch Trinkwasser bot und ob von ihr aus der ebenfalls verschwundene Marktbrunnen („Maartbur“) in der oberen Großgasse mit Wasser versorgt wurde.

Die Schreiberin dieser Zeilen, die seit September 1971 in Grevenmacher wohnhaft ist, kann allerdings auf die mündlichen Berichte des im Jahre 1986 verstorbenen Lehrerkollegen Mathias Clemens zurückgreifen. Im Rahmen des ersten Schüleraustausches zwischen Grevenmacher und der französischen Partnerstadt Aubière (Puy-de-Dôme), der 1982 stattfand, erzählte der damals 43- jährige Lehrer den staunenden Mädchen und Jungen aus Grevenmacher sowie aus Aubière begeistert, wie ganz besonders die Grevenmacher Buben seiner Generation sich als Kinder liebend gern im „Kundel“ mit Wasser bespritzt und wie die Mütter ihnen nach dem nassen Vergnügen den Hosenboden stramm gezogen hätten.

Auch wusste Mathias Clemens davon zu berichten, wie sich das Wasser des „Kundels“ bei der Schneeschmelze oder bei starken Regenfällen und Gewittern seinen Weg ins Stadtinnere suchte. Durch die Spitalgasse in die Großgasse und weiter in Richtung Dekanatskirche, manchmal gar über den „Prosteneek“ bis hinunter zur Mosel sei es dann gelaufen…

Der Name „Kundel“ dürfte aus dem älteren Sprachgebrauch stammen und etwas mit stets fließendem Wasser zu tun haben. Während meiner Kindheit in

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Redingen gebrauchte man dort noch oft den Ausdruck: „d’Waasser kundelt“, wenn Wasser irgendwo unkontrolliert hervorquoll…

Seit einigen Jahren kann man in der „Turgaass“ einen Nachbau des „Kundel“ bewundern. Auf Anregung des lokalen „Syndicat d’Initiative et de Tourisme“ verwirklichte das Grevenmacher Architektenbüro WeB diesen Nachbau 2009 in einer gemeindeeigenen Scheune. 2011 wurde das gediegene Gebäude mit dem „Prix de la Renovation“ im Rahmen des Wettbewerbs „Concours Construction Acier 2011“ bedacht. Im oberen Stockwerk des heutigen „Kundel“ befindet sich eine kleine Galerie, in welcher die Funde dokumentiert sind, die 2003 in den Baxeras-Gärten ans Tageslicht kamen.

2) François de Baxeras Hochgerichtsherr in Grevenmacher Ende des 18. Jahrhunderts

„Sehr unbeliebt war bei den Bürgern von Grevenmacher ihr Hochgerichtsherr François de Baxeras, mit dem sie zahlreiche Schwierigkeiten hatten“, schreibt Alphonse Sprunck (1896-1983) in einem unten zitierten Beitrag. Erwähnt wird aus diesem Beitrag zuerst ein Schreiben vom 13. Dezember 1781 von Baxeras an den Generalprokurator d’Olimart, betreffend einen Brand „in seinem Hause“, der zu etlichen Unruhen geführt hatte. (Es handelte sich dabei um das heutige Dechantenhaus, das 1708 erbaut wurde und das die de Baxeras von 1777 bis zur Französischen Revolution bewohnten.) Selbst von konkreten Morddrohungen gegen Baxeras wird in besagtem Schreiben gesprochen.

Weiter geht es um ein Schreiben vom 22. Dezember 1781 an den stellvertretenden Generalprokurator de Traux, in dem Baxeras der städtischen Gerichtsbehörde von Grevenmacher vorwirft, bei den oben erwähnten Unruhen ihre Pflicht nicht getan zu haben.

„Baxeras, der früher als Kapitän der Grenadiere im Regiment de Ligne gedient hatte, hatte am 13. Dezember 1781 – also sofort nach dem Brand und den Morddrohungen – vom Provinzialrat die Erlaubnis erhalten, sich eine Abteilung von acht Soldaten mit einem Korporal von Luxemburg zu seinem Schutzkommen zu lassen“.

Sämtliche Zeugen des Brandes wurden am 2. April 1782 nochmals verhört. Baxeras musste allerdings die diesbezüglichen Gerichtskosten übernehmen. Sprunck vermutet, dass „das Feuer angelegt worden war und die Bevölkerung ärgerlich war, dass der Dachdecker den Brand gelöscht hatte“.

„Im Jahre 1784 bat Baxeras den Kaiser um eine Erklärung, da die Stadt Grevenmacher kein Recht habe, die Stelle eines Richters über ihre Bürger zu vergeben“, weiß Sprunck weiter zu berichten. (Es handelte sich dabei um den Stadtrichter, der bereits in der Schenkungsurkunde von 1252 verbrieft war.) In dieser verzwickten Angelegenheit wurde schließlich festgehalten, dass der Herrscher

über Grevenmacher, der dieses Recht vorher besessen hatte – in diesem Falle Wickerslooth – es zugleich mit der Herrschaft Grevenmacher abgetreten hatte. Das Recht Baxeras’ auf die Ernennung des Richters von Grevenmacher war somit nach der Ansicht des stellvertretenden Generalprokurators bewiesen „aus Dokumenten und aus der allgemeinen Tatsache, dass alle Familien, die am Ende des 13. Jahrhunderts Herrschaften erworben hatten, dieses Recht besaßen“.

Es sollte noch schlimmer kommen, denn „am 19. August 1789 sandten die Bürger von Grevenmacher (8 Namen werden aufgelistet, darunter auch derjenige von Postmeister (Philipp Johann) Jolliot, der am 23. August 1792 in Grevenmacher auf keinen Geringeren als auf den deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe traf) eine neue Klageschrift gegen Baxeras an den Kaiser“.

Sechs Klagepunkte waren in der Schrift festgehalten, u. a. dass Baxeras einen Bach, der mitten durch die Stadt floss und den Bürgern sehr bequem, bei einem

Brande sogar notwendig war, auf seine Mühle hatte ableiten lassen – (es könnte sich um die Baxeras-Mühle, die spätere Schorens-Mühle, in der Nähe der Stadtmauer handeln; dann wäre der besagte Bach der „Rouderbach“, der den Stadtgraben speiste) – dass er seinem Förster befohlen hatte, in den Gemeindewäldern Bäume für 20 Korden Holz mit seinem Namen zu bezeichnen und zu verkaufen und dass er in der Nähe dieser Wälder einen Kalkofen anlegen lassen hatte, dass er die „Heynerten“ der Gemeinde, bestehend aus Wiesen und Ländereien, als sein Eigentum benutzte, usw.

„Niemals hatte Baxeras sich mit einer Klage gegen Bürger an den Magistrat von Grevenmacher gewandt, der ihm sein Recht nicht verweigert hätte“, schlussfolgert Sprunck.

Von zahlreichen weiteren Schreiben, sowohl von Baxeras als auch von Schöffen, bzw. Bürgern, wird im Beitrag berichtet und man kann sich schließlich des Eindrucks nicht erwehren, dass einer der letzten Hochgerichtsherren von Grevenmacher, François de Baxeras, im Moselstädtchen denn auch alles andere als geschätzt und beliebt war. „François de Baxeras (…) war sehr unbeliebt, und es kam öfters zu Techtelmechtel und sogar zu Handgreiflichkeiten mit den Bürgern der Stadt Grevenmacher“, schlussfolgert denn auch Jean Welter (1934-2006) im ebenfalls unten zitierten Beitrag.

Quellen:

  •   „Von König Ludwig XIV. zu Kaiser Franz II. – Aus der Geschichte der Propstei und

    Hochgerichtsbarkeit Grevenmacher im 18. Jahrhundert“, von Alphonse Sprunck, in „Grevenmacher 1252-1952 La Bonne Ville – Festschrift zur 700 Jahrfeier des Freiheitsbriefes“.

  •   „750 Joer Fräiheeet fir Gréiwemaacher – D’Par mécht mat“, Beitrag von Jean Welter zum Thema „Religiöse Spuren in und um Grevenmacher“.

3) Das Haus (de) Baxeras… … heute das Dechantenhaus

Das Haus an der Nummer 2 der Luxemburger Straße wurde im Jahre 1708 erbaut. Im Deliberationsregister der Kirchenfabrik kann man unter dem 19. Januar 1891 nachlesen, wie es zum Kauf des neuen Dechantenhauses kam:

„Dechant (Johann Nikolaus) Post – er war 1886 nach Grevenmacher gekommen und hatte zuerst im alten Pfarrhaus im Bering der Franziskanerinnen in der damaligen „Paschtoueschgaass“ und heutigen „rue de l’Hôpital“ gewohnt, das allerdings in seinem sehr schlechten baulichen Zustand sowie feucht, niedrig und unbequem war – hat (am 21.

April 1892, laut dem von Notar Feyder aufgestellten Kaufakt) das Haus der Witwe Clara Schneider-Muller mit Nebengebäuden, nebst zwei Hofräumen, Stallungen, Scheune, Garten, messend im Ganzen 23 Ares 25 Centiares (…) angekauft zum Preis von 21.000 (Gold)Franken (…)“.

Und es ist dann auch Dechant Post, der das „neue“ Haus folgendermaßen beschreibt: „ … dieses Haus wurde 1708, sechzig Jahre nach dem Westfälischen Frieden (1648), mit dem der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, erbaut. Es war das ehemalige herrschaftliche Haus de Baxeras. Stark gebaut, in gutem Zustand, geräumig, luftig und trocken. (…).“

Quellen:

  •   Dechant Emile Weyer in „Laurentius-Pfarrblatt der Pfarrei Grevenmacher,

    Weihnachten 1990/Neujahr 1991“.

  •   „Aus der interessanten Geschichte des Grevenmacher Dechantenhauses“, eine

    Zusammenfassung und Ergänzung des ersten Beitrags, von m.h., in „750 Joer Fräiheet fir Gréiwemaacher – D’Par mécht mat“.)

    4) Nochmals de Baxeras und dessen Güter

    Die Zusammenfassung von Philippe Knaffs (1822-1889) Ausführungen in Sachen de Baxeras ist folgende: Ein ausgedienter Kapitän des österreichischen Regimentes de Clairfayt, François de Baxeras, erwarb am 5. Juli 1777 die „Herrschaft Maacher“ von Baron Gérard-Joseph de Wickerslooth (Cornelius Gerardus Josephus Des H. r. Rijksbaron van Wijkerslooth van Grevenmachern, * 1749 Dordrecht NL, + 1804 Heemstede NL) für 4.000 „Ecus de Navarra“. Der Baron hatte sich allerdings das Recht vorbehalten, den Titel eines Grafen von Grevenmacher nicht aufzugeben und sich des Stadtwappens zu bedienen.

    Beachtliche Güter und herrschaftliche Häuser besaßen damals – laut Knaff – die Grevenmacher Familien Gattermann, de Thierry, de Maring und nun auch de Baxeras.

    Die Güter der Baxeras lagen im nordwestlichen Teil des Städtchens. Es handelte sich um das 1708 erbaute, bereits erwähnte, heutige Dechantenhaus, sowie um jene Liegenschaften, auf welchen später die Franziskanerinnen von der Barmherzigkeit u. a. ein Waisenheim für Knaben, ein Internat mit

Primärschule sowie die ehemalige Haushaltungsschule und den sog. „Marienbrunnen“ errichteten, nachdem sie im Frühjahr 1900 die Liegenschaften „von den Erben von Math. Dietz“ käuflich erworben hatten.

Quellen:

  •   „Geschichtliche Abhandlung über die Stadt und ehemalige Festung und Landrichterei

    Grevenmacher“ von Philippe Knaff, Luxemburg, 1867.

  •   Obermosel-Zeitung vom 20. März, bzw. vom 17. und 21. August 1900.)

    Die Baxeras-Gärten mit der angrenzenden „Turgaass“ in den 8oer Jahren des 20. Jahrhunderts. (Foto: Gemeindearchiv Grevenmacher)

 Zu den Franziskanerinnen von der Barmherzigkeit…

… ist zu bemerken, dass sie seit dem 1. Juni 1869 in Grevenmacher ansässig sind. Das erste Haus, das drei Ordensschwestern an besagtem Datum bezogen, lag wohl im Herzen Grevenmachers in der damaligen „rue du curé“, heute „rue de l’hôpital“. (Auch das alte Pfarrhaus der Moselmetropole befand sich bis 1892 im Bereich des ersten Waisen- und bald auch Altenheims der Franziskanerinnen.) Das Haus war dem Orden von Séraphine Pescatore-Beving zur Verfügung gestellt worden. Deren Vater stammte aus Grevenmacher und hatte seiner Tochter dort ein Haus mit Hof, Ställen und Garten vererbt, „ein enges, altes Gebäude, wenig vorteilhaft zur Waisenanstalt“, wie es in Schriften über die Kongregation – u. a. von Anne- Marie Leyder – heißt.

Schon bald wurden umliegende Gebäude angekauft und umgeändert, denn zum Waisenheim kam ebenfalls das Altenheim hinzu. Im Frühjahr 1900 kauften die Franziskanerinnen ebenfalls die ehemaligen Baxeras-Gärten oder das damalige „Dietzsche Anwesen“.

Noch heute sprechen die älteren Bewohner Grevenmachers vom „Baxeras- Gaart“, bzw. von den „Baxeras Gäert“, welche an die Ringmauerstraße grenzen.

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Die Gartenanlagen selbst wurden – laut Philippe Knaff – von Herrn de Jardin, „seit 1750 Landrichter in Grevenmacher“, angelegt.

5) Die Funde im Baxeras-Garten

Die Archäologin Christiane Bis-Worch, Autorin des unten zitierten Beitrags, geht zuerst auf den Anlass der an und für sich „kleinen Notgrabung im sog. Baxerasgarten“ im Herbst 2003 ein: Die Planung und Ausführung des neuen, nahe der mittelalterlichen Stadtmauer gelegenen Seniorenheims auf dem Grund und Boden der Franziskanerinnen und die damit verbundenen präventiven Bohrungen,

  1. a)  weil in und um Grevenmacher immer wieder römische Funde gemacht wurden, die auf die Präsenz einer Villa oder etwas Ähnlichem schließen ließen,
  2. b)  weil die Ortschaft frühen Nennungen nach zunächst als „Villa Machara“ (634?), dann als „villa machariaco“ (732-733?), usw. bezeichnet wurde,
  3. c)  weil der Garten nie überbaut wurde und demnach die Chancen auf ungestörte Befunde direkt neben der alten Stadtmauer hoch waren.

„Keiner hat jedoch mit den zu Tage gekommenen Funden und Befunden gerechnet, welche die Geschichte Grevenmachers in neuem Lichte erscheinen lassen (…)“, so Christiane Bis-Worch.

Alsdann geht es um die Funde die der Garten, benannt nach Franz (François) de Baxeras, freigab: eine zweiteilige Anlage, welche durch einen tief einschneidenden Gang getrennt war, und deren mehrfache Teilung bereits auf einer Karte von 1755 zu erkennen ist (Ferraris-Karte).

In der nördlichen Gartenhälfte befand sich der bekannte Brunnen mit einer doppelten Ehrentreppe und mit einer Mariensäule samt Statue. Letztere kann heute wenige Meter entfernt bewundern. In der oberen Gartenzone wurde ein weiterer Barockbrunnen mit zentraler Fontäne freigelegt. Gehörte er zu einem Brunnenhaus aus dem Jahr 1740? Weiter wurde festgestellt, dass zwei ehemalige Pavillons auf der gegenüberliegenden Gartenseite durch einen Gang unterirdisch miteinander verbunden waren.

Zudem stehen eine Kirche, ein Friedhof und andere bisher unbekannte mittelalterliche Strukturen im Rampenlicht der rezenten Funde. „In ca. 2 m Tiefe fanden sich zahlreiche Strukturen einer früheren Besiedlung Grevenmachers: So konnte festgestellt werden, dass der südliche Bereich hinter den Pavillons von spätkarolingischer Zeit an bis in die zweite Hälfte des 13. Jh. besiedelt war“, schreibt Christiane Bis, die in diesem Zusammenhang auf zehn – zum Teil mehrphasige – Grubenhäuser hinweist, welche in der Regel handwerklich genutzt wurden.

Aus der Mauer eines dieser Steinhäuser stammen vier Münzen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie belegen nachdrücklich, dass die Siedlung nach dem Erhalt des Freiheitsbriefes (1252) durch Steingebäude aufgewertet wurde.

Ein weiteres Gebäude war durch eine zentrale Feuerstelle beheizbar, in welcher sich zudem nicht alltägliche Funde aus Bein, Bronze und Keramik befanden. Der Keller des dritten Steinhauses war zudem besonders groß für seine Zeitstellung und durch Lichtnischen beleuchtet. Vermutlich wurden hier Waren verhandelt.

Auf der nördlichen Gartenseite hinter der Ehrentreppe traten im Zuge der Ausgrabungen völlig unerwartet zahlreiche Gräber zu Tage. Sie befanden sich neben einer bis dato völlig unbekannten Kirche. Bereits Philippe Knaff bezeichnet allerdings auf einem Katasterplan das angrenzende Gebiet als „Vieux cimetière/alter Friedhof“. Doch dieser müsste weiter nördlich, in der Richtung der heutigen Grundschule, gelegen haben.

Es ergibt sich demnach das Bild eines Friedhofs großen Ausmaßes, der entweder über einen langen Zeitraum oder aber besonders intensiv genutzt wurde, wobei die neu entdeckte Kirche – deren Baudatum noch ungewiss ist, die aber vielleicht eine Spitalkirche gewesen sein könnte, weil im Kircheninnern ein Pilgergrab mit Jakobsmuschel freigelegt werden konnte – am äußersten Rand des Friedhofs lag. Es könnte sich jedoch auch um eine sog. Handelskirche handeln. Zudem sprechen einige Indizien dafür, dass wir es hier unter Umständen mit einer Vorgängerin der St. Laurentiuskirche zu tun haben könnten. Später, mit der Errichtung der Stadtmauer, wäre diese dann in das neue Zentrum verlagert worden.

Die Baustruktur einer Kirche konnte freigelegt werden. (Foto: MNHA)

Christiane Bis-Worch vermutet, dass die entdeckten Gebäude aufgrund ihrer Ausrichtung mit großer W ahrscheinlichkeit den V erlauf der oberen alten

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Handelsstraße Luxemburg-Trier (ungefähr heutige „rue des Tanneurs“) markieren, welche zwischen den Gebäuden und der neu entdeckten Kirche eine Verbindung in Richtung Siedlung bzw. Mosel besaß.

Die Funde aus dem Baxeras-Garten wurden ebenfalls dokumentiert in der interessanten Ausstellung „Unter unseren Füßen – Sous nos pieds“, vom 20. Oktober 2011 bis zum 2. September 2012 im MNHA in Luxemburg sowie im gleichnamigen Katalog zur Ausstellung.

Quellen:

  •   „Ungewöhnliches aus Grevenmacher: die Funde aus dem Baxeras-Garten“, von

    Christiane Bis-Worch, in „Musée info – Bulletin d’information du Musée National

    d’Histoire et d’Art, N° 17 Décembre 2004.

  •   „Unter unseren Füßen – Sous nos pieds“ Archäologie in Luxemburg / Archéologie au

    Luxembourg 1995-2010 – Musée National d’Histoire et d’Art – Centre National de Recherche Archéologique, Luxembourg 2011)

    Monique Hermes (update: Januar 2019)

    Dieser aktualisierte Beitrag wurde auf einem vom Grevenmacher „Syndicat d’Initiative et de Tourisme“ herausgegebenen Faltblatt erstmals veröffentlicht bei Gelegenheit der Einweihung der Nachbildung des „Kundel“ im März 2010.

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Blick auf Grevenmacher vom Baxeras-Garten aus, gemalt von N. Schock. (Bild: Sammlung Jean-Pierre Urwald)

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