Album pittoresque

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An d’Gemengenarchive geluusst XLVII

Ein „pittoreskes Album“ aus dem Jahr 1857 als Geschenk

Im Sommer 1977 machte ein Grevenmacher Bürger, der Malermeister Jean Weyer, der Stadt Grevenmacher ein ganz besonderes Geschenk: Er offerierte der Gemeinde eine gut erhaltene und (fast) komplette Ausgabe des bedeutenden Werkes „Album pittoresque du Grand-Duché de Luxembourg – dédié à S. A. R. le Prince Henri des Pays-Bas, Lieutenant-Représentant de S. M. le Roi Grand- Duc dans le Grand-Duché de Luxembourg“, welches 1857 erstmals herauskam. Der Luxemburger Maler und Zeichenprofessor Jean-Baptiste Fresez (1800- 1867) ist der „Autor“ des 29 x 44 cm großen Buches, das damals für die Stadtbibliothek bestimmt war, wie aus einem Dankesschreiben der Gemeindeverantwortlichen hervorgeht.

Dem Statthalter, Prinz Heinrich der Niederlande, widmete Fresez 1857 sein „Album pittoresque du Grand-Duché de Luxembourg“.

Das bemerkenswerte Album enthält 29 stimmungsvolle, dezent gefärbte Lithographien, graviert von Armand Cassagne, einem bekannten französischen Lithographen aus dem 19. Jahrhundert, gedruckt bei Rose Joseph Lemercier in Paris, einem nicht weniger renommierten Drucker, ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert Viele Ortschaften, bzw. Burgen und Schlösser des Großherzogtums, von Luxemburg-Stadt über Esch/Sauer, Clerf, Diekirch, Echternach, Remich und Schengen bis Hesperingen, sind im Buch abgebildet. (Eigentlich müssten es 30 Lithographien sein; leider hat jemand sich das Bild von Wormeldingen „unter den Nagel gerissen“.) Begleitet werden die ansprechenden Bilder von informativen Texten in französischer Sprache, die wohl auch aus der Feder von Fresez stammen; jedenfalls ist nirgendwo ein anderer Textautor vermerkt.

Wer war Jean-Baptiste Fresez? Der keinesfalls unbekannte Maler und Zeichenprofessor erblickte das Licht der Welt 1800 im französischen Longwy

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und starb 1867 in Luxemburg-Stadt. Da sein Vater in der Porzellanmanufaktur in Luxemburg-Rollingergrund („Siweburen“) arbeitete, zog er 1802 mit seinen Eltern nach Luxemburg und wurde 1848 auch luxemburgischer Staatsbürger. Fresez studierte Kunst an der „Académie des Beaux-Arts“ in Brüssel und unternahm Studienreisen, u.a. nach Paris. In der Malerei zeichnete er sich aus durch seine Portraits sowie durch seine äußerst detaillierten Landschaftsbilder, auf denen u. a. Gebäude und Schlösser zu sehen sind, die es heute nicht mehr gibt. Im „Musée National d’Histoire et d’Art“ (MNHA) kann man Werke des Malers bewundern, zu dessen Ehren die Luxemburger Post 1952 eine Briefmarke herausgab.

Zu den weiteren Werken von Fresez zählen die „Vues de la Ville de Luxembourg“ (1828), das bereits erwähnte „Album pittoresque du Grand- Duché de Luxembourg“ (1857 – Edition Vic Hoffman; Neuauflagen: 1932, 1968 und 1990) sowie eine Serie von Tellern mit Motiven des Malers, hauptsächlich Burgen und Schlösser Luxemburgs, herausgegeben durch die Porzellanmanufaktur „Siweburen“.

Stimmungsvoll hat der Maler auch die Moselortschaft Schengen in seinem Album dargestellt.

1857, als Fresez sein heute seltenes Werk herausgab, war Wilhelm III. von Oranien-Nassau König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg. 1849 hatte dieser seinen Bruder Heinrich von Oranien-Nassau zum Statthalter des Großherzogtums Luxemburg ernannt. Heinrich, der als „de gudde Prënz Hari“ in die Geschichte einging, hatte 1853 Prinzessin Amalia von Sachsen-Weimar- Eisenach geheiratet. Auch sie war eine Wohltäterin des Landes. Das Paar residierte auf Schloss Walferdingen. Diesem „gudde Prënz Hari“, nachdem ebenfalls die Prinz-Heinrich-Eisenbahnen benannt waren, widmete Fresez damals sein Werk, dessen aktueller Preis im Antiquitätenhandel mit etwa 2.100 Euro angegeben ist und auf das die Stadt Grevenmacher stolz sein darf!

Monique Hermes

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